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Johnny Depp gegen Amber Heard: Worum ging es eigentlich?


Dafür der ganze Wahnsinn?

Eine Kolumne von Gerhard Spörl

Aktualisiert am 02.06.2022Lesedauer: 3 Min.
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Die Körpersprache von Amber Heard und Johnny Depp: Das verraten die Schauspieler mit ihrer Mimik und Gestik. (Quelle: t-online)
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Ausgerechnet im Land der Me-Too-Bewegung siegt Johnny Depp vor Gericht, weil Amber Heard ihn stärker diffamiert habe als er sie. Unberücksichtigt blieb, worum es eigentlich ging: um Gewalt in der Ehe.

Natürlich bleibt die Frage, warum sich zwei Menschen, von denen man annehmen muss, dass sie sich wenigstens vorübergehend geliebt haben, so eine widerwärtige Schlammschlacht vor Gericht liefern. Dafür habe ich nur die Erklärung, dass es sich um zwei Schauspieler handelt, die wie gewohnt Rollen studierten und Texte aufsagten, die sie aber dummerweise selber geschrieben hatten, und niemand kann felsenfest sagen, wie viel Fiktion und wie viel Wahrheit darin steckt.

Ein Rätsel bleiben auch das unfassbare Interesse an der He-said-she-said- Gerichtsverhandlung und die rabiate Teilung von irrsinnig vielen Fans in zwei Lager. Der Hashtag "JusticeForJohnnyDepp" zählte sage und schreibe 16,2 Milliarden Aufrufe, während es "JusticeForAmberHeard" "nur" auf 55 Millionen Aufrufe brachte. Gibt es wirklich nichts Wichtigeres auf der Welt? Haben so viele Menschen kein Leben?

Gründe für einen Sieg vom Amber Heard gab es genug

Nüchtern betrachtet kommen da zwei Menschen nicht voneinander los und sind versessen darauf, sich gegenseitig das Leben zur Hölle zu machen. Nüchtern betrachtet besaß Johnny Depp, der aussieht wie ein frühzeitig gealterter Rockstar, vor Gericht den Vorteil größerer Bekanntheit, weil er nun einmal in Blockbustern mitspielte, die ihn vor ein paar Jahren zum bestverdienenden Schauspieler auf dem Globus machten.

Trotzdem hätte ich schwören können, dass Amber Heard im Land, das die Me-Too-Bewegung erfunden hat, siegen würde. Gründe dafür gab es genug. Nach einem Jahr Ehe hatte sie ja eine einstweilige Verfügung gegen ihren Mann erwirkt – wegen Misshandlungen unter Drogeneinfluss. Dazu passte das Urteil eines Londoner Gerichts, wonach Johnny Depp als "Wife Beater" bezeichnet werden darf, als Ehemann, der seine Ehefrau schlägt.

Trommelfeuer der wüsten Behauptungen

Von einer Jury, die den Daumen hebt oder senkt, halte ich prinzipiell nicht viel. Fast zwangsläufig wohnt Prozessen in Amerika immer ein größeres Maß an Show inne, welche die meisten Angeklagten ihren Anwälten überlassen. So war es beim Verfahren gegen O.J. Simpson, das ähnlich spektakulär verlief; aber dabei ging es um zwei Morde und damit für den Angeklagten um alles.

Bei Amber versus Depp ging es um häusliche Gewalt und Drogen, auch um üble Nachrede und Diffamierung – um schrecklich Menschliches. Ungewöhnlich war diesmal nur, dass beide Kläger vor Gericht in den Zeugenstand gingen. Die Show ging noch weiter als sonst üblich. Und das Publikum waren die Geschworenen. Wie es häufig in amerikanischen Gerichtssälen passiert, überforderte sie das Trommelfeuer der wüsten Behauptungen.

Johnny Depp fühlt sich erleichtert.
Johnny Depp fühlt sich erleichtert. (Quelle: Steve Helber/Reuters-bilder)


Das Urteil fällt anders als gedacht aus, zugunsten von Johnny Depp. Er sagte, die Jury habe ihm sein Leben zurückgegeben. Amber Heard sagte, sie sei am Boden zerstört. Die Logik des Urteils ist: Sie hat ihn stärker diffamiert als er sie. So gesehen war es ihr entscheidender Fehler, dass sie einen Meinungsartikel für die "Washington Post" schrieb, in dem sie ihren Ex-Mann allerdings nicht einmal erwähnte.

Fast ein Nullsummenspiel

Amerika ist das Land, in dem immer auch vor Gericht um mindestens eine Handvoll Dollar verhandelt wird. Amber Heard muss ihm 10,35 Millionen Dollar zahlen und Johnny Depp ihr zwei Millionen Dollar. Da er ihr bei der Scheidung sieben Millionen überlassen musste, ist daraus fast ein Nullsummenspiel geworden. Richter und Jury wollten es so. Dieser Schacher ist ihr weiser Ratschluss. Ist das nicht abstoßend? Dafür der ganze Wahnsinn? Kann irgendjemand damit zufrieden sein?

Das wirkliche Drama besteht darin, dass das Eigentliche völlig aus dem Blickfeld geraten ist. Amber Heard reichte die Scheidung wegen Misshandlungen ein. In der "Washington Post" schrieb sie: "Ich habe mich gegen sexualisierte Gewalt gewehrt und den Zorn der Gesellschaft gespürt." Jetzt ergeht es ihr noch einmal so, nur dass die Jury den Zorn der Gesellschaft auch noch zur Richtschnur ihres Urteils gemacht hat.

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