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Dostojewski-Leser sollten "Dschungelcamp" schauen

Denis Mohr

11.01.2017Lesedauer: 2 Min.
Dschungel-Kandidatin Sarah Joelle Jahnel auf dem Weg nach Australien.
Dschungel-Kandidatin Sarah Joelle Jahnel auf dem Weg nach Australien. (Quelle: Imago)
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Am 13. Januar startet einmal mehr das "Dschungelcamp". Bedenkt man es recht, könnte das auch Dostojewski-Leser interessieren.

Nach zehn erfolgreichen Staffeln und einer Grimme-Preis-Nominierung wird das "Dschungelcamp" noch immer überwiegend als schamlos quotenheischendes Ekel- und Erniedrigungs-Fernsehen wahrgenommen, der übliche Kandidat als ruhmgeiler Möchtegern. Das mag in großen Teilen korrekt sein, trägt aber dem fast schon literarischen Wert des Gezeigten kaum Rechnung.

"Damit eine Sache interessant sei, muss der Blick, der sie trifft, interessiert sein, nicht der Gegenstand interessant", schrieb Roger Willemsen und formulierte damit den schönen Gedanken, dass es erst die Motivation des Schauenden ist, die Qualität herstellt. Sie ruht nicht abrufbereit im Geschauten, der Schauende trägt sie vielmehr in das Objekt seiner Betrachtung hinein.

Was beim "Dschungelcamp" zur Betrachtung gestellt wird, ist der Mensch in der Extremsituation. Was der Zuschauer in das Gezeigte hineinträgt, ist die Frage, wie man selbst auf Tonnen von Kriechgetier, zu verspeisende Exotengenitalien oder den Pferch der heterogenen Zweckgemeinschaft reagieren würde. Der Abgleich mit dem Kandidaten-Verhalten ermöglicht die bequeme Auslotung der eigenen Zumutbarkeits-Grenzen.

Die Akteure stellen sich als Katalysatoren dieser Reflexion zur Verfügung, in der telegen arrangierten Extremsituation werden sie zum Reagenz der Selbsterkenntnis. Wie die Protagonisten eines ambitionierten Romans machen sie sich zum erforschbaren Wesen, das dem Zuschauer die Beantwortung der Zumutbarkeits-Frage am eigenen Leib erspart. Ebenso die Frage, wann diese Grenze überschritten wird und etwas Unschönes und Folgenreiches hervor bricht.

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Die zwei härtesten Wochen

In der vergangenen Staffel war Ricky Harris unter seinen Mitcampern lange Zeit wohl glitten, da er sich um Ausgleich und Versöhnung bemühte. Das änderte sich, als er die blinde Helena Fürst bei einer Dschungelprüfung über einen Hochseil-Parkour dirigieren musste. Aus Angst verweigerte sich Fürst den Anweisungen, die Prüfung schien verloren, das in Aussicht gestellte Essen verspielt. Plötzlich gingen mit Harris Ehrgeiz und Nerven durch. Hysterisch fuhr er die Mitspielerin an, schimpfte, wurde herrisch und unflätig und verlor am Ende alle Sympathien der anderen Dschungler.

In solchen Momenten zeigt das "Dschungelcamp" existenzielle Nahaufnahmen, den unverstellten Blick auf eine Charakter-Eruption, die erst in der Extremsituation möglich wird. Man mag Inszenierung wittern, aber der interessierte Blick erkennt: Das ist im gleichen Maße echt, wie das seelische Befinden des Extrembergsteigers echt zu nennen wäre. Auch seine Situation ist eine gesuchte, eine künstlich herbeigeführte, hätte er doch zuhause auf der Couch bleiben können.

Ex-Camper sagen gerne, zwei Wochen Dschungel seien das härteste gewesen, das sie sich jemals zugemutet haben. Vielleicht sagen sie das nur, weil RTL-Verträge sie dazu verpflichten. Vielleicht meinen sie es aber auch ernst. Völlig unauthentisch wirkt es nur dem Vulgär-Zyniker, der sein komplettes Weltbild mit Fünfer-Edding auf einen Bierdeckel malen könnte.

Was also ist das "Dschungelcamp"? Eine Detailstudie menschlicher Charaktere in der außeralltäglichen Lage? Auch. So formuliert wären sogar Dostojewski-Leser interessiert. Kann das schlechtes Fernsehen sein? Kann es. Doch das entscheidet nicht allein der TV-Kritiker, sondern ebenso der interessierte Blick des Zuschauers.

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