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Bakery Jatta vom HSV: Welches Recht haben wir über einen jungen Mann zu urteilen?


Stellen Sie sich doch selbst mal die Frage

  • Robert Hiersemann
Ein Kommentar von Robert Hiersemann

Aktualisiert am 08.12.2021Lesedauer: 3 Min.
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Bakery Jatta: Der Fußballer ist in Gunjur (Gambia) geboren, spielt inzwischen aber seit 2016 für den Hamburger SV.
Bakery Jatta: Der Fußballer ist in Gunjur (Gambia) geboren, spielt inzwischen aber seit 2016 für den Hamburger SV. (Quelle: Baering/imago-images-bilder)
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Der "Fall Jatta" erhitzt erneut die Gemüter in Deutschland. Aber wer kann sich schon wirklich in die Lage des Fußballprofis hineinversetzen? Niemand!

Mädchen werden zur Prostitution gezwungen und Jungs betteln auf den Straßen. Fast ein Fünftel der Kinder unter fünf Jahren ist untergewichtig. Drei Viertel der ländlichen Bevölkerung leidet unter Armut und Hunger. Es herrscht Angst und Verunsicherung.

Das ist Gambia.

Eines der ärmsten Länder der Welt – und gleichzeitig die westafrikanische Heimat von Bakery Jatta. Dem Fußballprofi des Hamburger SV.

Barfuß auf dem Sand: Fußball ist auch im bitterarmen Gambia ein beliebter Sport.
Barfuß auf dem Sand: Fußball ist auch im bitterarmen Gambia ein beliebter Sport. (Quelle: Additvive Stock/imago-images-bilder)

Aber weshalb all diese Details?

Weil der "Fall Jatta" aktuell erneut die Gemüter vieler Deutscher erregt. Denn am Montag hatte die Staatsanwaltschaft gegen ihn Anklage vor dem Jugendrichter eines Amtsgerichts erhoben. Dem Fußballer werden Vergehen gegen das Aufenthaltsgesetz in vier Fällen (hier erfahren Sie mehr dazu) sowie in einem weiteren Fall mittelbare Falschbeurkundung vorgeworfen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft soll Jatta eigentlich Bakary Daffeh heißen.

Und all das mag stimmen. Vielleicht wird er auch verurteilt (das droht Jatta nun). Aber was er ganz sicher nicht verdient hat, ist der Hass und die Hetze, die ihm bereits seit 2019 entgegenschlagen. Das ist so falsch. Und nicht der richtige Weg.

Denn welches Recht haben wir über einen jungen Mann zu urteilen, der offensichtlich einfach nur auf der Suche nach einem besseren Leben war? Wir wissen nichts über seine Motivation und auch nichts über die genauen Hintergründe seines Handelns. Klar ist nur: Da ist jemand, der in seiner Heimat das größtmögliche Elend erlebte und sich dafür entschied, etwas Besseres aus seiner Existenz zu machen. Stellen Sie sich doch selbst mal die Frage: Wie hätten Sie an seiner Stelle gehandelt?

Von Steuerhinterziehern und Uhrenschmugglern

Und seien wir doch mal ehrlich: In einem Land, in dem Steuerhinterzieher, Uhrenschmuggler und Schiedsrichter, die in Wettskandale verstrickt waren, auch im Anschluss noch einen guten Ruf im Fußballgeschäft genießen können, darf ein "Fall Jatta" nicht zu hoch gehängt werden.

Vielleicht wird er verurteilt. Dann ist das so. Er wird, wenn es denn so kommt, die Strafe sicher akzeptieren. Und damit sollte das dann auch kein Thema mehr sein. Gönnen wir ihm doch vielmehr den sportlichen Erfolg. Denn das, was er geschafft hat, also einen Profivertrag in Deutschland zu ergattern, schaffen nur ganz wenige.

Und für alle diejenigen, die sich fragen, weshalb er denn nicht in Afrika die große Fußballkarriere anstrebte – hier die Erklärung: Das Leben in Gambia ist auch als Fußballer sehr hart, deshalb gehen viele von ihnen in den Senegal, so wie es angeblich auch Jatta getan haben soll. Wirklich gut verdienen tut man dort allerdings auch nicht. Die Spitzengehälter sollen bei 200 bis 300 Dollar liegen. Das reicht bei Weitem nicht, um sich etwas anzusparen. Und deshalb haben auch Fußballprofis in dieser Gegend ein riesiges Problem. Denn sobald sie ihre Karriere beenden, stehen sie vor dem absoluten Nichts.

Fußballprofi in Afrika?

Paul Nehf ist Spielerberater und Experte für den afrikanischen Fußball. Er sagt zu t-online: "Natürlich wird bei vielen afrikanischen Fußballern auch beim Alter getrickst. Aber dafür können die jungen Spieler doch selbst am wenigsten. In der Regel stehen hinter ihnen mächtige Förderer."

Das Problem: Diese Förderer wollen irgendwann auch mal entlohnt werden. Und sie wissen ganz genau, dass europäische Fußball-Scouts, wenn sie denn überhaupt mal kommen, nur an Spielern interessiert sind, die möglichst jung sind. "Und deshalb wollen viele afrikanische Fußballer am liebsten für immer jung bleiben", so Nehf. Das System hat nichts mit dem zu tun, wie wir es aus Europa kennen.

Also noch einmal die Frage: Welches Recht haben wir über einen jungen Mann zu urteilen, der offensichtlich einfach nur auf der Suche nach einem besseren Leben war?

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Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Paul Nehf
  • aktion deutschland hilft: Gambia 2018
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