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Nach ARD-Bericht: Roberto Carlos bestreitet Doping

Schwerer Vorwurf der ARD  

Roberto Carlos bestreitet Doping-Missbrauch

11.06.2017, 14:08 Uhr | DED, sid, t-online.de

Nach ARD-Bericht: Roberto Carlos bestreitet Doping. Bestreitet die Vorwürfe: Roberto Carlos spielte von 1992 bis 2006 in Brasiliens Nationalmannschaft. (Quelle: imago images)

Bestreitet die Vorwürfe: Roberto Carlos spielte von 1992 bis 2006 in Brasiliens Nationalmannschaft. (Quelle: imago images)

Ein Ex-Weltstar wehrt sich gegen schlimme Vorwürfe der ARD: Brasiliens Abwehr-Legende Roberto Carlos hat Verbindungen zu einem vermeintlichen Dopingarzt dementiert.

"Ich bestreite vehement die von der ARD gemachten Anschuldigungen und bekräftige, dass ich niemals auf Mittel zurückgegriffen habe, die mir einen Vorteil gegenüber meinen Kollegen hätten verschaffen können", betonte der langjährige Weltklasse-Außenverteidiger in einem offenen Brief als Reaktion auf Vorwürfe in einer Reportage des öffentlich-rechtlichen Senders. Weil er den im Bericht genannten Arzt nicht kenne, seien seine Anwälte schon eingeschaltet worden. Und: Die ARD solle für ihre Anschuldigungen "vor Gericht und öffentlich" Beweise vorlegen.

Das Erste hatte am Samstag in der Reportage "Brasiliens schmutziges Spiel" aus der ARD-Reihe Geheimsache Doping von einem flächendeckenden Dopingskandal im Olympia-Gastgeberland von 2016 berichtet. Allerdings: Der 44-Jährige hatte zuvor von den zuständigen Journalisten mehrfach die Chance erhalten, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, aber alle Anfragen unbeantwortet gelassen.

"Roberto Carlos war bei mir in Behandlung"

Sein Name steht in einem 200 Seiten starken Dossier der brasilianischen Anti-Doping-Agentur ABCD, das 2015 der Staatsanwaltschaft übergeben worden war. Dieser Bericht liegt der ARD-Dopingredaktion vor. Dort heißt es, dass eine Person, die beim vermeintlichen Dopingarzt Júlio César Alves zu jener Zeit Patient war, Roberto Carlos im Juli 2002 in der Praxis gesehen hatte.

Gegenüber einem als Fußballmanager aus Europa getarnten Reporter ging der Arzt sogar noch weiter und bestätigte: "Roberto Carlos war bei mir in Behandlung. Er kam schon mit 15 zu mir. Da war er ein schmächtiger Junge. Ich habe seine Oberschenkel entwickelt." Carlos absolvierte 125 Länderspiele für die Seleção (elf Tore), holte 2002 in Japan und Südkorea den Weltmeistertitel – im Finale gegen Deutschland.

Es kommt noch schlimmer. Denn nicht nur der Fußball ist von den Dopingvorwürfen betroffen. Laut Alves waren im Vorfeld der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro rund 25 Kader-Athleten aus diversen Sportarten bei ihm in Piracicaba, rund 150 km von São Paulo entfernt, zu Gast. Das brisante Dossier mit Namen und Fakten schlummert seit 2015 bei der Staatsanwaltschaft in der Millionen-Metropole.

Szene aus dem WM-Finale 2002: Roberto Carlos (r.) gegen Torsten Frings. (Quelle: imago images)Szene aus dem WM-Finale 2002: Roberto Carlos (r.) gegen Torsten Frings. (Quelle: imago images)

Arzt fällt auf ARD-Lockvögel herein

Alves behauptet unterdessen weiter, dass er bis heute mit vielen Topsportlern zusammenarbeite, darunter immer wieder Profifußballer aus Brasilien und dem Ausland. Lockvögeln der ARD-Dopingredaktion verkaufte der Mediziner für knapp 3000 Euro kiloweise hochwirksame und gesundheitsgefährdende Hormonpräparate, die auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) stehen. Anfragen zu einer möglichen Zusammenarbeit von Spielern der brasilianischen Fußball-Nationalmannschaft mit dem verdächtigen Arzt ließ der nationale Fußballverband CBF unbeantwortet.

Dass Alves Sportler gezielt mit Dopingmitteln versorgen soll, ist in Brasilien eigentlich seit Jahren bekannt. So behauptete er im brasilianischen Fernsehen, Olympia-Athleten mit Dopingsubstanzen zu behandeln. Zudem seien zwei Fußballer aus der Seleção im Vorfeld der Heim-WM 2014 bei ihm in Behandlung gewesen. Brasiliens Sport war kurz vor Beginn der Olympischen Spiele in Rio bereits unter Generalverdacht geraten. Die WADA hatte bestätigt, dass im größten Land Südamerikas im Vorfeld der Spiele bei "führenden Athleten" keine Dopingtests mehr vorgenommen worden seien - auch auf Druck staatlicher Stellen.

Brasiliens langjähriger Anti-Doping-Chef Marco Aurelio Klein erklärte dem ARD-Rechercheteam nun, dass es in Brasilien sogar viele Monate überhaupt keine Tests mehr gegeben habe. Demnach wurde Anfang Juli 2015 die letzte unangemeldete Trainingskontrolle der brasilianischen Anti-Doping-Agentur durchgeführt.

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