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Urteil im Fall Christoph Metzelder: Bürgerliche Selbstvernichtung

MEINUNGNach Urteil im Kinderporno-Prozess  

Was Metzelder getan hat, lässt sich mit Reue nicht mindern

Von Gerhard Spörl

29.04.2021, 19:59 Uhr
Ex-Fußballprofi Metzelder zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt

Christoph Metzelder wurde wegen Besitz und Verbreitung von Kinderpornographie verurteilt. Zuvor hatte der Ex-Nationalspieler seine Tat im Prozess gestanden.

Nach Geständnis: Ex-Fußballprofi Metzfelder ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. (Quelle: Reuters)


Mit seinem Geständnis verschaffte sich Christoph Metzelder eine milde Strafe. Die Fußballwelt, der er angehörte, hat ihn ausgestoßen. Was fängt so jemand, 40 Jahre alt, mit seinem Leben an?

Christoph Metzelder war mal ein richtig guter Fußballspieler mit einem Körper, der sich ihm durch ständige Verletzungen entzog, so dass ihm die ganz große Karriere versagt blieb. Er war intelligent, damit fiel er damals auf. Mehr noch ist er aber ein trostloses Beispiel dafür, dass die wenigsten Menschen an ihrer Intelligenz scheitern – sie scheitern an ihrem Charakter.

Wer bekannt ist und mit Kinderpornographie auffällig wird, begeht
bürgerliche Selbstvernichtung. Metzelder geriet nicht in Verdacht pädophiler oder gar päderastischer Neigungen. Was er besaß, diente der sexuellen Stimulierung, so viel scheint klar zu sein. Nach zwei Jahren des Schweigens fand Metzelder vor Gericht ein paar Zerknirschungssätze, die ebenso überfällig wie zweckgerichtet waren. Mit seiner Reue verschaffte er sich eine Bewährungsstrafe. Das ist ebenso legitim wie schal.

Die Kinder sind fürs Leben gezeichnet

Bei Kindern hört es auf. Solche Fotos, die Metzelder auf seinem Smartphone stapelte, entstehen durch Missbrauch, durch Vergewaltigung. Die Erwachsenen, die sie dazu zwingen, zielen auf einen Markt aus gestörten Voyeuren, der viel größer zu sein scheint, als man denkt. Die Kinder, denen das angetan wird, sind fürs Leben gezeichnet und deshalb ist es in unserer Gesellschaft, die sich gelegentlich im Übermaß liberal gibt, nur folgerichtig, wenn Menschen wie Metzelder geächtet werden.

Es gab einmal, nicht lange ist es her, einen Bundestagsabgeordneten
namens Sebastian Edathy. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, er habe Material im „Grenzbereich zu dem, was Justiz unter Kinderpornografie versteht“, über das Internet bestellt. Edathy räumte ein, dass der Vorwurf zutraf, beharrte jedoch darauf, dass er damit keine Schuld eingestand, bezahlte 5.000 Euro, woraufhin das Gerichtsverfahren im März 2015 eingestellt wurde.

Offenbar war Edathy der Typus des stillen Konsumenten. Metzelder schickte Frauen Screenshots von obszönen Bildern mit Kindern und Jugendlichen. Eine Frau erzählte anonym in der „Zeit“, dass er ihr Fotos geschickt habe, bevor sie eine Nacht in Hamburg verbracht hätten. Sie gab vor, sie hätte Metzelder entlarven wollen. Gegen diese Frau, die als Hauptbelastungszeugin gilt, ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft wegen „motivierender Handlungen“.

Was kann Metzelder noch aus seinem Leben machen?

Metzelder hat sich öffentlich entschuldigt. Was ihm als in seiner Eigenschaft als unvollendeter Fußballer an Ehren zuteil geworden war, gibt er zurück. Aus seiner Stiftung, die auch noch „Zukunft Jugend“ heißt, zog er sich zurück, was denn sonst. Kein TV-Sender wird ihn noch als Experten einladen. In seinem Heimatverein TUS Haltern hat er weder als Vorsitzender noch als Mentor noch als Großfußballer eine Zukunft. Aus der Welt, in der er ein Star war, hat er sich herauskatapultiert.

Was wird aus solchen Leuten? Metzelder ist 40 Jahre alt. Was kann er noch aus seinem Leben machen?

Normalerweise gibt eine Gesellschaft Menschen, die gefehlt haben, eine zweite Chance: Wenn sie eine Pleite hingelegt haben oder im Gefängnis saßen oder sonst irgendwie Mist gebaut haben, für den sie büßen mussten. Sie können von neuem anfangen. Sie bleiben nicht geächtet.

Kinderpornographie ist etwas anderes. Sie lässt sich nicht vergessen. Das Unrecht, das diesen Kindern angetan wurde, damit sich Erwachsene daran delektieren können, lässt sich mit Reue nicht mindern. 

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