"Sieg-oder-Sarg": Eisenbichler nimmt WM-Gold ins Visier

Innsbruck (dpa) - Markus Eisenbichler mag es gerne martialisch. Alles oder nichts, das heiΓt in der Sprache des Ur-Bayers: "Sieg oder Sarg!" Oder etwas abgeschwΓ€cht: "Pokal oder Spital!"
Und je lΓ€nger Eisenbichler auf seinen ersten Erfolg wartet und je hΓ€ufiger er daran nur haarscharf vorbeischrammt, desto grΓΆΓer wird sein Verlangen danach. "Dann werde ich komplett ausrasten, so viel steht fest", sagte "Eisei" in dieser Woche der "Sport Bild". Der Skispringer aus Siegsdorf lΓ€sst sich prima ΓΌber seine Emotionen erklΓ€ren: Liefert er, fΓ€rbt sein euphorischer Jubel regelrecht ab. LΓ€uft es nicht, flucht er auch gerne mal mit einem bayerischen Kraftausdruck.
Bei der ersten Skisprung-Entscheidung dieser Nordischen Ski-WM am Samstag (14.30 Uhr/ARD und Eurosport) in Innsbruck ist Eisenbichler einer der heiΓen Kandidaten auf Edelmetall. Sein Absprung ist dynamisch und hochexplosiv, sein FluggefΓΌhl im letzten Drittel so fein wie bei kaum einem anderen Athleten weltweit. Bundestrainer Werner Schuster sieht in Eisenbichler den begabtesten Athleten seines starken Teams. "Wenn er einen guten Sprung macht, ist er eigentlich der Allerbeste. Dann kann er auch Kobayashi schlagen", befand der Γsterreicher.
Bei der Tournee platzte Eisenbichlers Traum vom ersten Sieg zweimal ganz knapp, auch beim Skifliegen in Oberstdorf fehlte nur ein Hauch. Sein zweiter Platz von Willingen, der weniger als 24 Stunden nach Rang 36 folgte, war ein Sinnbild fΓΌr die Extreme, zwischen denen der Bayer wandelt. "Bei ihm ist es ein Tanz auf der Rasierklinge. Die Fehler sind bei ihm eine Folge eines zu aggressiven Absprungs. Er ist an guten Tagen einer der Besten und an schlechten Tagen ist er raus", ordnete Schuster ein.
In den Tagen von Seefeld und Innsbruck prΓ€sentiert sich Eisenbichler gelΓΆst und gutgelaunt, am Tag vor dem groΓen Finale gewinnt er sowohl den Probedurchgang als auch die Qualifikation. Der 27-JΓ€hrige scherzt mit seinen Kollegen, hat SpaΓ auf der Schanze und endlich die Leichtigkeit, nach der er lange Zeit auf der Suche war. Nach seinem Quali-Sieg, bei dem er auch die Top-Favoriten Ryoyu Kobayashi und Kamil Stoch distanzierte, klatschte er zufrieden in die HΓ€nde. "Ich habe zwei gute SprΓΌnge gemacht. Jetzt freue ich mich einfach. Was die anderen Leute sagen, ist mir ziemlich wurscht", sagte "Eisei" zu den hohen Erwartungen.
Ein Jahr nach dem prΓ€genden Ereignis Pyeongchang, als er fΓΌrs Teamspringen aussortiert wurde und als einziger Deutscher ohne Olympia-Medaille nach Hause flog, geht Eisenbichler nun voran und blickt optimistisch auf die Highlight-Wochen der Saison.
"Solche Entscheidungen gibt es nicht nur im Sport, sondern auch im normalen Leben. Da muss man drΓΌber stehen und es das nΓ€chste Mal besser machen. Ich werde schauen, dass solche Entscheidungen nicht mehr gegen mich passieren, sondern nur noch fΓΌr mich", hatte "Eisei" vor der laufenden Saison betont. FΓΌr die WM gilt das allemal: Mit seinen Vorleistungen und seiner starken Form ist er in Tirol absolut kein Streichkandidat mehr.