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Promi-Geburtstag vom 2. August 2020: Mathieu Carrière

Von dpa
Aktualisiert am 27.07.2020Lesedauer: 3 Min.
Der Schauspieler Mathieu Carriere in seinem Wohnzimmer.
Der Schauspieler Mathieu Carriere in seinem Wohnzimmer. Am 2. August wird er 70. (Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa./dpa)
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Hamburg (dpa) ‚Äď Er wirkte weltweit in 250 Kinofilmen mit, war in mehr als 4000 Stunden Fernsehproduktion zu sehen, stand in Salzburg und Bad Hersfeld auf der B√ľhne. Dennoch sagt Mathieu Carri√®re von sich: "Ich bin kein Schauspieler."

Vielmehr sehe er sich als Spieler, als Dilettant im positiven Sinne, der sich gern in diversen Bereichen des Lebens engagiert. Zu Ruhm gekommen ist er dabei schon zu Schulzeiten am L√ľbecker Katharineum - als bildh√ľbscher Hauptdarsteller in der Thomas-Mann-Verfilmung "Tonio Kr√∂ger" (1964) sowie in Volker Schl√∂ndorffs Deb√ľt "Der junge T√∂rless" (1965).

Durch Zufall war er entdeckt worden. Am Sonntag (2. August) wird der nach wie vor jugendlich wirkende Scahuspieler und Autor 70 Jahre alt.

"Den Tag m√∂chte ich nur mit den Frauen feiern, die in meinem Leben wichtig sind - wahrscheinlich in Paris", erkl√§rt der Vater zweier T√∂chter im Interview der Deutschen Presse-Agentur in seiner mit B√ľchern, Familien-√Ėlportr√§ts, zwei haitianische Geister-Skulpturen und viel Boh√®me-Flair ausgestatteten Altbauwohnung in einem Hamburger Szeneviertel. Dort lebt er in einer WG mit drei jungen Leuten, ganz in der N√§he ist auch seine Tochter Elena (24, "Germany‚Äôs Next Topmodel", "Tal der Skorpione") zuhause. Carri√®re verf√ľgt in Paris √ľber einen weiteren Wohnsitz - bei seiner Lebensgef√§hrtin, einer Journalistin.

Ein Ruf von Eigenwilligkeit und Streitbarkeit haftet dem K√ľnstler, der 2011 einen Auftritt im TV-"Dschungelcamp" nicht scheute, l√§ngst an. Doch daheim serviert er erst einmal afrikanischen Moringa-Tee ("Hilft gegen alles") auf dem selbstgebauten wei√üen Couchtisch. Und sucht nach den Zigaretten, die er vor sich selbst versteckt hat, bevor er auf sein Leben zur√ľckblickt. Beide Eltern waren Psychotherapeuten, geboren wurde Mathieu in der Einrichtung Ilten bei Hannover. "Wir haben immer in den Krankenh√§usern gelebt, in denen mein Vater arbeitete", erinnert sich Carri√®re, "wie es auch mein gesch√§tzter Kollege Joachim Meyerhoff erfahren und in Romanen beschrieben hat."

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Viel gespielt worden sei im b√ľrgerlich-liberalen Elternhaus, es seien jedoch auch seelisch anstrengende Familienverh√§ltnisse gewesen. Dass am Ende nicht nur der √§lteste Sohn, sondern auch der j√ľngere Till (1952-1979) und seine Schwester Mareike Carri√®re (1954-2014, "Gro√üstadtrevier") Schauspieler wurden, scheine ihm trotzdem eher Zufall als innere Notwendigkeit zu sein. Sp√§ter, zu Beginn der 1970er Jahre, pr√§gte ihn der Philosoph Gilles Deleuze (1925-1995), bei dem er in der franz√∂sischen Hauptstadt studierte: "Bei ihm habe ich denken gelernt, lieben und essen. Der Impuls war, kreativ zu werden - wir hatten das Gef√ľhl, die Welt neu zu erfinden."

Deleuze habe ihm das Selbstvertrauen gegeben, eigene Konzepte zu entwickeln, sagt Carri√®re. Nebenher entwickelte sich ‚Äď in seinen Worten wiederum aus Gl√ľckszuf√§llen ‚Äď eine internationale Filmkarriere. Die lie√ü ihn in meist zwielichtigen Rollen mit Regiegr√∂√üen wie Andrej Wajda ("Die Pforten des Paradieses", 1967), Orson Welles ("Malpertius", 1971) und Roger Vadim ("Don Juan", 1973) zusammenarbeiten. Sowie mit weiblichen Superstars wie Brigitte Bardot ("Don Juan", 1973), Romy Schneider ("Die Spazierg√§ngerin von Sanssouci", 1982) und Isabelle Huppert ("Malina", 1991).

Heute sagt Carri√®re von sich, er sei ruhiger geworden als etwa noch zu Beginn des Jahrtausends. Damals machte er sich √∂ffentlich und sehr polarisierend f√ľr eine Reform des Kindschaftsrechts stark ‚Äď und lie√ü sich daf√ľr an ein Kreuz fesseln. "Ich bin k√§mpferischer Buddhist", erkl√§rt der K√ľnstler. Er hasse Religionen, interessiere sich aber f√ľr Ethik. Und sei mittlerweile nicht mehr gegen, sondern haupts√§chlich f√ľr Sachen. Dabei freue er sich, dass die junge Generation wie die "Fridays for Future"- und "Black Lives Matter"-Anh√§nger sich wieder so k√§mpferisch zeige wie fr√ľher seine 1968er.

Und wie geht es ihm in Corona-Zeiten? "Ich bin besser drauf als je zuvor in meinem Leben", antwortet Carri√®re. "Ich √ľbersetze St√ľcke, bereite Theaterinszenierungen vor, produziere Filme, finanziere Projekte, spiele online Skat und Schach, gucke nach meinen Blumen auf dem Balkon." Im September will er, sofern es trotz Corona-Krise klappt, neben Marion Kracht und Marion Martienzen in den Hamburger Kammerspielen im √Ėko-Thriller "Die Kinder" Premiere feiern.

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