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Wuppertal-Kolumne "Scheuges Talfahrt": Ein Onkel, der kein Geld bringt

MEINUNGKolumne "Scheuges Talfahrt"  

Ein Onkel, der kein Geld mitbringt

Eine Kolumne von Jürgen Scheugenpflug

20.11.2020, 09:07 Uhr
Wuppertal-Kolumne "Scheuges Talfahrt": Ein Onkel, der kein Geld bringt. Jürgen Scheugenpflug lehnt sich gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig.  (Quelle: Uli Kopka)

Jürgen Scheugenpflug lehnt sich gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig. (Quelle: Uli Kopka)

Für t-online schreibt der Wuppertaler Kabarettist Jürgen Scheugenpflug exklusiv die Kolumne "Scheuges Talfahrt". Diesmalige Themen: Ein Onkel, der kein Geld bringt und ein koordinierender Koordinator.

Es gibt immer wieder Sätze, die hängen bleiben. So zum Beispiel dieser aus dem Munde des Bundesarbeitsministers Peter Altmaier: "Ein Onkel, der Geld mitbringt, ist besser, als eine Tante die Klavier spielt." Klingt logisch, ist es aber nicht unbedingt Realität. Denn der Onkel, der Geld mitbringt, ist bislang lediglich Vision. Zumindest hat er bei mir noch nicht geklingelt. Die vollmundig zugesagten Überbrückungsgelder für "nicht systemrelevante" Soloselbstständige lassen noch immer auf sich warten. Und das gilt nicht nur für meine Berufsgattung. Zum Beispiel der Betreiber des Rex- und Cinema-Kinos, Mustafa El Mesaoudi, erklärte unlängst, dass er kurz vor dem Aus stehe. Auch ihm hat der reiche Onkel noch keinen Besuch abgestattet. Und das ist alles andere als ein guter Film.

Ich bin übrigens mittlerweile nicht mehr so sicher, ob ich nicht lieber die Tante nehme, die Klavier spielt. Denn so habe ich wenigstens Freude an schöner Musik, zu der ich mit Hilfe von selbstgebrannten Spirituosen tanzen könnte. Natürlich allein oder maximal mit einem ebenfalls abgebrannten Kollegen aus einem fremden Haushalt bei offenem Fenster. Mit reichlich Abstand natürlich und in ständiger Sorge, ob man von außen nicht dabei gesehen wird. Denn dann wird es sehr peinlich.

Noch einmal kurz zum Geld. Am vergangenen Donnerstag erfuhr ich über die einzige Wuppertaler Tageszeitung, dass fast jeder fünfte Einwohner, also rund 65.000, als überschuldet gelten. Im Ranking unter 401 kreisfreien Städten und Landkreisen belegt Wuppertal Rang 396. Nur knapp vor Pirmasens, Bremerhaven und Gelsenkirchen. Letztere haben wenigstens noch eine Bundesliga-Mannschaft, obwohl auch die nur noch von einer Zuwendung des Landes NRW abhängt. Für 31,5 Millionen Euro muss das Land bzw. der Bürger des Landes gerade stehen, wenn da was schief läuft. Da beruhigt es mich doch ein wenig, dass nicht der WSV eine derartige Bürgschaft bekommen hat. Denn dann wäre quasi Holland in Not.

"Und wenn sie nicht gestorben sind ..."

Im Tal tut sich derzeit nicht allzu viel. Immerhin sortiert der neue OB Schneidewind derzeit seine Mitstreiter nach Farben. Kreuzdame ist Almuth Salentijn. Sie leitet ab sofort das Büro. Die Volljuristin hatte bereits einschlägige Erfahrungen mit dem Personalressort. Denn sie kümmerte sich 1997 liebevoll um die Aufarbeitung der Korruptionsaffäre. Wer so viel Elend gesehen hat …

Herzbube und neuer politischer Koordinator des Oberbürgermeisters wird der Grüne Marc Schulz. Der lässt ob der ständig wechselnden Mandate in letzter Zeit, fast monatlich neue Visitenkarten drucken. Erst SPD, dann Vorsitzender der Grünen, dann Bürgermeister, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag und jetzt das. Ja, das. Denn auf die Frage, was macht der politische Koordinator, antwortet Schulz in einem Interview: "Er koordiniert." Zack. Das muss für den Fragesteller Lothar Leuschen reichen. Und für den blöden Bürger allemal. Sein Ziel formuliert er so: "Für mich ist wichtig, dass man in fünf Jahren von außen auf die Stadt guckt und sagt, das ist ja sensationell, wie diese Stadt sich entwickelt hat." Es beruhigt ein wenig, dass Schulz dieses Interview am Freitag den 13. gab. Wie heißt es doch am Ende eines jeden guten Märchens: "… und wenn sie nicht gestorben sind …"

Und was macht eigentlich der Kernbündnispartner der Grünen, die CDU? Im Kern nix. Quasi House of Arschcards. Aber das ist im Grunde eine gute Nachricht, denn was die Wuppertaler Karnevalspartei vor und kurz nach den Wahlen "gemacht" hat, war ohnehin indiskutabel. Ich habe da so eine Ahnung, was der ehemalige OB Peter Jung von der Entwicklung seiner Partei hält, die unter seiner Ägide immerhin noch als vergleichsweise seriös empfunden wurde. Aber das ist sicher nichts für zarte Gemüter, Ehrenwort.

Jürgen Scheugenpflug ist seit 1989 als Kabarettist, Moderator, Autor, Sänger und Kolumnist tätig. 2007 rief er die "Bergische Akademie für Kabarett & Comedy" ins Leben. Aktuell ist er Leiter der bundesweiten Comedy-Serie "Comedy im Bett" und als künstlerischer Leiter der Kleinkunstbühne "Schatzkiste" in Wuppertals Nachbarstadt Remscheid tätig.

Die in Gastbeiträgen geäußerten Ansichten geben die Meinung der Autoren wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online-Redaktion.

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