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Darum singe ich jetzt "Atemlos durch die Nacht"

Von Sebastian Berning

Aktualisiert am 22.08.2020Lesedauer: 6 Min.
Annett Louisan: Sie outet sich als "Atemlos"-Fan.
Annett Louisan: Sie outet sich als "Atemlos"-Fan. (Quelle: imago images / Matthias Rietschel)
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Den Lockdown verbrachte Annett Louisan zunächst in Wien, um ihr Album "Kitsch" aufzunehmen. Im Gespräch mit t-online.de spricht sie über ihren Job als Mutter und Sängerin, ihre Jugend und warum sie nun "Atemlos" singt.

Annett Louisan zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Sängerinnen. Doch trotz vieler eigener Hits singt sie auch gerne mal die von anderen Künstlern. Mit "Kitsch" legt sie ihr zweites Coveralbum vor. Das nahm die 43-Jährige in Wien, fern von der Familie auf, wie sie t-online.de verrät. Außerdem spricht die Sängerin über die Musik ihrer Jugend, welche Musik daheim läuft und wie ihr das Leben mit Tochter Emmylou Rose bekommt.

t-online.de: Mit "Kitsch" veröffentlichen Sie Ihr zweites Coveralbum. Woher kam die Idee?

Annett Louisan: Mein erstes Coveralbum "Berlin Kapstadt Prag" habe ich 2016 veröffentlicht. Ursprünglich kommt die Idee von "Sing Meinen Song", wo ich damals teilnahm. Es ist spannend zu sehen, wo man selbst hinkommt, wenn man die Lieder von anderen Künstlern singt. Das macht so viel Spaß, so tolle Lieder in der eigenen Version aufzunehmen. Es war eine Herausforderung, weil es dieses Mal überwiegend englischsprachige Songs sind. Nach acht deutschen Alben war es spannend, mal meine Stimme so zu hören. Menschen in meiner Generation sind mit diesen Songs aufgewachsen, das steckt in meiner musikalischen DNA.

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Wie liefen die Aufnahmen ab? Sie konnten ja sicherlich nicht wie früher im gleichen Raum musizieren.

Es ist ein Lockdown-Album. Wir hatten ein großes Haus, die ehemalige neuseeländische Botschaft, im 13. Bezirk von Wien. Wir haben viel gearbeitet und viel Essen bestellt. Da habe ich leider gar nicht so viel von Wien sehen können. (lacht) Alle Beteiligten waren glücklich und dankbar, an dem Album arbeiten zu können, weil es uns abgelenkt hat. Wir haben 14 Lieder in 14 Tagen aufgenommen. Wir waren ein Team von fünf Leuten. Jeder hatte seinen eigenen Arbeitsplatz beziehungsweise Raum. Dadurch konnte man viel schneller arbeiten. Wenn einer aufgenommen hat, hat ein anderer schon editiert.

Was bedeutet für Sie denn "Kitsch"? Das ist ja eigentlich ein eher negatives Wort und die Musik ist ja gar nicht so cheesy.

Kitsch ist für mich nichts Negatives. Ich habe eine sehr kitschige Seite in mir, denn ich bin sehr gefühlsbetont. Ich war schon immer mehr Gefühl als Vernunft. Das gelingt mir mit der englischen Sprache auch irgendwie besser als im Deutschen. Es ist etwas anderes, wenn man sagt "I just died in your arms tonight", als "Ich bin heute Nacht in deinen Armen gestorben". (lacht)

Und dann singen Sie "Atemlos durch die Nacht", was mehr Party als Kitsch ist. Wie kam es dazu?

Es war super spannend ein Lied wie "Atemlos durch die Nacht" zu singen. Ein Lied, was so erfolgreich ist und von so vielen Menschen geliebt und gehasst wird. Ich wollte dem Song mal auf den Grund gehen und schauen, was da dran ist. Es ist ein Luxus, mir so einen großartig geschriebenen Song wie "Atemlos" anzueignen. Covern ist irgendwie wie Cola trinken. Es ist süß und der Kick kommt sofort. Ich musste mich mit diesem oder den anderen Songs nicht rumplagen. Das ist nämlich das Anstrengende, wenn man ein Album macht und das eigene Material Monate oder gar Jahre lang prüft.

Die Tracklist besteht zum großen Teil aus Hits der 80er und 90er. Ist das sozusagen der Soundtrack Ihrer Jugend?

Total! Die Songs sollen eine kleine Fahrt sein. Es gibt Songs aus den 70ern, wie "Somewhere Over the Rainbow", paar 80er und 90er Hits. Ich bin ja ein 90er Kid und mit "Torn" oder "Bittersweet Symphony" aufgewachsen. Das lief in meiner Teenagerzeit.

Was für ein Teenie waren Sie? Welcher Gruppe oder Szene haben Sie angehört?

Ich war ein Freak damals. (lacht) Ich war kein Nirvana-Girl. Ich habe eher trip-hoppiges Zeug wie Portishead, Morcheeba oder diese Homerecordings Anfang der 90er gehört. Ich habe aber immer Popmusik geliebt. Aber auch deutschen Hip Hop fand ich gut. Aber ich habe schon damals gerne alte Sachen gehört, wie Elvis oder The Doors. Ich habe versucht, Musik zu entdecken. Es gibt so viel zu hören, wenn man 14 ist und sich für Musik interessiert. Bei mir war es dann Neil Young oder Aretha Franklin. Ich kann mich noch heute daran erinnern, wie es war, diese Künstler zum ersten Mal gehört zu haben.

Was lief bei Ihnen im Elternhaus für Musik?

Meine Mutter und meine Großeltern haben Schlager und viel Radio gehört. Ich hatte keinen großen Bruder, der mir die Offenbarung gebracht hat. Ich musste Musik für mich allein entdecken. Ich wurde schon immer von musikbegeisterten Menschen angezogen und lernte so viele Bands kennen. Ich habe als junger Mensch ganz anders Musik gehört, als ich es als Erwachsene tat. Es wurde alles verkopft und professionell. Mir ging es teilweise eher um die Aufnahmetechniken als die Songs. Mittlerweile höre ich wieder mehr auf die Musik.

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Welcher Song durfte auf Teenie-Partys damals nicht fehlen?
Dieser "La Boum"-Song. Das war meine erste Liebe und ich war immer großer Paris-Fan. Das passte einfach zu mir. Ich wollte auch immer so eine Großmutter haben wie in der Serie. (lacht) Aber damals liefen meist die Backstreet Boys auf unseren Feten. Die höre ich auch als Erwachsene noch. Aber damals ein Konzert von denen mitzubekommen, das war etwas ganz anderes. Ich habe die vor ein paar Jahren auch in Hamburg gesehen und da ist noch immer jedes Lied ein Burner!

Was war der Soundtrack der ersten Liebe?

Lenny Kravitz. Die ersten beiden Platten liefen damals ständig. Beim Liebeskummer war es dann "I’m Not In Love" von 10cc. Das lief auf Repeat. Es ist auch ein langes Lied, da konnte man gut heulen. (lacht)

Wie wird heute bei Ihnen daheim Musik gehört?

Mein Mann und ich haben eine Plattensammlung und wir legen gerne Vinyl auf. Aber wir müssen aufpassen, dass unsere Tochter nicht zu viel bestimmt. (lacht) Sie entwickelt da ihren eigenen Geschmack. Sie hört gerne Elvis, aber auch viel aus ihren Filmen. Besonders die Musik der alten Disney-Filme wie Aristocats oder Bernard und Bianca gefällt ihr. Zur Entspannung höre ich gerne Jazz, aber ich bin noch immer nicht bei Spotify und Playlists angekommen. Das läuft eigentlich nur beim Joggen oder Spazierengehen.

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Was singen Sie denn Ihrer Tochter vor?

Aktuell mag sie lieber Geschichten hören. Aber ich habe ihr natürlich auch viel vorgesungen. Besonders gerne habe ich die ganz alten Kinderlieder vorgetragen. Ihre eigene Musik wird sie noch früh genug entdecken.

Annett Louisan bei einem Konzert 2019.
Annett Louisan bei einem Konzert 2019. (Quelle: imago images / Matthias Rietschel)

Wie schaffen Sie es, Ihre Karriere und Familie unter einen Hut zu bekommen? Das ist bestimmt gerade beim Touren schwierig.

Wenn die Tour zulange geht, würde meine Tochter mitkommen. Das haben wir letzten Herbst auch gemacht. Da waren wir sechs Wochen unterwegs und hatten unser eigenes kleines Zimmer im Nightliner. Meine Mutter war auch dabei und hat sich um die Kleine gekümmert. Man muss halt improvisieren. Es kommt eh immer anders, als man denkt. Das ist ja auch so, wenn einer der Elternteile krank wird. Es gibt halt Bezugspersonen, mit denen wir es versuchen zu managen. Der Lockdown mit einem zweieinhalbjährigen Kind war nicht einfach. Wir waren ohne Kita, ohne Spielplätze, ohne Großeltern, ohne andere soziale Kontakte… das war schwerer als alles andere.

Wie war es denn dann bei den Aufnahmen? War die Familie da auch mit?

Nein, da war ich allein in Wien. Da habe ich mich auch bewusst zu entschieden. Bei den Aufnahmen hätte ich keine Zeit gehabt. Das waren die ersten zwei Wochen, die ich von Emmylou getrennt war. Das war hart. Ich habe mir aber geschworen, dass ich mich da reinstürze und es genieße. Das habe ich gemacht.

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