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Bundesliga-Neustart: "Geld ist anscheinend wichtiger als Emotionen"

PRO & KONTRANeustart auch für das Image?  

"Das Geld ist wichtiger als jeder Fan"

Von Robert Hiersemann und Florian Wichert

18.05.2020, 14:40 Uhr
Bundesliga-Restart: Favre muss sich an neue Stimmung gewöhnen

Zum Bundesliga-Restart hat Borussia Dortmund das Derby gegen Schalke gewonnen. BVB-Trainer Favre muss sich an die neue Umgebung ohne Fans noch gewöhnen. (Quelle: Omnisport)

"Das ist komisch": So hat BVB-Trainer Lucien Favre das "Geister-Derby" gegen Schalke erlebt. (Quelle: Omnisport)


Die deutsche Eliteklasse nimmt als erste europäische Topliga den Spielbetrieb wieder auf. Doch nutzt man auch die Chancen, welche die Corona-Krise bietet?

Medien aus aller Welt haben den Re-Start der Bundesliga bejubelt. "Das deutsche Wunder", schreibt das "Wall Street Journal", "El Pais" und die "Financial Times" sehen die deutsche Topliga gar in einer Vorbildrolle. Und auch die Nachfrage bei den deutschen Fans war am vergangenen Wochenende enorm.

Pay-TV-Sender Sky sprach in einer Mitteilung vom "reichweitenstärksten Bundesliga-Samstag der Sendergeschichte". Nach Angaben des Senders hatten 3,81 Millionen Zuschauer am Samstagnachmittag Sky eingeschaltet, davon 2,45 Millionen Fans die Konferenz im Free-TV.

Die Aufmerksamkeit ist zweifellos eine Chance für die Liga – um zu zeigen, dass sie als Vorreiter taugt und auch, dass sie ihre Lehren aus der Krise gezogen hat. Das Image der Liga hat in den vergangenen Jahren aufgrund horrender Transferzahlungen, protzender Spieler und überschaubar wirtschaftenden Klubs gelitten.

Auch DFB-Präsident Fritz Keller sagte dem "Spiegel": "Die Großkotzigkeit fällt uns allen vor die Füße". In einem Gastbeitrag für das Internetportal "Sportbuzzer" meinte er zusätzlich: "Wir müssen den Fußball wieder näher zu den Menschen bringen und verlorengegangenen Kredit zurückgewinnen."

Was zu der Frage führt: 

Wird die Bundesliga die Chancen nutzen, welche die Corona-Krise ihr bietet?

Florian Wichert

Stellvertretender Chefredakteur

Pro

Ja, es wird sich vieles zum Guten wenden

Der deutsche Re-Start auf internationalen Titelseiten, überwiegend verantwortungsbewusste Spieler und teils demütige Verantwortliche: Die Bundesliga arbeitet an ihrem Image und nutzt die Chancen, die diese schlimme Corona-Krise trotz allem birgt.

Die Klubs haben gelernt: wie wichtig Rücklagen und langfristig ausgerichtetes Wirtschaften sind. Dass der Fußball nichts ist ohne seine Fans. Dass die Branche doch in der Lage zu Solidarität ist und die meisten Spieler nicht so egoistisch sind wie befürchtet. Dass Goldsteaks, Louis-Vuitton-Täschchen und Protz-Profis viel mehr geschadet als geholfen haben – und dass Ablösesummen im dreistelligen Millionenbereich zu hoch sind.

Heute drehen sich die Diskussionen um Gehaltsobergrenzen und die Verantwortung des Fußballs für die Gesellschaft – statt um eine europäische Super League, mit der man noch mehr Kohle rausholen könnte.

Natürlich gibt es schwarze Schafe: Hertha-Spieler ignorieren Regeln beim Jubeln, Trainer Heiko Herrlich die Quarantäne-Bedingungen. Die seien aber auch extrem hart, jammert Markus Gisdol. Peinlich, weil andere um ihre Existenz fürchten. Aber: die meisten haben den Schuss gehört – und sorgen dafür, dass das Raumschiff Bundesliga auf die Erde zurückkehrt.

Robert Hiersemann

Head of Fußball und Sport

Kontra

Nein, denn Geld ist anscheinend wichtiger als Emotionen

Man hört das Fluchen der Profis, den Pfiff des Schiedsrichters, das Klatschen des Balles beim Schuss. Das ist alles. Sonst: gespenstische Stille. Die Bundesliga ist zurück, doch das pure Fußballgefühl nicht. Denn das Wichtigste fehlt: die Fans.

Diejenigen, die die überdimensionalen Stadien mit Leben füllen. Diejenigen, von denen aktuell viele zu Hause sitzen – einige von ihnen in Kurzarbeit – und um ihre Zukunft bangen, während die Jung-Millionäre der deutschen Sportelite nun wieder gegen den Ball treten dürfen.

Der Re-Start hat eines deutlich gemacht: Die Bundesliga nutzt keine Chance. Sie zeigt, wie schlimm es werden kann, wenn wir so weitermachen, wie bisher. Denn die Kernaussage der verfrühten Wiederaufnahme des Spielbetriebs lautet: Geld ist wichtiger als Emotionen. Auf die Fans wartet niemand.

Die jüngsten Beispiele zeigen, dass sich gar nichts ändern wird und alle Chancen verstreichen werden: Trainer brechen die Quarantäne-Regeln für Hautcreme, Hertha-Spieler umarmen sich nach Toren. Nicht mal eine Schweigeminute für die Corona-Opfer wurde vor den Bundesliga-Partien abgehalten.

Und der Zuschauer im Stadion, der klatscht, schreit, singt und somit sein Team anfeuert, ist erst einmal Geschichte. Stattdessen wird der deutsche Profifußball durch die Corona-Krise noch mehr zu einem Produkt. Kalt und emotionslos.

Wer hat recht? 

Im "Zweikampf der Woche" kommentieren wöchentlich Florian Wichert (Stellvertretender Chefredakteur bei t-online.de) und Robert Hiersemann (Head of Fußball und Sport) aktuelle Fußballthemen – auch als Podcast zum Hören und kostenlosen Abonnieren bei t-online.deAppleSpotifyGoogleDeezer, Podigee und in jeder Podcast-App.

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