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Katja Bienert mit elf Jahren im Erotikfilm: "Ich galt als Freak"


Katja Bienert mit elf nackt im Erotikfilm
"Jetzt ist ja alles sehr streng, verklemmt und furchtbar"


Aktualisiert am 25.03.2024Lesedauer: 4 Min.
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Katja Bienert: Ihre Karriere startete sie mit dem Erotikfilm "Die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo".Vergrößern des Bildes
Katja Bienert: Ihre Karriere startete sie mit dem Erotikfilm "Die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo". (Quelle: United Archives / imago)

Sie war noch ein Kind, als sie nackt in einem Erotikfilm mitspielte. So denkt Katja Bienert heute über ihre Rolle in "Die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo".

Eine Schauspielerin steht in einem Wohnzimmer, bekleidet ist sie nur mit einer Unterhose, der Blick auf ihre Brüste ist frei. Sie selbst sieht dabei zu, wie ein Mann auf allen Vieren durch den Raum krabbelt und von einer nackten Frau geritten wird.

Es klingt wie ein schlechter Porno, und zunächst dürfte daran nichts ungewöhnlich sein. Doch die Frau in dem Wohnzimmer ist keine Frau, sie ist ein Mädchen, ein ziemlich junges Mädchen. "Zu den Zeiten der Dreharbeiten war ich tatsächlich erst elf Jahre alt", bestätigt Katja Bienert im Interview mit t-online. "Wir haben im Frühjahr 1978 gedreht und erst im September wurde ich zwölf." Der Presse erzählte man damals etwas anderes. "Sie haben mich quasi ein Jahr älter gemacht."

In "Die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo" spielte sie die Rolle der Petra. Eine Schülerin, die sich in einen Stricher verliebt hat und für ihn Drogen besorgt. Gleich in den ersten Minuten des Films ist Petra oben ohne zu sehen. Ihre Freundin Doris will ihr die Prostitution näherbringen. Der Report-Film sollte als Aufklärung für Jugendliche dienen.


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Die Dreharbeiten hatten etwas sehr Befreiendes für mich.


Katja BIenert


Es war nicht das einzige Mal, dass Katja Bienert für den Film die Hüllen fallen ließ. "Ich fand das alles gut. Es war ja nicht als Erotik verpackt, sondern als ernster Film – mit Drogen als Hauptthema. Ich wusste, was mich erwartet." Fast anderthalb Stunden ist der Streifen lang, immer wieder wird die elfjährige Katja dabei nackt gezeigt.

In einer Szene fährt die Kamera ganz nah an ihren Oberkörper, ihre Schulfreundin küsst ihre Brüste. Die Aufnahmen empfand Katja Bienert als "relativ harmlos". "Wenn ich oben ohne sein musste, dann wurde die Hälfte des Teams rausgeschickt. Darauf wurde geachtet." Unangenehm sei es für sie damals nicht gewesen. Ganz im Gegenteil. "Die Dreharbeiten hatten etwas sehr Befreiendes für mich."

Aber wie kann eine Elfjährige einen Erotikfilm als "befreiend" ansehen? "Mit neun Jahren war ich schon 1,72 Meter groß und komplett ausgewachsen. Ich war einen Kopf größer als meine Klassenkameraden, hatte schon einen Busen. Ich galt als Freak." Beim Sport sei sie immer als Letzte gewählt worden. "Und wenn wir rennen mussten, haben mir die Gärtner auf den Busen geguckt. Das war nicht schön." In "Die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo" spielte sie dann mit dem, was sie sonst versteckte.

Der Boom der Erotikfilme

Es waren die Siebzigerjahre. Eine Zeit, in der Erotikfilme auf einmal nicht mehr heimlich gesehen wurden, sondern groß im Kino liefen. In Paris und New York galten sie als chic, und auch auf Deutschland rollte so langsam die Pornowelle zu.

In Deutschland waren sie jedoch bis 1975 verboten, und so wurden Erotikfilme als Aufklärungsfilme deklariert, für die zum Teil Minderjährige nackt vor die Kamera geholt wurden. In "Schulmädchen-Report" von Wolf C. Hartwig, in dem junge Frauen über ihre Erfahrung mit Sexualität sprechen, durften die Darstellerinnen nicht älter als 16-Jährige aussehen.

Selbst im "Tatort" gab es Nacktszenen, die von einer 15-Jährigen gespielt wurden. In der Episode "Reifezeugnis" aus dem Jahr 1977 spielte Nastassja Kinski eine Schülerin, die mit ihrem verheirateten Lehrer eine Affäre hat. Gleich zu Beginn des Films ist sie mit nackter Brust an einem See zu sehen.

47 Jahre später will die Schauspielerin die Aufnahmen verbieten lassen. Das findet Katja Bienert "sehr schade". "So ein Film ist eine Teamarbeit, da hat eine ganze Produktionsfirma dran gearbeitet. Dann muss sie auch ihre Gage zurückgeben und die Gagen aller Projekte, die daraufgefolgt sind. Wenn einem das 50 Jahre später einfällt …"

Als Nastassja Kinski die Rolle angenommen hatte, wusste sie jedoch nicht, dass sie sich vor der Kamera würde ausziehen müssen. Auch ihre Mutter war damals nicht mit am Set, wurde laut Kinski bewusst vom Drehort ferngehalten. Bei Katja Bienert war das anders. Sie wusste, worauf sie sich einließ. "Ich habe das Drehbuch gelesen und selbst entschieden."

"Meine Mutter hat sich auf meinen Instinkt verlassen"

Mit elf Jahren traf sie ihre Entscheidungen komplett allein. "Meine Mutter hat sich so sehr auf mich und meinen Instinkt verlassen." Auch Evelyn Gutkind-Bienert hatte ihre Schauspielkarriere mit Erotikfilmen gestartet: "Sex pervers", "Der lüsterne Türke" oder "Zum zweiten Frühstück: Heiße Liebe". Auch in "Die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo" spielte sie mit und war dabei, als sich ihre Tochter für den Film entkleiden musste.

Es scheint so, als habe Katja Bienert die Entscheidungen im Nachhinein nicht immer allein treffen wollen. "Wenn man in jungen Jahren so erwachsen aussieht, muten dir die Leute mehr zu. Sie denken: 'Das kann sie allein entscheiden.' Aber eigentlich bist du noch ein Kind", so die heute 57-Jährige.


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Es war einfach eine andere Zeit. Jetzt ist ja alles sehr streng, verklemmt und furchtbar.


Katja Bienert


"Ich bin zum Glück relativ schadenfrei aus allen Situationen herausgekommen." Aber nicht immer habe sie auch die richtige Entscheidung getroffen. "Einen Film mit Ulrike Ottinger habe ich abgesagt, was ich sehr bedauere. Ich hätte die ganze Zeit nackt durch den Film laufen müssen – und das fand ich unmöglich. Später bin ich Frau Ottinger begegnet, eine ganz herzliche Frau. Im Nachhinein fand ich es dann doch schade, dass ich es nicht gemacht habe."

Auch gegen ein Engagement an der Freien Volksbühne in Berlin entschied sie sich. "Ich hätte zwei Stunden oben ohne auf der Bühne herumspringen sollen. Das wollte ich nicht. Ich wollte weg von dem Image." Rückblickend bereue sie nichts. "Es ist so, wie es ist. Ich würde nichts anders machen. Ich habe so viel Spaß gehabt. Es waren die Siebziger und Achtziger. Es war einfach eine andere Zeit. Jetzt ist ja alles sehr streng, verklemmt und furchtbar. Ich bedauere eigentlich die jungen Leute."

Verwendete Quellen
  • "Die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo" von 1979
  • "Tatort: Reifezeugnis" von 1977
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