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Reiner Calmund: "Lahm ist für mich nicht Fußballer des Jahres"

Voting: Wen hätten Sie gewählt?  

Calmund: "Lahm ist für mich nicht Fußballer des Jahres"

24.07.2017, 18:17 Uhr | Reiner Calmund, t-online.de

Reiner Calmund: "Lahm ist für mich nicht Fußballer des Jahres". Philipp Lahm vor seinem letzten Spiel für den FC Bayern am 34. Spieltag der vergangenen Saison. Reiner Calmund hätte einen anderen als Fußballer des Jahres gewählt. (Quelle: imago images)

Philipp Lahm vor seinem letzten Spiel für den FC Bayern am 34. Spieltag der vergangenen Saison. Reiner Calmund hätte einen anderen als Fußballer des Jahres gewählt. (Quelle: imago images)

Noch nie war Ex-DFB-Kapitän Philipp Lahm Fußballer des Jahres – bis gestern der "Kicker" das Ergebnis der Wahl unter Sport-Journalisten für 2017 bekannt gab. Lahm als Gewinner – das sorgte für Kritik und Diskussionen. "Spiegel Online" sprach von einer "großen Fehlentscheidung", weil eigentlich der Spieler geehrt wird, der in der Saison zuvor der Beste war. Lahm gab selbst zu, dass die Auszeichnung wohl "seiner gesamten Karriere" galt, nicht einer Spielzeit. Auch t-online.de-Kolumnist Reiner Calmund sagt jetzt: ich hätte einen anderen gewählt.

Die Kolumne von Reiner Calmund bei t-online.de.

Eineinhalb Jahrzehnte spielte Philipp Lahm in der Bundesliga. Dabei lieferte der nach der vergangenen Saison zurückgetretene ehemalige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und des FC Bayern wahrscheinlich mehr Spiele mit konstant guten Leistungen ab als jeder andere Fußballer weltweit. Versuchen Sie einmal, sich an zwei schlechte Spiele Lahms in Folge zu erinnern – Sie werden Probleme haben.

Es wirkt wie ein Lifetime-Award

Er war Weltmeister, Champions-League-Sieger, Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger. "Fußballer des Jahres" war er nie. Bis jetzt. Überraschend wählten ihn die im "Verband Deutscher Sportjournalisten" organisierten Fachleute zum Nachfolger von Jerome Boateng. Es ist sicherlich keine krasse Fehlentscheidung der Journalisten. Lahm spielte auch in der vergangenen Saison stark auf. Aber dennoch hat es ein wenig den Anschein, als hätten die Journalisten etwas nachholen wollen. Es wirkt so ein wenig wie ein "Life-Time-Award" oder – wie die "Süddeutsche Zeitung" schrieb: "Der Oscar für sein Lebenswerk".

Ich gönne Philipp Lahm diese Auszeichnung und beglückwünsche ihn dazu. Die Wahl durch die deutschen Sportjournalisten kann man als tiefe Verbeugung sehen und auch ein kleines bisschen als Entschuldigung dafür, dass man ihn bislang immer übersehen hatte. Was sicherlich daran lag, dass er den Großteil seiner Karriere als Außenverteidiger verbrachte – Abwehrspieler werden seltener bei diesen Wahlen bevorzugt als Top-Offensivkräfte.

Ich hätte einen anderen Spieler gewählt

Er war immer ein untadeliger Sportsmann, ein sensationeller Fußballer und durchaus ein Vorbild für die Jugend. Auch sein Abschied trotz gültigem Millionen-Vertrag zeigt seine Qualität. Lahm kann seine Leistung und Fitness besser einschätzen als jeder andere Profi. Unmittelbar nach dem WM-Sieg in Brasilien erklärte er schon: Meine Beine werden nach dem hohen Belastungen schwerer, ich muss kürzertreten. Diese Feststellung in eigener Sache qualifiziert Lahm für einen Manager-Job. Deshalb: Chapeau, du hast es verdient, Philipp!

Allerdings: Ich hätte einen anderen Spieler gewählt, und das ist Toni Kroos. Er ist in meinen Augen der beste Mittelfeldspieler der Welt, tragende Säule bei zwei der besten Teams überhaupt: Real Madrid und der deutschen Nationalmannschaft. Er ist die Seele des Spiels beider Mannschaften. Mit Real verteidigte er den Champions-League-Titel, das gelang keinem Verein seit Bestehen dieses härtesten Wettbewerbs im Klubfußball überhaupt. Dabei ist Kroos kein Mitläufer und Ergänzungsspieler. Er bestimmt Tempo und Rhythmus, viel besser und konstanter, als es Kroos in der vergangenen Saison abgeliefert hat, geht es auf diesem Niveau nicht.

Deshalb wäre er für mich der logische "Fußballer des Jahres". Die Journalisten haben anders entschieden. Und wer Toni kennt, der weiß, dass er das nicht nur akzeptiert, sondern sicherlich einer der ersten Kollegen war, die Philipp Lahm zu dieser Auszeichnung gratuliert haben.

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