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Schweres letztes Mercedes-Jahr: Wird Hamilton benachteiligt?


Formel 1
Schweres letztes Mercedes-Jahr: Wird Hamilton benachteiligt?

Von dpa
Aktualisiert am 06.06.2024Lesedauer: 4 Min.
Lewis HamiltonVergr├Â├čern des BildesHat seit zweieinhalb Jahren kein Formel-1-Rennen mehr gewonnen: Lewis Hamilton. (Quelle: Christinne Muschi/The Canadian Press/AP/dpa/dpa-bilder)
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Seit zweieinhalb Jahren hat Lewis Hamilton kein Formel-1-Rennen mehr gewonnen. Der Frust des Rekordweltmeisters entlud sich zuletzt in Monaco. Nun geht es an einen speziellen Ort.

Fast nur die Erinnerung an bessere Zeiten kann die Laune von Lewis Hamilton derzeit wirklich aufhellen. "Es war ein echter Traum, der wahr wird", schrieb der Formel-1-Rekordweltmeister bei Instagram in dieser Woche zu drei Fotos aus dem Jahr 2007. Diese zeigen ihn jubelnd nach seinem ersten Rennsieg in Montreal.

Erst 22 Jahre alt war der Brite da, landete im McLaren schon im sechsten Grand Prix ganz vorn. Nun geht es zur├╝ck nach Kanada, an einen f├╝r Hamilton besonderen Ort. Doch in seiner letzten Saison f├╝r Mercedes k├Ânnten die Vorzeichen f├╝r den einstigen Dominator kaum schlechter sein.

"Ich gehe davon aus, dass ich auch den Rest des Jahres hinter George Russell liegen werde", sagte der 39-j├Ąhrige Brite zuletzt nach der Qualifikation in Monaco. Es sind Worte, in denen Frust steckt - und die gro├čes Zoff-Potenzial haben. Der Altmeister f├╝hlt sich bei den Silberpfeilen offenbar benachteiligt. Nach zw├Âlf Jahren wechselt er 2025 zu Rivale Ferrari. Ob Mercedes seinem Superstar deswegen schon jetzt das bestm├Âgliche Auto verwehrt und stattdessen Teamkollege Russell bevorzugt? Teamchef Toto Wolff bestreitet das nat├╝rlich vehement, doch die Situation beim einstigen Dauerweltmeister ist explosiv.

Hamilton mit riesigem R├╝ckstand auf die Spitze

"Als Team verfolgen wir ausschlie├člich das Ziel, unseren beiden Fahrern zwei gro├čartige Autos zur Verf├╝gung zu stellen, die bestm├Âglichen Fahrzeuge, die beste Strategie und die beste Unterst├╝tzung zu geben", sagte Wolff. Der 52-j├Ąhrige ├ľsterreicher zeigte aber Verst├Ąndnis f├╝r Hamiltons Aussagen. Die Fahrer seien manchmal etwas skeptisch, "aber ich glaube, als Team haben wir bewiesen, dass wir selbst beim h├Ąrtesten Duell unserer Fahrer alles daran setzen, dass alles ausgeglichen, transparent und fair abl├Ąuft".

Hamilton liegt nicht nur hinter Landsmann Russell, sondern ist weit von der Spitze entfernt. Schon wieder funktioniert sein Dienstwagen nicht gut genug, um mit Max Verstappen mitzuhalten. Dreimal wurde der Niederl├Ąnder im Red Bull nacheinander Weltmeister und ist auch nach acht von 24 WM-L├Ąufen wieder weit enteilt. Vor dem Grand Prix in Kanada am Sonntag (20.00 Uhr/Sky) ist Hamilton nur Achter, liegt schon 127 Punkte hinter Verstappen.

"Ein Podium ist nicht weit weg", sagte Hamilton trotzdem bei einer Pressekonferenz in Montreal und hofft auf einen Aufschwung: "Das Auto wird besser und wir wollen einen Schritt nach vorn machen. Ich bin sehr stolz, wie hart alle im Team arbeiten."

Ob es in Kanada wirklich zu einer Wende kommt? Die Strecke auf der ├Äle Notre-Dame im Sankt-Lorenz-Strom liegt Hamilton. Schon sieben Mal konnte er auf dem Kurs gewinnen, so oft wie sonst nur Michael Schumacher. "Wir m├╝ssen weiterhin hart und flei├čig arbeiten, um uns in die Spitzengruppe zu k├Ąmpfen", sagte Wolff. Seine Piloten werden ein verbessertes Auto bekommen, unter anderem mit einem neuen Frontfl├╝gel. Ob das reicht, um zu Red Bull, Ferrari und McLaren aufzuschlie├čen? "Das Feld ist n├Ąher zusammenger├╝ckt, und wir machen uns keine Illusionen dar├╝ber, dass andere sich weiter verbessern werden", sagte Wolff.

Der Boss der Silberpfeile ist gerade in vielen Bereichen gefordert. Denn zum einen muss er den frustrierten Hamilton bei Laune halten, da dieser mit seiner Erfahrung bei noch 16 ausstehenden Rennen wichtige Impulse geben kann, um den Wagen zu verbessern. Gleichzeitig gilt es aber auch, schon f├╝r das kommende Jahr Entwicklungen voranzutreiben. Dabei kann Hamilton kaum eine tragende Rolle spielen, da er dann f├╝r die Konkurrenz f├Ąhrt.

Wer f├Ąhrt ab 2025 im Mercedes?

Und au├čerdem muss noch das frei werdende Cockpit besetzt werden. Nur zu gerne w├╝rde der deutsche Autobauer Verstappen verpflichten. Da dieser noch bis Ende 2028 vertraglich an Red Bull gebunden ist, scheint das trotz anhaltender Spekulationen um eine m├Âgliche Ausstiegsklausel unrealistisch. Verstappen will im besten Auto sitzen - und das kann Mercedes aktuell nicht anbieten. Favorit auf den Sitz neben Russell soll das italienische Supertalent Andrea Kimi Antonelli sein. Der 17-J├Ąhrige f├Ąhrt noch in der Nachwuchsserie Formel 2.

Hamilton will unterdessen im Ferrari auf die Jagd nach WM-Titel Nummer acht gehen. Auch wenn er im Januar 40 Jahre alt wird, ist der Ehrgeiz ungebrochen, als erster Fahrer diese Marke zu erreichen und Schumacher (sieben Titel) zu ├╝bertrumpfen. Den letzten seiner 103 Siege holte Hamilton aber bereits Ende 2021 in Saudi-Arabien, danach musste er Verstappen wegen seines schw├Ąchelnden Wagens die Spitze ├╝berlassen.

Das ├Ąndert aber nichts daran, dass er bis heute das Gesicht der Formel 1 geblieben ist. Hamilton ist der globale Superstar der wichtigsten Rennserie der Welt. Als K├Ąmpfer gegen Rassismus und f├╝r Gleichberechtigung sowie Verfechter einer veganen Lebensweise tritt er auch f├╝r wichtige Themen neben der Rennstrecke ein. Doch seine sportlichen Ziele bleiben unver├Ąndert. "Ich will immer gewinnen", sagt Hamilton immer wieder.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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