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Der Stöger-Rauswurf ist eine Farce

t-online, Florian Wichert

Aktualisiert am 03.12.2017Lesedauer: 3 Min.
Peter Stöger zieht seine Mütze vor den FC-Fans nach einem der besten Auftritte der Kölner in dieser Saison beim 2:2 auf Schalke.
Peter Stöger zieht seine Mütze vor den FC-Fans nach einem der besten Auftritte der Kölner in dieser Saison beim 2:2 auf Schalke. (Quelle: Horstmüller/imago-images-bilder)
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Peter Stöger ist nicht mehr Trainer des 1. FC Köln. Seine Entlassung: eine Farce. Der Klub ist auf dem Weg zurück zum Karnevalsverein.

Ein Kommentar von Florian Wichert

„Es würde mich freuen, wenn das nicht unser letztes Interview wäre“ – das rutschte mir am Ende des ersten ausführlichen Interviews mit Peter Stöger am 8. Juli 2013 im Trainingslager in Windischgarsten/Österreich raus, kurz nach seinem Wechsel von Austria Wien zum FC.

Der überflüssige Kommentar lag nicht an Stöger. Köln hatte in den vier Jahren zuvor fünfmal den Trainer gewechselt, viel fürs Image als Karnevalsklubs getan. Und bei der Trainersuche in besagtem Sommer war Stöger gefühlt die fünfte Wahl.

Zuvor hatten die Kölner mit Roger Schmidt, Mike Büskens, Kosta Runjaic oder Marco Kurz gesprochen, die entweder selbst absagten, oder nicht überzeugen konnten. Und plötzlich sollte es ein in Deutschland vollkommen namenloser Österreicher richten?

Viereinhalb Jahre später muss man vor Peter Stöger gleich mehrere Hüte ziehen und kann gar nicht hoch genug einschätzen, was er für den Verein geleistet hat und vor allem, wie er es geleistet hat.

Der 1. FC Köln hat es in den vergangenen Jahren aus der zweiten Liga in den Europapokal geschafft. Viel wichtiger aber: Er hat das Image des Karnevalsvereins abgelegt, sich ligaweit Riesen-Respekt verschafft und vor allem die Finanzen und Strukturen in den Griff bekommen.

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Klub-Chef Werner Spinner, Manager Jörg Schmadtke, Geschäftsführer Alexander Wehrle und selbst Vize-Präsident Toni Schumacher – alle trugen ihren Teil dazu bei, dass es nur nach oben ging. Jeder hatte seine Rolle gefunden. Immer mit dem Wissen, dass es im Fußball schon ab dem nächsten Tag wieder bergab gehen kann.

Sogar die gefürchteten Boulevard-Zeitungen in Köln gingen den Weg der kleinen Schritte mit. Selten war es so ruhig um den Verein. Allen voran Stöger, der mit seiner Menschenführung und seinen fachlichen Qualitäten das Team hinter sich brachte. Ex-Torjäger Modeste sagte mal: „Wir lieben Peter Stöger.“

Nein, dieser Effzeh wĂĽrde sich nicht von einer Leistungsdelle oder gar Krise, wie sie jetzt eindeutig da ist, aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Dachte man.

Ein Irrglaube!

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Der 1. FC Köln hat sich in den vergangenen Wochen verloren. Auch mit dem schlechtesten Saisonstart, den je ein Bundesligist hingelegt hat, kann man anders umgehen. Schmadtke machte schon nach neun Spieltagen Schluss mit Köln. Seitdem müssen Wehrle und Schumacher ihr Gesicht in die Kameras halten. Mit fatalen Folgen.

Schumacher bestätigte das Interesse an Horst Heldt und verkündete: „Wir haben natürlich mitbekommen, dass in Hannover in der Führungsriege so einige Dinge nicht stimmen.“ Peinlich, wenn in der eigenen Führungsriege etwas nicht mehr stimmt. Und Heldt am Ende nicht kommt.

Stöger hat festgestellt: „Wir haben uns schon von ein paar Werten, die wir in den letzten Jahren gelebt haben, wie zum Beispiel Vertrauen, Respekt und Verantwortung, ein Stück weit losgelöst.“ Leider ist das noch nicht alles.

Der Zeitpunkt der Entlassung von Stöger ist eine Farce. Entweder hätte man reagieren sollen, als der Abstand noch nicht zu groß war – oder man hätte es mindestens bis zum Winter durchziehen und genauso kommunizieren müssen. Seit Freitag soll die Entscheidung festgestanden haben, die nun ausgerechnet nach einem der besten Saisonspiele vollzogen wurde.

Wehrle sagt in der Pressemitteilung: "Es war auch Peter wichtig, einen klaren Schnitt zu machen, bevor emotional und menschlich zu viel Negatives zurĂĽckbleibt."

Aber die Art und Weise, wie die Trennung abgelaufen ist, zeigt: Der 1. FC Köln steckt wieder im völligen Chaos.

Stefan Ruthenbeck soll der U19 laut „Express“ schon am Freitag gesagt haben, dass er ab Sonntag die Profis trainiere. Nach dem 2:2 auf Schalke soll eine Whatsapp-Nachricht rausgegangen sein an die Spieler mit dem Inhalt, dass Stöger nicht mehr Trainer sei. Doch öffentlich eierten alle Beteiligten nur rum. Stöger hatte zuvor Klarheit vermisst, Wehrle von maximaler Klarheit gesprochen.

Jetzt herrscht Klarheit: Stöger ist weg. Diesen Umgang hat er sicher nicht verdient! Und Köln hat in dieser Verfassung Stöger nicht verdient.

NOCH ist die Lage beim 1. FC Köln nicht so schlimm wie vor der Verpflichtung des Österreichers – aber der Klub ist auf dem besten Weg, wieder ein Karnevalsverein zu werden. Stöger dagegen wird schon bald wieder in der Liga auftauchen – vielleicht bei einem Spitzenklub wie Borussia Dortmund. Das Zeug dafür hat er.

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Von fcb-inside-Redakteur Vjeko Keskic
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