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Rad-Ikonen Jan Ullrich und Lance Armstrong geben Doppel-Interview


Überraschend ehrlich: Armstrong und Ullrich geben Doppel-Interview

Von dpa, t-online, flv

21.11.2023Lesedauer: 3 Min.
Lance Armstrong vor Jan Ullrich.Vergrößern des BildesBild mit Symbolcharakter: Lance Armstrong (l.) vor Jan Ullrich – so war es meistens bei der Tour de France. (Quelle: imago-images-bilder)
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Auf dem Rad lieferten sie sich einst erbitterte Duelle. Heute sind Lance Armstrong und Jan Ullrich Freunde. Auch ihr Fall nach der Karriere vereinte sie. Darüber sprachen sie nun erstmals gemeinsam.

Die einst erbitterten Radsport-Rivalen Jan Ullrich und Lance Armstrong haben sich auch durch die öffentliche Ächtung wegen ihrer Doping-Fälle angenähert.

Es sei "eine Art öffentlicher Tod durch tausend Stiche" gewesen, sagte der Amerikaner Armstrong (52) im Doppel-Interview mit Ullrich dem "Zeit"-Magazin: "Diese Erfahrung verbindet uns, vor allem aber, dass wir unser Bestes geben mussten, sie zu überleben. Aber hier sind wir nun: Überlebende."

Ähnlich sieht es Ullrich. "Wir wissen, was ganz oben im Sport mit dir passiert", sagte der 49-Jährige: "Gemeinsam haben wir natürlich auch, was mit uns passierte, als es nach unten ging."

Ullrich ist Armstrong dankbar: "Da liefen Tränen"

Ullrich zeigte sich noch immer dankbar, dass Armstrong sich 2018 nach einem der vielen Abstürze persönlich um ihn gekümmert habe. "Er hat es tatsächlich geschafft, mich zu motivieren, einen Entzug anzugehen. Da liefen Tränen", berichtete der Gewinner der Tour de France 1997.

Armstrong hatte zuvor einen Anruf von einem Freund Ullrichs erhalten, der ihm gesagt habe: "Viele lieben ihn und wollen ihm helfen, aber nur vor dir hat er genügend Respekt." Daraufhin sei er in den Flieger gestiegen und habe Ullrich besucht. "Ich wusste nicht, was mich erwarten würde. Aber ich liebe diesen Mann. Dass es ihm so schlecht ging, brach mir das Herz."

Armstrong für Ullrich schon früher ein "Held"

Eine derartige Freundschaft war für Armstrong während seiner Karriere undenkbar gewesen. Er macht deutlich: "Um Gottes willen, nein. Das hätte ich mir nicht ausmalen können. Ich war aber auch grundsätzlich nie interessiert an irgendeiner Art von Freundschaft mit anderen Fahrern. Das war nicht meins."

Entstanden sei die nicht für möglich gehaltene Freundschaft bei Armstrongs Abschiedsfeier, sagte Ullrich. Für ihn war der Amerikaner, der zuerst den Krebs besiegt hatte und dann zu sieben später wegen Dopings aberkannten Tour-Siegen gefahren war, schon früher ein "Held" mit einem "Riesenherzen" gewesen.

"Jan war meine Heimsuchung"

Armstrong sah Ullrich zwar vor allem als sportliche Gefahr. Er sagt: "Jan war meine Heimsuchung. Ich wusste, wenn er noch etwas härter arbeiten würde, hätte ich keine Chance."

Aber er erkannte auch Gemeinsamkeiten. "Wir waren die Größten im Radsport, weltweit. Und wir waren Teil dieser beschissenen Generation." Ullrich bestätigte in dem Interview erneut, dass Doping im Radsport damals praktisch dazugehörte, um erfolgreich zu sein: "Ja, es ging um gleiche Chancen, und alle wussten es."

Ähnliches hatte Ullrich zuvor auch schon dem "Stern" gesagt, als er erstmals über Doping im Team Telekom sprach. Explizit gesteht Ullrich, über dessen Leben in der kommenden Woche eine Dokumentation bei Amazon Prime erscheint, eigenes Doping nicht.

"Das war der Grund, warum ich Jahn nicht allein ließ"

Armstrong hingegen gab 2013 zu, verbotene Substanzen genommen zu haben. Er galt anschließend als größter Betrüger der Radsport-Geschichte. "Ich habe zehn verdammte Jahre gebraucht, um mich aus diesem Loch rauszukämpfen. Das war hart. Und das war auch der Grund, warum ich Jan nicht alleingelassen habe, als es ihm schlecht ging."

Armstrong als Lebensretter von Ullrich? Das sieht der Mann aus Texas nicht so: "Wissen Sie, Pantani (Marco Pantani, Toursieger von 1998, starb 2004 an einer Überdosis Kokain, d. Red.) war damals schon tot. Ich hätte es nicht ertragen können, noch einen von uns zu verlieren. Aber nicht ich habe Jan gerettet. Jans Freund Mike Baldinger war der Retter. Er hat mich damals angerufen."

Ullrich: "Konnte drei Jahre kein Rad angucken"

Ullrich wurde 2006 von seinem Team wegen Verbindungen zum spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes suspendiert und 2012 vom Internationalen Sportgerichtshof Cas für zwei Jahre gesperrt. Dass er weder 2006 noch ein Jahr später, als eine Reihe anderer Telekom-Fahrer Doping einräumte, über Doping redete, hatte vor allem juristische Gründe. 2007 lief gegen Ullrich ein Strafverfahren.

Der ehemals deutsche Rad-Held verlor die Kontrolle über sein Leben. Über diese Zeit sagt Ullrich: "Gut drei Jahre lang konnte ich ein Rennrad nicht einmal angucken, von Mitte 2006 bis 2010. Der Anblick hat zu viel in mir getriggert, ich fing sofort an zu zittern." Diese dunklen Jahre hat Ullrich – mit Armstrongs Hilfe – überwunden, veranstaltet heute etwa auf Mallorca Rundfahrten mit Hobby-Radsportlern. Jetzt weiß er: "Das Radfahren ist meine große Liebe. Wenn ich nicht Rad fahre, geht es mir nicht gut, und umgekehrt."

Deswegen sagt Armstrong zum Abschluss des Interviews: "Diesen Mann wieder auf dem Rad zu sehen – das ist für mich das größte Geschenk!"

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
  • zeit.de: "Wir haben unsere Existenzen in die Luft gejagt"
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