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Keeperin Schult denkt ĂŒber Karriereende nach

Von dpa
Aktualisiert am 23.12.2021Lesedauer: 4 Min.
Fußball-NationaltorhĂŒterin Almuth Schult erwĂ€gt ein Karriere-Ende.
Fußball-NationaltorhĂŒterin Almuth Schult erwĂ€gt ein Karriere-Ende. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa./dpa)
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Wolfsburg (dpa) - Über Weihnachten und den Jahreswechsel steht fĂŒr Almuth Schult eine wichtige Überlegung an: Soll die deutsche NationaltorhĂŒterin und Fußball-Olympiasiegerin von 2016 ihre Karriere nach dieser Saison beenden oder nicht?

"Spiele ich beim VfL Wolfsburg weiter, spiele ich woanders weiter, spiele ich vielleicht gar nicht mehr weiter? DarĂŒber mache ich mir Weihnachten Gedanken", sagte die 30-JĂ€hrige der Deutschen Presse-Agentur. "Ich habe ein Angebot erhalten, meinen Vertrag in Wolfsburg zu verlĂ€ngern. Aber ich muss mir jetzt klar werden, was fĂŒr die Familie am besten ist."

Schult hat zwei kleine Kinder, einen berufstĂ€tigen Ehemann und einen reiseintensiven Job. Bei den MĂ€nnern hĂ€tten Fußballprofis "genug finanzielle RĂŒcklagen, um ihre familiĂ€re Situation zu hĂ€ndeln. Bei uns ist das nicht möglich", sagte sie.

2021 ein Schult-Jahr

Zumindest fĂŒr die Öffentlichkeit ist 2021 Schults Jahr. Als TV-Expertin bei der MĂ€nner-EM wurde sie im Sommer hochgelobt. Als MitgrĂŒnderin der Initiative "Fußball kann mehr" fordert sie mehr Geschlechtergerechtigkeit im deutschen Fußball und ganz konkret eine Frauenquote fĂŒr die FĂŒhrungsebenen von VerbĂ€nden und Proficlubs. Im April gab die ehemalige WelttorhĂŒterin zudem - nur ein Jahr nach der Geburt ihrer Zwillinge - ihr Comeback in der Bundesliga.

Doch Schults Erkenntnis selbst am Ende eines so bedeutenden Jahres ist nicht: Wir haben schon viel angestoßen. Sondern: "Es gibt noch viel zu tun." Das gilt fĂŒr die Vereinbarkeit von Familie und Karriere genauso wie fĂŒr den Einfluss von Frauen im Spitzenfußball. Eigentlich mĂŒsste sie fĂŒr das PrĂ€sidentenamt beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) kandidieren, sagte Schult. "Als VerbandsprĂ€sidentin in einem Ehrenamt wĂŒrde ich in Deutschland mehr verdienen als jede aktive Spielerin."

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Zumindest bei der Wahl im MĂ€rz 2022 ist das aber noch kein Thema. Zum einen, weil ihr als noch aktive Spielerin die Zeit dafĂŒr fehlt. Und zum anderen, weil diese Wahl nach Schults Überzeugung schon lĂ€ngst auf die alte und ĂŒberkommene Weise entschieden wurde.

Initiative "Fußball kann mehr"

Im Mai trat Fritz Keller als DFB-PrĂ€sident zurĂŒck. Im selben Monat grĂŒndeten Schult, die ehemalige HSV-VorstĂ€ndin Katja Kraus, die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb und andere Frauen die Initiative "Fußball kann mehr". Einer ihrer ersten VorschlĂ€ge war, den von MachtkĂ€mpfen zerrĂŒtteten DFB kĂŒnftig von einer Doppelspitze leiten zu lassen.

"Schon das wurde kategorisch ausgeschlossen", sagte Schult, weshalb ihr Netzwerk nach einem eigenen Team fĂŒr die PrĂ€sidentschaftswahl am 11. MĂ€rz suchte. "Wir haben den Willen. Aber dieser Wille wurde sehr getrĂŒbt durch die Nachricht, dass sich die LandesverbĂ€nde bereits auf Bernd Neuendorf geeinigt haben. Damit ist die Wahl praktisch gelaufen", sagte Schult. "Wir haben gehofft, dass der DFB-Bundestag fĂŒr einen Aufbruch steht. Aber offenbar will man den Weg weitergehen, den man in den letzten Jahrzehnten gegangen ist."

Neuendorf selbst, aktuell noch Chef des Mittelrhein-Verbands, sieht das anders. "Wir mĂŒssen im DFB definitiv zu mehr DiversitĂ€t kommen, insbesondere die ReprĂ€sentanz von Frauen in den Gremien stĂ€rken. DafĂŒr brauchen wir umgehend klare Signale", sagte er dem "Kicker".

Nachfrage bei Schult: Hat sich Neuendorf oder sein Gegenkandidat Peter Peters oder irgendein anderer wichtiger DFB-FunktionÀr seit dem Sommer bei der Initiative gemeldet, um sie einzubinden, die ReprÀsentanz von Frauen zu stÀrken oder ein klares Signal zu setzen? Die Antwort ist: Nein.

Schult: "Die WiderstÀnde sind immer noch da"

Mit vielen Vereinen und VerbĂ€nden seien sie nach eigenem Anstoß ins GesprĂ€ch gekommen. "Dass Leute auf uns zukamen und gesagt haben: Wir möchten mit euch sprechen - das gab es kaum", sagte Schult. Neuendorf betonte zwar, "keine BerĂŒhrungsĂ€ngste zu haben" und auf die Initiative zugehen zu wollen. Aber erst "Anfang 2022" - wenn alle Weichen fĂŒr seine Wahl lĂ€ngst gestellt sind.

FĂŒr Schult zeigt dies: "Die WiderstĂ€nde sind immer noch da." Ja, die Digitalexpertin Donata Hopfen wird am 1. Januar bei der Deutschen Fußball Liga den Vorsitz der GeschĂ€ftsfĂŒhrung ĂŒbernehmen. Und die bisherige VizeprĂ€sidentin Nicole Kumpis soll 2022 zur Vereinschefin des Traditionsclubs Eintracht Braunschweig gewĂ€hlt werden. Aber einzelne Signalwirkungen seien noch keine nachhaltige Entwicklung.

Dabei gebe es genau dafĂŒr "ein Momentum in der Gesellschaft", sagte Schult. "Und das ist: Wir wollen etwas verĂ€ndern. Wir wollen mehr Mitbestimmung. Es geht um Respekt und Gerechtigkeit." FĂŒr ihren Sport habe das zur Folge: "Der Fußball hat viel Kredit verloren."

Dass zahlreiche Mitglieder des FC Bayern MĂŒnchen das Thema Menschenrechte diskutieren wollten, aber die FĂŒhrung des Vereins die Katar-Debatte abwĂŒrgte. Oder dass viele Fans wĂ€hrend der Corona- Krise in Kurzarbeit mussten, aber einige TopgehĂ€lter teilweise weiter stiegen: All das seien Signale, "die man nicht ĂŒbersehen sollte", wie Schult sagt. Und mehr Frauen, mehr DiversitĂ€t, mehr Blickwinkel an den entscheidenden Stellen des Fußballs wĂŒrden ihrer Meinung nach dafĂŒr sorgen, "dass man solche Signale auf jeden Fall erkennt".

Schult möchte, "dass der Fußball wieder nahbarer wird". Sie schlĂ€gt vor, "dass Fußballer andere Erfahrungen machen, um wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen", sagte sie. "Mal als Schiedsrichter zu pfeifen. Oder die Aufgaben des Zeugwarts zu ĂŒbernehmen. Durch die Professionalisierung wird dem Profifußball immer mehr abgewöhnt."

Viele Optionen fĂŒr 2022

Sie selbst hat sich in diesem Jahr eine Menge Optionen geschaffen: eine Fernsehkarriere. Eine FĂŒhrungsposition im Fußball. Eine Trainerlizenz hat Schult ebenfalls erworben. Auch der VfL Wolfsburg wĂŒrde gern noch mit ihr weiterarbeiten, denn auch sportliche Ziele gĂ€be es noch genug: Den Meistertitel vom FC Bayern zurĂŒckzuerobern oder die WM 2023 in Australien und Neuseeland zu spielen. "NatĂŒrlich freue ich mich sehr, wenn sie sich fĂŒr eine Zukunft beim VfL Wolfsburg entscheiden sollte", sagte Sportchef Ralf Kellermann. "Es liegt aber auch in meiner Verantwortung, auf alle EventualitĂ€ten vorbereitet zu sein und einen Plan B in der Tasche zu haben."

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