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Mordprozess in Köln: Angeklagter soll Bruder der Ex-Frau erschossen haben

Mordprozess in Köln  

43-Jähriger soll Bruder seiner Ex-Frau erschossen haben

09.06.2021, 18:12 Uhr
Mordprozess in Köln: Angeklagter soll Bruder der Ex-Frau erschossen haben. Der 43-jährige Angeklagte im Gerichtssaal: Am Abend der Tat war er vor dem Kölner Polizeipräsidium festgenommen worden. (Quelle: dpa/Oliver Berg)

Der 43-jährige Angeklagte im Gerichtssaal: Am Abend der Tat war er vor dem Kölner Polizeipräsidium festgenommen worden. (Quelle: Oliver Berg/dpa)

In Köln ist ein Mann wegen Mordes angeklagt, nachdem er acht Schüsse auf drei Männer abgegeben hatte. Ein Mann, der Bruder seiner Ex-Frau, starb dabei, der neue Freund wurde schwer verletzt.

Eigentlich hatte der 42-jährige Chemikant an jenem Tag nur eine Adressänderung beim Straßenverkehrsamt vornehmen lassen wollen. Doch dann fand er sich unerwartet in einer Schießerei wieder, die auf ihn abzielte und seinen Schwager das Leben kostete: "Hier auszusagen ist sehr belastend für ihn. Er steht unter extremer Anspannung", schickte daher sein Anwalt der Aussage des Mannes voran.

Der 42-Jährige ist einer von drei Nebenklägern im Verfahren gegen einen 43-Jährigen, der wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt ist. Hintergrund ist ein Beziehungsdrama, das am 4. Februar dieses Jahres in Bergheim eskalierte. "Ich wollte nicht wahrhaben, dass meine Frau unsere Ehe gar nicht mehr wollte", heißt es in der Einlassung des Angeklagten, die dieser über seinen Verteidiger vorlesen ließ.

Darin beschränkte er sich zunächst auf seine persönliche Situation. Angaben zur Tat sollen zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Zum Auftakt deutete der Angeklagte jedoch bereits an, dass er grundsätzlich die Vorwürfe nicht bestreitet und Verantwortung übernehmen möchte: "Durch mich ist ein Mensch gestorben und zwei weitere wurden verletzt. Ich möchte nicht über meine Lage jammern. Ich möchte nur, dass Sie sie verstehen."

Kein Kopftuch mehr: "Irgendwas ganz anders als zuvor"

Das Paar hatte sich bei einer Hochzeit in der Türkei kennengelernt und verliebt. Seine Mutter habe frühzeitig die Einschätzung abgegeben, dass die in Deutschland aufgewachsene junge Frau "sehr frei" sei: "Was sie damit meinte, habe ich erst später verstanden“, so der Mann, der selbst in der Türkei aufgewachsen ist. Auf Wunsch seiner Frau verlegte das Paar, sobald die Geburt des ersten Kindes anstand, den Wohnsitz der Familie nach Bergheim. Zunächst schien sich alles gut zu entwickeln: Das Paar bekam im Laufe der Zeit vier Kinder, fand der Reihe nach verschiedene Jobs, irgendwann kam es zur Eröffnung einer eigenen Autowerkstatt.

"Meine Frau schrieb unsere Namen auf die Wand. Ich war sehr glücklich und stolz", bekannte der Mann. Doch dann habe sie wieder Kontakt zu einer früheren Schulfreundin bekommen und ihr Verhalten in der Folge verändert: "Sie hat ihr Kopftuch abgelegt und ging mit Freundinnen alleine aus. Irgendetwas war ganz anders als zuvor." Es kam zur Scheidung und zu Umgangsprozessen, die der Mann als verletzend empfand: "Ich verstand, dass ich weniger Rechte hatte in Bezug auf die Kinder. Darüber war ich gekränkt." Wegen Depressionen und Angstzuständen sei er in Behandlung gewesen.

Erschossener Schwager wollte wohl helfen

Im Februar dieses Jahres wollte er, so heißt es in der Anklage, nur mit Freunden einen Kaffee in der Eisdiele holen. Zufällig kam es zu einer ersten Begegnung mit dem neuen Lebensgefährten der geschiedenen Frau des 43-Jährigen. Dieser zog sich gleich in das Amt zurück, in dem er ohnehin einen Termin hatte: "Ich habe gehört, dass er gedroht und geschimpft hat. Ich bin einfach reingegangen, ich habe mir nichts dabei gedacht", so erinnert es der Zeuge.

In der noch verbleibenden Wartezeit habe er jedoch seine Frau angerufen und ihr von der Begegnung erzählt. "Als ich auflegte, wusste ich nicht, dass sie sich auf den Weg machte. Zum Glück hat sie sich verfahren, weil das Straßenverkehrsamt früher an einer anderen Adresse war. Sonst wäre sie wohl jetzt auch nicht mehr hier", mutmaßt er.

Die beunruhigte Frau verständigte jedoch offenbar auch ihren Bruder, der mit einem Bekannten zusammen zum Amt fuhr. Als ihr neuer Partner das Gebäude verließ, begegnete er unerwartet diesen beiden und fragte: "Was macht ihr denn hier? Das war doch nicht nötig." Bereits Sekunden später sei, für den Zeugen völlig unerwartet, der Angeklagte wieder aufgetaucht und habe eine Pistole gezogen. Laut Staatsanwaltschaft gab er alle acht Schüsse ab, die im Magazin waren. Dabei verletzte er seinen früheren Schwager tödlich und fügte dessen Begleiter sowie dem neuen Partner seiner Ex-Frau massive Verletzungen zu.

Neuer Partner überlebte nur knapp

Mit dem Angriff habe niemand von ihnen gerechnet, so der Zeuge, der über seinen getöteten Schwager sagt: "Er war ganz locker und gut drauf. Als ich ihn sah, war er gerade am Telefon. Später habe ich erfahren, dass er mit meiner Frau sprach und ihr sagte: Du brauchst nicht zu kommen." In Panik sei er selbst zunächst weggerannt, so der Zeuge. Aus einiger Entfernung habe er sich umgedreht: "Da habe ich nur meinen Schwager gesehen, der am Boden lag und vor Schmerzen schrie."

Da aber auch er selbst getroffen worden sei, habe er sich zum Auto geschleppt und sei zum nahegelegenen Krankenhaus gefahren. Laut Staatsanwaltschaft war auch sein Blutverlust so erheblich, dass er ohne sofortige medizinische Hilfe binnen Kürze verstorben wäre.

Für das Verfahren sind neun Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil ist für den 1. Juli anberaumt.

Verwendete Quellen:
  • Besuch der Gerichtsverhandlung

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