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FC Bayern: Das können die deutschen Klubs vom FC Sevilla lernen

Bayern mit Problemen  

Was die deutschen Klubs von Sevilla lernen können

Von Constantin Eckner

25.09.2020, 12:48 Uhr
FC Bayern: Das können die deutschen Klubs vom FC Sevilla lernen. Dagegengehalten: Bayerns Lewandowski hatte es zeitweise schwer mit Sevillas Defensive. (Quelle: imago images)

Dagegengehalten: Bayerns Lewandowski hatte es zeitweise schwer mit Sevillas Defensive. (Quelle: imago images)

Der Rekordmeister tat sich im Spiel gegen die Spanier zeitweise schwer und wurde so gefordert wie nur selten in den letzten Monaten. Dabei zeigte der FC Sevilla auf, wie Gegner dem FC Bayern wehtun können.

Das unersättliche Bayern München konnte gestern in Budapest einen weiteren Titel einsammeln. Aber im Uefa Supercup befand sich der deutsche Rekordmeister mehrfach am Rande einer Niederlage. Der Gegner FC Sevilla lieferte Anschauungsmaterial für jeden ambitionierten Bundesligisten, wie die Bayern eventuell in dieser Saison zu knacken sind. 

Die grundsätzliche Spielbalance beim Aufeinandertreffen mit dem amtierenden Europa-League-Sieger gestaltete sich wie in so vielen Partien der Bayern. Sie hatten in der ersten Halbzeit fast 65 Prozent Ballbesitz und versuchten mit erdrückender Dominanz, dem Gegner nicht nur keine Möglichkeit für Angriffe zu geben, sondern ihn auch in defensive Fehler zu treiben. Allerdings fand sich Sevilla dadurch in einer für sie angenehmen Ausgangslage wieder.

Ausgefeilter Defensivplan

Trainer Julen Lopetegui hatte sich nämlich einen ausgefeilten Plan für die Defensivarbeit überlegt. Wenn Bayern die Angriffe am eigenen Strafraum starten wollte, stellte Sevilla, das zumeist in einer 4-1-4-1-Grundformation spielte, mit der Viererreihe hinter Angreifer Luuk de Jong die beiden Mittelfeldspieler der Bayern zu. Für Joshua Kimmich und Leon Goretzka ergab sich also eine 4-gegen-2-Situation, weshalb sie selten entscheidend in den Spielaufbau der Bayern eingreifen konnten.
   

   
Dass Sevilla die beiden Mittelfeldakteure derart stark umstellen konnte, war nur möglich, weil die Andalusier die Außenverteidiger Bayerns bewusst außer Acht ließen. Der Gedanke war, dass Benjamin Pavard und Lucas Hernández aufgrund ihrer beschränkten Offensivqualitäten keine große Gefahr darstellen würden und leichter als Kimmich und Goretzka vom Ball zu trennen wären.

 Grafik: Das Pressingschema Sevillas mit der Überzahl im zentralen MittelfeldGrafik: Das Pressingschema Sevillas mit der Überzahl im zentralen Mittelfeld

Thomas Müller ist die Antwort

Mit dieser Art der Verteidigung lieferte Sevilla eine gute Blaupause für Bundesligisten. Denn wenn die individuell unterlegenen Mannschaften in Deutschland lediglich Mann-gegen-Mann im Mittelfeld spielen, haben sie über 90 Minuten nahezu kein Chance, effektiv gegen die Bayern zu verteidigen und die für Konterangriffe wichtigen Ballverluste zu erzwingen.

Die Bayern wären aber nicht die Bayern, wenn sie gestern Abend keine Lösung für dieses Problem gefunden hätten. Die Antwort lautete wie so oft Thomas Müller. Der bayerische Offensivallrounder ließ sich tief ins Mittelfeld zurückfallen, tauchte mal halbrechts und dann hinten links auf, um so die Verteidigungsstruktur von Sevilla zu durchbrechen.

Gerade wegen Müller konnte der deutsche Meister dann in die Hälfte von Sevilla vordringen, sich dort festsetzen und wie so oft seine wahre Stärke entfalten. Sie spielten den Ball immer wieder in den gegnerischen Strafraum, sammelten Abpraller regelmäßig wieder ein und machten noch mehr Druck auf die langsam entkräftete Abwehr.

Grafik: Müller war einmal mehr überall und bot zumeist mehreren Mitspielern eine AnspielstationGrafik: Müller war einmal mehr überall und bot zumeist mehreren Mitspielern eine Anspielstation 

Bayerns dünne Bank als Schwachpunkt

Dass Sevilla überhaupt so lange im Spiel blieb, lag nicht nur an der schlechten Chancenverwertung beziehungsweise dem suboptimalen Ausspielen von Torchancen auf Seiten der Bayern, sondern auch an der personellen Situation des Rekordmeisters. Als etwa den Flügelstürmern Leroy Sané und Serge Gnabry die Kräfte ausgingen, hatte Cheftrainer Hansi Flick keine Möglichkeit nachzulegen.

Die Einwechslung von Corentin Tolisso für Sané war allenfalls eine Verzweiflungstat, weil der Franzose viel besser im Zentrum als auf dem Flügel – zumal dem offensiven Flügel – aufgehoben ist. Sollte Bayern den Kader bis zum Ende der Transferperiode nicht in der Breite verstärken, dann eröffnen sich für künftige Gegner eventuell gute Möglichkeiten in den Spätphasen von Partien, wenn die Kräfte des ansonsten übermächtigen FCB langsam schwinden.

Insofern lieferte Sevilla gestern Abend nicht nur taktisches Anschauungsmaterial, sondern auch Hinweise auf die optimale spielstrategische Ausrichtung gegen die Bayern. Intelligentes Verteidigen ist wichtig, um so wenige Angriffe wie möglich zuzulassen. Cleveres Kräftemanagement sowie gut durchdachte Einwechslung, damit das Energieniveau des eigenen Teams hochgehalten wird, sind ebenso wichtig.

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