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Wie radikal wird die Verkehrswende in K├Âln?

Von Mareike Thuilot

07.05.2022Lesedauer: 5 Min.
Bald f├╝r ein Jahr testweise autofrei: Die Deutzer Freiheit.
Bald f├╝r ein Jahr testweise autofrei: Die Deutzer Freiheit. (Quelle: Mareike Thuilot)
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Z├Ąh flie├čende Autokarawanen, schimpfende Radfahrer und schmutzige Luft ÔÇô sie pr├Ągen das K├Âlner Stadtbild. Das soll sich ├Ąndern. Schon jetzt gibt es Modellprojekte, die wegweisend f├╝r die K├Âlner Verkehrswende sein k├Ânnten.

Jerry Schroeder sitzt mit einer Zitronen-Ingwer-Limonade im Cafe Heimisch auf der Deutzer Freiheit und beobachtet das dortige Treiben. Es ist fr├╝her Abend, auf der Einkaufsmeile im rechtsrheinischen K├Âln l├Ąsst der Verkehr langsam nach. Viele trinken bereits ihr Feierabendk├Âlsch, Autos und Radfahrer schl├Ąngeln sich vorbei an Fu├čg├Ąngern und parkenden Autos durch die eng bebaute Stra├če.

Bald soll sich das Stadtbild hier radikal ├Ąndern, daf├╝r k├Ąmpft Schroeder seit f├╝nf Jahren mit seiner B├╝rgerinitiative "Deutzer (Auto-)Freiheit". Am 11. Juni 2022 startet das Experiment: Der gr├Â├čte Teil der beliebten Shopping- und Gastromeile soll dann frei sein vom Autoverkehr, die Stra├če ganz den Fu├čg├Ąngern, Shoppern, Flanierenden, Radfahrern und Caf├ę-Besuchern geh├Âren.

"20 Prozent kommen mit dem Auto und nehmen 80 Prozent des Platzes ein"

"Vor allem mittags ist der Verkehr der blanke Horror", erz├Ąhlt Schroeder, "es ist hektisch und ungem├╝tlich. Ohne Anrempeln kommt man kaum durch." Zur Beschreibung der Situation nimmt er die 80/20-Regel zu Hilfe: "20 Prozent kommen mit dem Auto und nehmen 80 Prozent des Platzes ein."

Die Idee einer autofreien Deutzer Stra├če sei 2017 w├Ąhrend eines Stra├čenfestes entstanden. F├╝r das Event wurde das Deutzer Kerngebiet ein Wochenende lang f├╝r den Autoverkehr gesperrt. Und siehe da: Schroeder und seine Freunde aus dem Veedel merkten, wie viel entspannter es mit weniger Autoverkehr sein kann.

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Autofreiheit als Modellexperiment

Es bildete sich eine Gruppe von etwa zehn Gleichgesinnten. Gemeinsam reichten sie im Herbst 2019 nach vielen ├ťberlegungen und Diskussionen mit Veedelsbewohnern und Gewerbetreibenden bei der Bezirksvertretung einen Antrag ein mit konkreten Ideen zur Umsetzung einer autofreien Deutzer Freiheit.

Im Dezember 2021 fasste die Stadt K├Âln schlie├člich den Beschluss: Als Modellexperiment wird die Deutzer Freiheit f├╝r ein Jahr auf Probe zwischen Siegburger Stra├če und Luisenstra├če sowie zwischen der Graf-Ge├čler-Stra├če und dem Gotenring autofrei.

Die Stra├če wird so zur Fu├čg├Ąnger- und Fahrradstra├če, die frei gewordenen Kurzzeitparkpl├Ątze sollen in Ladezonen, Fahrradparkpl├Ątze sowie Raum f├╝r Au├čengastronomie und konsumfreie Sitzgelegenheiten umgewandelt werden.

Wird das Experiment erfolgreich sein? Analyse nach einem Jahr

Komplett autofrei geht es allerdings nicht, die Querung und Anwohnerfahrten, der Lieferverkehr sowie Taxifahrten f├╝r bewegungseingeschr├Ąnkte Menschen sind weiterhin erlaubt. Bei Autofrei-Experimenten soll nur der verzichtbare Teil des flie├čenden und stehenden Verkehrs verbannt werden.

Nach einem Jahr folgt dann die politische Analyse: Ist das Experiment gegl├╝ckt? Sind Anwohner, Besucher und Gewerbetreibende in der Deutzer Freiheit zufriedener als vorher? Denn das ist schlie├člich, worum es geht ÔÇô die Menschen sollen sich wohler f├╝hlen.

Gewerbetreibende waren gegen autofreie Zone

Schroeder freut sich auf die autofreie Zeit und hofft auf mehr Aufenthaltsqualit├Ąt, weniger L├Ąrm, nachbarschaftliche Begegnungen, ein sch├Âneres Stadtbild und bessere Luft. Ihm ist jedoch bewusst, dass Ver├Ąnderungen Zeit brauchen. Denn so positiv wie die B├╝rgerinitiative sehen den Versuch nicht alle Deutzer.

Neben vielen positiven R├╝ckmeldungen ├Ąu├čerten vor allem Gewerbetreibende ├ängste, erz├Ąhlt Schroeder. "Das sind ganz unterschiedliche Sorgen, viele f├╝rchten beispielsweise, dass die autofahrenden Kunden ausbleiben."

Verkehrswende in kleinen H├Ąppchen

Die Deutzer Stra├če ist kein Einzelfall, es tut sich was in der Domstadt. Nachdem K├Âln als genuine Autostadt jahrzehntelang f├╝r eine ernsthafte Verkehrswende als viel zu verbaut und st├Ądteplanerisch verkorkst dargestellt wurde, werden traditionelle Gewissheiten derzeit in kleinen St├╝ckchen zu den Akten gelegt.

Er ist einer der K├Âpfe hinter der Initiative, die sich f├╝r eine autofreie Deutzer Freiheit eingesetzt hat: Jerry Schroeder.
Er ist einer der K├Âpfe hinter der Initiative, die sich f├╝r eine autofreie Deutzer Freiheit eingesetzt hat: Jerry Schroeder. (Quelle: Mareike Thuilot)

Im Schatten globaler Krisen nimmt die Mobilit├Ątswende in K├Âln seit einigen Jahren an Fahrt auf ÔÇô zwar nicht im Turbomodus, f├╝r K├Âlner Verh├Ąltnisse jedoch mit einer erstaunlichen Portion Ver├Ąnderungsmut. Als treibenden Motor sieht Schroeder neben B├╝rgerinitiativen die Beteiligung der Gr├╝nen im K├Âlner Ratsb├╝ndnis.

Weitere autofreie Zonen: Ehrenstra├če und Eigelstein

In diesen Tagen l├Ąsst sich exemplarisch beobachten, was passieren kann, wenn eine K├Âlner Autostra├če zur Fu├čg├Ąngerzone wird: Seit Mai dieses Jahres d├╝rfen in der K├Âlner Ehrenstra├če ÔÇô vorher Renommiermeile f├╝r protzige Karosserien ÔÇô keine Autos mehr fahren.

Das sorgt f├╝rs Erste auch f├╝r Probleme. Fu├čg├Ąnger f├╝hlen sich teilweise durch die Radfahrer gef├Ąhrdet, die hier besonders schnell fahren, berichtete j├╝ngst der K├Âlner Stadtanzeiger. Einige Autofahrer trotzen absichtlich oder unabsichtlich dem Verbot.

Etwas besser gel├Âst ist die Situation am Eigelstein in der K├Âlner Innenstadt. Hier haben Fu├čg├Ąnger mehr Platz. Die Umwandlung in eine autofreie Stra├če hat viel Zustimmung gefunden, auch wenn einige Gewerbetreibende angeben, Umsatzeinbu├čen zu haben.

Weitere Projekte zur Verkehrsberuhigung in Planung

Weitere verkehrsberuhigte Bereiche sollen in K├Âln folgen: So arbeitet die Bezirksvertretung Innenstadt beispielsweise an Pl├Ąnen f├╝r eine autofreie Zone auf der Severinstra├če zwischen Kart├Ąuserhof und An St. Magdalenen.

Auch Teile der Neusser Stra├če rund um den Neusser Platz im Agnesviertel sollen autofrei werden, wenn es nach den Gr├╝nen geht. F├╝r die Neusser Stra├če im Bereich Nippes erarbeitet die Stadt K├Âln mit B├╝rgerbeteiligung seit bereits ├╝ber zehn Jahren Konzepte zur Verkehrsberuhigung und mehr Aufenthaltsqualit├Ąt.

In Nippes gibt es au├čerdem seit ├╝ber zehn Jahren mit dem Stellwerk 60 eine der gr├Â├čten komplett autofreien Siedlungen Deutschlands. Das Projekt, das zu Anfang bel├Ąchelt wurde, gilt heute als voller Erfolg.

Vision f├╝r die Zukunft: Weniger Autos in der Innenstadt

Ein besonders ambitioniertes Umbauprojekt plant die Stadt K├Âln langfristig f├╝r die Innenstadt. So soll die Verwaltung der Stadt K├Âln bald erste ├ťberlegungen zum sogenannten MIV-Grundnetz vorlegen. Das bedeutet: Der Autoverkehr w├╝rde auf wenige Hauptstra├čen beschr├Ąnkt, viele Nebenstra├čen sollen Fahrradstra├čen und Fu├čg├Ąngerzonen oder Gr├╝nfl├Ąchen werden.

Als untergeordnete Verkehrsteilnehmer d├╝rften Autos zumindest einige Radstra├čen mit nutzen. Au├čerdem gibt es erste Ideen zur kompletten Neuordnung der Parkbereiche ÔÇô bis zu 30 Prozent der Stellpl├Ątze im ├Âffentlichen Raum k├Ânnten dann wegfallen.

Schon jetzt werden au├čerdem Radverkehrsnetze sowie der ├Âffentliche Nahverkehr in K├Âln ausgeweitet, nach einer Vorlage aus dem Mai 2021 soll au├čerdem das stationsbasierte Carsharing ausgebaut werden.

Wasserbusse und Seilbahnsysteme?

Gemeinsam mit der St├Ądteinitiative "Lebenswerte St├Ądte durch angemessene Geschwindigkeiten ÔÇô eine neue kommunale Initiative f├╝r stadtvertr├Ąglichen Verkehr" fordert K├Âln vom Bund au├čerdem rechtliche Voraussetzungen f├╝r Tempo 30 innerorts ÔÇô da, wo es sinnvoll ist.

Und selbst innovative L├Âsungen f├╝r das Problem, dass K├Âln schon jetzt architektonisch aus allen N├Ąhten platzt, liegen in der Pipeline. Wasserbus- und Seilbahnsysteme k├Ânnten schon in den n├Ąchsten zehn Jahren in den ├Âffentlichen Nahverkehr eingegliedert werden.

Gegenwind und erste Erfolge

Erste Erfolge gibt es bereits zu vermelden: Der Autoverkehr hat in den letzten zehn Jahren in K├Âln bereits abgenommen. Die Studie "Mobilit├Ąt in Deutschland 2017" zeigte, dass sich der Autoverkehr am Mobilit├Ątsanteil von 2006 bis 2017 bereits von 43 auf 35 Prozent verringert, der Fahrradfahreranteil dagegen erh├Âht hat. Das Ziel aus dem Strategiepaper "K├Âln mobil 2025", den Pkw-Anteil bis 2030 auf 33 Prozent zu reduzieren, r├╝ckt damit n├Ąher.

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Das Verkehrsdezernat der Stadt K├Âln sieht selbst gro├čen Nachholbedarf bei der Verringerung des Pendlerverkehrs und schreibt auf Nachfrage zur Umsetzungsdauer der vielen Ideen: "Die autogerechte Stadt ist ├╝ber Jahrzehnte gebaut worden, insofern ben├Âtigt auch die Transformation zu einer umwelt- und menschengerechten Stadt einen langen Atem."

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