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Angelo Kelly: "Ich hatte als junger Vater Existenzängste"

Interview mit Angelo Kelly  

"Ich hatte als junger Vater Existenzängste"

28.04.2016, 14:50 Uhr | Lars Schmidt, t-online.de

Angelo Kelly: "Ich hatte als junger Vater Existenzängste". Angelo Kelly blickt schon auf eine zehnjährige Solo-Karriere zurück. (Quelle: Angelo Kelly)

Angelo Kelly blickt schon auf eine zehnjährige Solo-Karriere zurück. (Quelle: Angelo Kelly)

Die meisten sehen in Angelo Kelly wohl noch den zwölfjährigen, blondgelockten Jungen, der mit glockenheller Stimme "Angel" sang. Kaum zu glauben, dass der 34-Jährige inzwischen schon auf eine zehnjährige Solo-Karriere zurückblicken kann.

Im Interview mit t-online.de spricht der Musiker über seine Existenzängste als junger Vater, darüber, dass er sich vorstellen kann, Farmer zu werden, und was geschehen muss, damit alle Kellys auf einmal zusammenkommen. 

t-online.de: Du warst zwölf, als du 1994 Angel gesungen hast. Jetzt feierst du schon dein zehnjähriges Solo-Jubiläum. Bist du da manchmal selbst überrascht, wie viel du in deinem Leben schon erlebt und erreicht hast?

Angelo Kelly: Ja. Aber deswegen ist es ja auch gut, so eine Zeit Revue passieren zu lassen. Ich habe mich ein paar Monate damit beschäftigt, die drei CDs meiner Best-Of-Compilation "10 Years"  zusammenzustellen. Das zwingt einen natürlich, sich mit der Zeit zu beschäftigen. Was ist musikalisch und persönlich gewesen? Und das ist auch wichtig. Heute ist alles so schnell. Es muss immer nur nach vorne gehen. Da sollte man sich die Zeit nehmen, auch mal zurückzuschauen.  

Was war dein Antrieb, nach der Trennung der Kellys solistisch weiterzumachen?

2006 habe ich meine erste Platte aufgenommen und bin auf Tour gegangen. Parallel gab es aber auch noch eine Tour mit den Geschwistern. Aber danach war es für mich vorbei. Die Luft war raus. Alle brauchten eine Auszeit. Ich glaube ich habe das schon gespürt und mich deshalb auf meine eigenen Beine gestellt.

Du warst zu dem Zeitpunkt ja bereits Vater.

Wir hatten schon zwei Kids und 2006 kam Emma, unser drittes Kind, auf die Welt.

Die Musikerlaufbahn erstmal auf Eis zu legen und sich ganz der Familie zu widmen kam für dich nicht infrage?

Es kam schon rein finanziell nicht infrage. Man denkt immer, die Kellys sind Millionäre. Das ist aber nicht der Fall. Wir hatten großen Erfolg in den Neunzigern. Waren aber total unerfahren, was das Geschäftliche angeht. Und ich war da ja sowieso noch ein Kind und kam an das Geld gar nicht ran. Anfang der Zweitausender war das ganze Geld schon weg. Und der Erfolg war auch nicht mehr so groß. Als ich dann meinen Weg als Solokünstler ging, musste ich wirklich schauen, wie ich für unseren Unterhalt aufkommen kann. Als junger Vater, der für seine Kinder sorgen muss, hatte ich wirklich Existenzängste und deswegen schlaflose Nächte.

Wie schwer war es, aus dieser finanziellen Lage herauszukommen?

Das hat schon ein bisschen gedauert. Das Einkommen eines Musikers kann sehr schwanken. Ein Album verkauft sich gut, das nächste schlecht. Bei den Konzerten ist es nicht anders. Es hat eine Zeit gedauert, mein eigenes Publikum aufzubauen und dieses Geschäft zu lernen. Meine erste Tour habe ich im Sommer gemacht. In Clubs. Das sollte man aber nicht machen, weil die Leute im Sommer Open-Air-Konzerte wollen. Man muss auch ein paar Fehler machen, bis man kapiert, wie es läuft. Und man muss herausfinden, was man selber will und was das Publikum will. Nur dann funktioniert es. Heute habe ich diese Sorgen nicht mehr. Aber ich weiß, wie es sein kann. Und diese Erfahrung ist für mich sehr wichtig.

Was waren die Highlights deiner Solokarriere?

Schwer zu sagen. Musikalisch gesehen unsere Weihnachtsplatte aus dem vergangenen Jahr. Die Tour dazu war komplett ausverkauft. Das war der größte Erfolg. Aber auch alleine auf der Bühne zu stehen, war für mich ein Höhepunkt. Und der erste Auftritt mit meiner Familie vor fünf Jahren. Da waren die Kinder noch so klein und haben nur drei Lieder mitgesungen. Sowas vergisst man nicht. Das macht einen sehr stolz.

Wer war denn damals aufgeregter - die Eltern oder die Kinder?

Alle. Die Kinder schwankten ständig zwischen "Ich trau mich nicht" und "Ich trau mich doch". Es hat dann aber alles geklappt. Wir haben die ersten Auftritte mit den Kindern auch nur in kleinen Clubs gemacht. Und es durften keine Fotos gemacht werden. Dadurch konnten sich meine Kinder langsam herantasten. Das ist der Unterschied zu meiner Kindheit. Damals gab es nur die Kelly Family. Bei uns gibt es neben dem Künstlerleben auch noch ein Familienleben. Das ist viel besser für die Kids. Und wenn sie mal keinen Bock haben, müssen sie auch nicht mitmachen.   

Deine Frau stammt aus Warnemünde. Seid ihr manchmal dort?

Das ist unser zweites Zuhause. Wenn wir in Deutschland sind, sind wir immer gerne dort. Bestimmt drei bis acht Wochen im Jahr.

Kannst du da unerkannt durch die Straßen laufen?

Ich vermeide die Hotspots – also die Promenade und den Alten Strom, wo die ganzen Touris sind. Aber die Warnemünder kennen mich und ich kenne viele Warnemünder. Ich fühle mich dort pudelwohl.    

Ihr seid von 2010 bis 2013 durch Europa gereist. Was habt ihr erlebt? Wo war es am schönsten?

Das Schöne war, dass wir sehr minimalistisch gelebt haben. Wir hatten viel Zeit und das brauchten wir damals als Familie. Wenn es uns irgendwo gefallen hat, sind wir geblieben. Wenn nicht, sind wir weitergefahren. Das war sehr befreiend. Aber es gab auch harte Momente. Ich verdiente unser Geld ja als Straßenmusiker und wurde in Bordeaux von Schutzgelderpressern überfallen und bedroht. Die wollten, dass ich ihnen pro Stunde einen Anteil von meinem Geld gebe. Die waren mafiamäßig organisiert und kontrollierten da die Straßen.

War es schwer, als Straßenmusiker Geld zu verdienen?

Am ersten Tag verdiente ich nur 30 Euro. Da dachte ich, oh Gott, so kann ich meine Familie aber nicht ernähren. Aber dann merkte ich, dass man auch das Handwerk des Straßenmusikers erst lernen muss. Man muss wissen, wo man sich hinstellt. Zu welcher Uhrzeit. Wo man den Korb für das Geld platziert. Den darf man nämlich nicht direkt vor seine Füße stellen, weil sich die Leute nicht so nah an dich heran trauen. Es gibt so viele Details zu bedenken.

Gab diese Reise auch den Anstoß, von Deutschland nach Irland zu ziehen, weil man dort freier leben kann?

Ja. Als wir nach der dreijährigen Reise wieder sesshaft werden wollten, war für uns ganz klar, dass es nicht in Deutschland sein soll. Deutschland ist für uns zu geordnet, zu strukturiert, zu schnelllebig. Der Wunsch nach Irland zu ziehen war schon da. Dann haben wir uns nach einem Haus umgeschaut, sind fündig geworden und jetzt leben wir hier.

Kannst du erzählen, wie ihr auf der grünen Insel lebt?

Wir leben hier sehr frei und vielleicht auch ein bisschen alternativ. Auf unserem Grundstück versuchen wir ein Stück weit unabhängig zu sein. Wir haben hier unser eigenes Holz, unsere eigene Wasserquelle. Einige Nachbarn leben sogar fast völlig autark. Das ist ganz anders als in Deutschland. Wenn ich mal eine Phase haben sollte, wo ich nicht weiß, was ich musikalisch machen möchte, kann ich mir vorstellen, mich der Landwirtschaft zu widmen. Ich würde dann Gemüse anbauen und Tiere halten.

Wäre das eine Option für dich, Farmer zu werden?

Eine Option auf jeden Fall. Aber ob das jemals passieren wird, weiß ich nicht. Es ist aber sehr befreiend zu wissen, dass man auch etwas anderes tun könnte.

Wo genau in Irland lebst du?

Den genauen Ort verrate ich nicht. Wenn man sich Irland auf der Landkarte anschaut, dann genau in der Mitte.

Auf deiner Best Of Compilation "10 Years" coverst du "I Still Haven‘t Found What I'm Looking For" von U2. Gibt es da aufgrund der gemeinsamen irischen Herkunft eine besondere Beziehung?

Ich glaube, jeder Ire auf der Welt hat eine besondere Beziehung zu U2. Irland ist ein kleines Land. Auf unsere Exporte sind wir sehr stolz. Und das sind neben Guinness und Kerry Gold nun mal U2. Wobei Bono manchmal ziemlich abgedreht ist. So dass man sich für ihn fremdschämen möchte. Aber Künstler sind halt manchmal so.

Kennt ihr euch persönlich?

Leider nicht. Wir, also die Kellys, wurden mal eingeladen, U2 nach einem Konzert zu besuchen. Aber dann hieß es, das klappt nicht. Deshalb sind wir nach dem Konzert gleich nach Hause. Am nächsten Tag erfuhren wir dann, dass U2 Backstage auf uns gewartet hatten. Das Ganze war leider ein totales Missverständnis.

Deine Schwester Patricia sagt kürzlich im Interview mit t-online.de, dass sie gerne wieder mit ihren Geschwistern auftreten würde. Wie ist deine Meinung dazu?

Ich würde es gerne machen. Aber als einmalige Angelegenheit. Denn das Kapitel ist vorbei. Aber wenn alle Zeit und Lust haben, wer weiß.

Gibt es Treffen aller Kellys?

Das ist selten. Es ist gibt häufiger Treffen, zu denen drei, vier oder fünf Geschwister kommen. Zur Kommunion, zum Geburtstag, zu Weihnachten. Aber dass alle zusammenkommen, da muss jemand heiraten oder sterben.

Ich bedanke mich ganz herzlich für dieses Gespräch. 

Das Interview führte Lars Schmidt.

Das Album "10 Years" erscheint am 6. Mai.

Angelo Kelly live (Irish Christmas Tour 2016):

DatumOrtLocation
29.11. Stuttgart Theaterhaus
30.11.Lübeck MuK
01.12.Bremen Musical Theater
02.12.Emden Nordseehalle
03.12.Duisburg Theater am Marientor
04.12.Hamburg CCH
07.12.Bielefeld Rudolf-Oetker-Halle
08.12.Erlangen Heinrich-Lades Halle
09.12. München Herkulessaal der Residenz
10.12.MagdeburgStadthalle
11.12. AschaffenburgStadthalle am Schloss
13.12. Dortmund Konzerthaus
14.12. Limburg Stadthalle
15.12.MannheimRosengarten
16.12. BaunatalStadthalle
17.12. RastattBadner Halle
18.12. Kempten Big Box
20.12. Leipzig Haus Auensee
21.12. Dresden Alter Schlachthof
22.12. Rostock Stadthalle
23.12. Berlin Columbia Halle
27.12. Köln Theater am Tanzbrunnen


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