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Sporthilfe-Chef - Ilgner: "Fern davon zu sagen, alles ist damit gut"

Sporthilfe-Chef  

Ilgner: "Fern davon zu sagen, alles ist damit gut"

17.01.2019, 07:27 Uhr | dpa

Sporthilfe-Chef - Ilgner: "Fern davon zu sagen, alles ist damit gut". Chef der Deutschen Sporthilfe:Michael Ilgner.

Chef der Deutschen Sporthilfe:Michael Ilgner. Foto: Jörg Carstensen. (Quelle: dpa)

Frankfurt/Main (dpa) - Für den Sporthilfe-Vorsitzenden Michael Ilgner ist die erste direkte Athletenförderung des Bundes, die in diesem Jahr sieben Millionen Euro betragen wird, ein Anfang, aber auch notwendig, um international konkurrenzfähig zu sein.

"Ich bin fern davon, über Almosen zu sprechen, weil das ein signifikanter Betrag ist", sagte er im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. "Ich bin aber fern davon zu sagen, alles ist damit für die Zukunft gut."

Die Sporthilfe hat jüngst eine Studie zur Einkommens- und Lebenssituation von Spitzenathleten vorgelegt. Ein Ergebnis: Für den Zeitaufwand für Sport und Beruf erhalten sie im Schnitt nicht mal den in Deutschland vorgeschriebenen Mindestlohn.

Michael Ilgner: Es war höchste Zeit, dieses Warnsignal zu erneuern. Mit der Studie soll der Gesellschaft und der Bevölkerung klar gemacht werden, unter welchen Rahmenbedingungen Leistungssport in Deutschland derzeit geleistet wird. Denn die Realität ist vielen Menschen nicht bewusst. Dafür müssen wir Aufklärungsarbeit leisten. Denn: Unsere Athleten sind aktuell noch nicht so ausgestattet, dass wir richtig große Erfolge erwarten können unter den sozialen Bedingungen, die sie haben. Wir wollen aber nicht nur sagen, dass alles in die falsche Richtung geht. Seitdem ist auch einiges passiert.

Was zum Beispiel?

Ilgner: In dieser Studie waren die Effekte durch die direkte Athletenförderung des Bundes für 2018 von 3,5 Millionen Euro und die sieben Millionen Euro zusätzlich für 2019 nicht enthalten. Das sind wichtige und große Schritte, um die Athleten so auszustatten, dass sie Leistungssport ohne gravierende Nachteile betreiben können. Ziel ist die Erhöhung der Grundausstattung von 500 bis 600 Euro auf 1000 Euro im Monat für die von der Sporthilfe geförderten Athleten.

Jahrzehnte sind die Topathleten vom Sozialwerk Sporthilfe, von Sponsoren, Mäzenen und der Familie finanziell gefördert worden. Erstmals unterstützt im Zuge der Leistungssportreform der Bund die direkte Athletenförderung über die Sporthilfe. Ändert sich in diesem Bereich grundsätzlich etwas?

Ilgner: Auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen wie der Kultur oder Kunst gibt es oft eine kluge Mischung aus privaten Mitteln und staatlichen Unterstützungen, die gut funktioniert. Es ist an der Zeit, auch die Förderung der Athleten im Leistungssport auf diese Weise umzusetzen. Wir haben in den vergangenen Jahren bewusst versucht, aus eigener Kraft die Mittel aus der Wirtschaft und aus der Bevölkerung zu erhöhen. Das ist uns signifikant mit inzwischen über 15 Millionen Euro an Fördersumme zwar sehr gut gelungen. Aber: Der Schritt zur zusätzlichen staatlichen Unterstützung muss erfolgen, weil die Summe trotz aller Anstrengungen noch nicht reicht, um wettbewerbsfähig zu sein.

Die 3,5 Millionen Euro vom Bund für 2018 wurden für eine Einmal-Zahlung an die Athleten des Olympia- und Perspektivkaders genutzt. Es war eine Prämie von 3650 Euro pro Sportler. Nicht üppig.

Ilgner: Das ist der Anfang und ein großartiger Start. Für die Athleten war das ein sehr wertschätzendes und natürlich auch materiell signifikantes Zeichen. Wir haben sehr viele, sehr dankbare und positive Rückmeldungen von den Athleten dafür bekommen.

Wie werden die sieben Millionen Euro für 2019 genutzt?

Ilgner: Darüber wurde am Mittwoch im Sportausschuss sehr konstruktiv diskutiert. Mit diesen sieben Millionen Euro soll voraussichtlich die Grundförderung der Sporthilfe für Athleten ohne staatliche Förderung durch Anstellungen bei Bundeswehr, Zoll oder Polizei aufgestockt werden. Zum Bezugskreis werden wohl rund 800 bis 1000 Athleten der Olympia-und Perspektivkader gehören. Das ist nun in diesem und den Folgejahren umzusetzen. Einen konkreten Fahrplan erarbeiten wir gerade mit Bundesinnenministerium und Sportausschuss.

Wird damit das Ziel von 1000 Euro pro Athlet und Monat erreicht werden?

Ilgner: Wir sind dann schon relativ nahe dran, werden aber auch in anderen Bereichen nicht stehen bleiben und uns weiterentwickeln. Für eine wesentlich höhere Anzahl an Athleten kommen wir an 1000 Euro heran, nicht jedoch für alle Athleten.

Der Sportetat des Bundes ist im Zuge der Leistungssportreform für 2019 um 71 auf 235 Millionen Euro aufgestockt worden. Sieben Millionen Euro für direkte Athletenförderung, den Hauptakteure im Sport, klingt irgendwie wie ein Almosen.

Ilgner: Ich bin fern davon, über Almosen zu sprechen, weil das ein signifikanter Betrag ist. Ich bin aber fern davon zu sagen, alles ist damit für die Zukunft gut. Ich bin als Sporthilfe-Vorsitzender auch Sportler und habe jetzt das Ziel, diese sieben Millionen Euro gut umzusetzen, so dass die Athleten eine neue Basis haben.

Die Finanzierung des deutschen Sports ist verknüpft mit seiner Autonomie und Unabhängigkeit. Wie soll in Zukunft das Verhältnis zwischen Erträgen der Sporthilfe und den Mitteln des Bundes sein?

Ilgner: Das strategische Ziel der Sporthilfe ist, dass in Zukunft weiterhin zwei Drittel der Erträge und Fördermittel aus der Privatwirtschaft und Gesellschaft kommen und maximal ein Drittel direkte staatliche Mittel sind. Dadurch wollen wir uns selbst den Antrieb erhalten, die Natur der Sporthilfe beibehalten und das Potenzial maximal nutzen, das da ist.

Wie steht es mit dem Projekt der Altersvorsorge für Topsportler, der Rente für Athleten?

Ilgner: Was für die Gesamtbevölkerung und für junge Menschen - gerade im Alter zwischen 20 und 30 zutrifft -, trifft für Sportler noch sehr viel mehr zu, weil sie später in den Beruf einsteigen und oft auf wichtige erste Jahre bei der Einzahlung in die Rentenkasse verzichten müssen. Wir wollen den Athleten helfen, die keine staatlichen Sportförderstellen haben und keinerlei Einzahlungen in die Alterssicherungssysteme leisten können. Da wollen wir mit einem pragmatischen, und klugen und einfachen Modell Abhilfe schaffen.

Wie berechnet man den "Rentenanspruch" eines Athleten in seiner Karriere, wird er mit seinen Erfolgen verknüpft werden?

Ilgner: Da gibt es verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten. Es könnte eine gewisse Form der monatlichen Unterstützung zur Einzahlung in ein Altersvorsorgemodell geben. Zum Beispiel 400 Euro im Monat zusätzlich für einen Athleten, solange er im Olympia- oder Perspektivkader vertreten ist, für Deutschland international antritt und in der Zeit von der Sporthilfe gefördert wird.

Wenn die Leistungssportreform, wie geplant 2024 oder 2028 richtig greift: Wird es dann die Debatten über Athletenförderung und Rente noch geben oder alles bestens geregelt sein?

Ilgner: Mit Sicherheit nicht! Es ist wie mit Reformprogrammen in der Wirtschaft: In der Zeit der Umsetzung steht der Wettbewerb nicht still. Insofern wird es so sein, dass es auch in einigen Jahren wieder Bedarf gibt, sich zu hinterfragen und zu überlegen, reicht das. Es ist im Übrigen die DNA des Sportlers, sich immer mit den Wettbewerbern zu messen, zu schauen, setzte ich die richtigen Reize und zu fragen, was kann ich Neues machen. Das trifft für die Sportförderung auch zutreffen.

Wenige Tage nach der Aufregung um das vergoldete Steak, das Bayern-Fußballstar Franck Ribéry gegessen hat, zeigte die Studie der, dass viele Topsportler finanziell nicht gut dastehen.

Ilgner: Die Diskussion, die sich daraus entfaltet hat, ist in der Tat ganz spannend. Athletenvertreter Marc Zwiebler stellte fest, dass zu 99 Prozent diese Fragen für den klassischen Olympioniken in keiner Weise zutreffen. Das sind zwei komplett unterschiedliche Welten. Was die Lebensrealität betrifft, haben die nichts miteinander zu tun.

Braucht der deutsche Sport trotz der laufenden Reform auch endlich mal Olympische Spiele im eigenen Land, um neue Anreize zu bekommen? Eine Bewerbung wäre erst für 2030 möglich...

Ilgner: Ja, auf jeden Fall können Großveranstaltungen wie Olympische Spiele oder auch neue Formate wie European Games sehr wertvolle Impulse setzen. Der Zeitpunkt und das Format müssen allerdings für Deutschland passen. Eine konstruktive Debatte über die Frage, wie diese Großereignisse ausgetragen werden, sollte aber weitergehen.

ZUR PERSON: Michael Ilgner ist seit April 2010 hauptamtlicher Vorstandsvorsitzender der Sporthilfe. Als Sportler war er von 1990 bis 1997 Mitglied der deutschen Wasserball-Nationalmannschaft.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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