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Udo Jürgens ist tot - Sein Traum war die Musik

Udo Jürgens  

Ein Leben für die Musik: "Ich habe mir viel mehr erfüllt, als ich je geträumt habe"

23.12.2014, 10:51 Uhr | jho, dpa

Udo Jürgens ist tot - Sein Traum war die Musik. Udo Jürgens im Jahr 1981. (Quelle: imago images/Future Image)

Udo Jürgens im Jahr 1981. (Quelle: Future Image/imago images)

"Wenn ich an mein Leben denke, dann ist mir klar, dass ich sehr dankbar sein muss", sagte Udo Jürgens 2012. "Dass ich das so verwirklichen konnte, als Musiker und Komponist. Das ist 'One in a Million'". Am Sonntagnachmittag endete dieses Leben, völlig unerwartet und plötzlich. Im Alter von 80 Jahren brach der gebürtige Österreicher und Wahl-Schweizer beim Spaziergang mit Herzversagen zusammen. Er war ein großer Entertainer, steht für mehr als 1000 Songs und über 100 Millionen verkaufte Platten. Wir geben einen Überblick über Zahlen und Fakten eines Lebens für die Musik.

Die Familie

Udo Jürgen Bockelmann - der Künstlername ist eine Kombination aus seinen beiden Vornamen - wurde am 30. September 1934 im österreichischen Klagenfurt geboren. Seine Mutter stammte aus Prasdorf in Schleswig-Holstein, sein Vater wurde als Sohn eines deutschen Bankers in Moskau geboren. Sein Onkel Werner Bockelmann war von 1957 bis 1964 Oberbürgermeister von Frankfurt am Main. Jürgens hat zwei Brüder: John (gestorben 2006) und Manfred.

Die Frauen

"Meine Geliebten waren alle zufrieden mit mir - meine Ehefrauen nicht", sagte Jürgens im Jahr 2010. Er musste es wissen, denn er wurde zwei Mal geschieden: Von 1964 bis 1989 war er mit dem Fotomodell Erika Meier verheiratet, mit der er die beiden Kinder John (geboren 1964) und Jenny (geboren 1967) hat. 1999 heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin Corinna Reinhold. 2006 folgte die Scheidung. Neben den beiden ehelichen Kindern hat Jürgens zwei weitere Töchter mit zwei Frauen. "Ich war vom Wesen her immer ein Strohfeuertyp, so dass ich dachte, mein Leben könne nur noch mit diesem Menschen weitergehen. Mir tun nur die leid, die all das nicht erleben", sagte Jürgens noch zu seinem 80. Geburtstag.

Der Alkohol

Mit Drogen habe er nie etwas am Hut gehabt, sagte Jürgens 2011 in einem Interview mit der "Welt". Dem Alkohol war er dagegen nicht abgeneigt: "Ich habe eher zum Glas gegriffen. Es gab eine Zeit, in der ich mit dem Alkohol Probleme bekam, einfach weil ich nach Auftritten nicht zurück ins Hotel gefunden habe", so Jürgens. "Nach jedem Konzert, auch wenn wir täglich aufgetreten sind, bin ich immer hinterher in Clubs gegangen, wie das junge Leute halt tun. Ich bin dann gegen vier oder noch später ins Bett gefallen, hatte zu viel getrunken, habe schlecht geschlafen. Am nächsten Tag bin ich dann mit einer dicken Birne wieder aufgewacht."

Der Beruf und die Berufung

Jürgens studierte am Konservatorium Klagenfurt Klavier, Harmonielehre, Komposition und Gesang. Seine erste Gage - 5 Schilling, damals 83 Pfennig - bekam er für einen Auftritt im Gasthof Valzachi in Klagenfurt. Dabei sollte es natürlich nicht bleiben: Mit "Jenny" erzielte er 1959 einen Achtungserfolg. Die Zusammenarbeit mit Münchener Medienmanager Hans Rudolf Beierlein brachte ab 1963 die Karriere ins Rollen. Seine dritte Teilnahme am "Grand Prix Eurovision de la Chanson" brachte ihm 1965 nicht nur den Sieg mit "Merci Chérie", sondern auch den internationalen Durchbruch. Es folgte eine beispiellose Karriere als Komponist und Sänger von rund 1000 Liedern. Er spielte mehr als 50 Alben ein und verkaufte mehr als 100 Millionen Tonträger.

"Ich habe als junger Mensch am Broadway hinter den Bühnentüren gestanden und die Musik gehört", erinnerte sich Jürgens 2014. "Ich war unbeschreiblich glücklich und habe mir gesagt, irgendwann mache ich auch Musik, die Menschen glücklich macht."

"Ich habe mir viel mehr erfüllt, als ich je geträumt habe", so Udo Jürgens im Jahr 2009. "Und habe immer noch mehr Träume, als ich von mir je erfüllt bekommen kann."


Songs für andere Künstler

Im Jahr 1960 komponierte er für Shirley Bassey den Hit "Reach for the Stars", sowie 1965 für Frank Sinatra "If I Never Sing Another Song", den dieser an seinen Freund Sammy Davis junior abtrat, weil er eine Karrierepause einlegte. Für Karel Gott komponierte Jürgens das Lied "Tausend Fenster", mit dem dieser 1968 am Eurovision Song Contest in London antrat. "Damit hat er zu meinem Durchbruch in der westeuropäischen Musikszene erheblich beigetragen", betonte Karel Gott.

Charterfolge

"Griechischer Wein" ist Udo Jürgens' einzige Nummer-eins-Single in Deutschland. Auch seinen Studio-Alben blieb der Sprung an die Spitze der deutschen Charts verwehrt. Dagegen kam er zur WM 1978 mit dem Album "Buenos dias, Argentina", dessen Titelsong er mit der Fußballnationalmannschaft aufgenommen hatte, auf Platz eins. Es wurde sein größer finanzieller Erfolg. Zudem stand er 1969 mit "Udo live" und zuletzt wieder 2014 mit "Mitten im Leben - das Tribute-Konzert" an der Chartspitze.

Nichtdestotrotz sind viele seiner Lieder - "Aber bitte mit Sahne", "Ich war noch niemals in New York", "Mit 66 Jahren" - die thematisch zwischen Liebe und Gesellschaftskritik pendeln, absoluter Kult. "Viele Lieder sind Evergreens geworden", sagte Jürgens im Jahr 2014. "Das ist ein unglaubliches Glück für mich, dass ich immer wieder den Puls der Zeit getroffen habe."

Udo Jürgens und die Griechen

Als er vor rund 40 Jahren seinen Hit "Griechischer Wein" hatte, war Jürgens - eher aus Gründen der Tourismus-Werbung in Deutschland - vom damaligen griechischen Regierungschef Konstantinos Karamanlis empfangen worden. Heute kennen in dem Land nur wenige Menschen den Künstler, und auch das Lied ist fast unbekannt.

Die Tourneen

Udo Jürgens' Live-Auftritte waren legendär und seine Tourneen zogen die Fans scharenweise an. Bei einer Mammut-Tournee 1969/70 gab er 266 Konzerte vor insgesamt rund 500.000 Zuschauern. Sein gigantisches Open-Air-Konzert auf der Wiener Donauinsel sahen im Juni 1992 rund 200.000 Menschen.

Der Bademantel

"Bei meinem ersten abendfüllenden Konzert, das war in Hamburg, gab es eine Viertel Stunde lang Sprechchöre. Ich habe mir in der Kabine den Bademantel übergeworfen und bin wieder auf die Bühne", erinnerte sich Udo Jürgens im September 2014. "Da hat mein Manager gesagt, das war toll, das behalten wir bei. Und heute ist es so, dass man von meinem Bademantel mehr spricht als von mir." Die Zugabe im Bademantel wurde zu seinem Markenzeichen - mehr als 1600 hat er ins Publikum geworfen.

Sein Tod

Am 21. Dezember starb Udo Jürgens um 16.25 Uhr im Krankenhaus von Münsterlingen in der Schweiz an Herzversagen. Er sei zuvor in Gottlieben im Schweizer Kanton Thurgau bewusstlos zusammengebrochen, berichtete sein Management. Auch sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen halfen nichts mehr.

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