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Neue "Big Brother"-Staffel: Das ist an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten

MEINUNGNeue "Big Brother"-Kampagne  

Das ist an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten

Ein Kommentar von Steven Sowa

27.01.2020, 12:10 Uhr
Neue "Big Brother"-Staffel: Das ist an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten. "Big Brother": 2020 gibt es nach fünf Jahren Pause wieder eine "Big Brother"-Show ohne Promis. Doch das Format schießt sich schon vorher ins Aus.  (Quelle: Sat.1)

"Big Brother": 2020 gibt es nach fünf Jahren Pause wieder eine "Big Brother"-Show ohne Promis. Doch das Format schießt sich schon vorher ins Aus. (Quelle: Sat.1)

In diesem Jahr startet auf Sat.1 eine neue Staffel "Big Brother". Ganz ohne Promis, dafür mit einer ganzen Reihe völlig geschmackloser Ideen. 

Trash-Talk aus dem berühmtesten TV-Container Deutschlands: Dass bei einem Format wie "Big Brother" keine intellektuellen Glanzleistungen zu erwarten sind, dürfte jedem klar sein. Doch was Sat.1 mit der Ankündigung seiner fünf Jahre von der Bildfläche verschwundenen Sendung abzieht, ist an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten. 

"Was ein Mensch wert ist, bestimmst Du!", heißt es in der Pressemitteilung des Senders zur Jubiläumsstaffel "Big Brother". Ab dem 10. Februar werden wieder Menschen auf engstem Raum rund um die Uhr von Kameras gefilmt – ohne Promis, dafür mit dem Motto "Jeder Mensch ist etwas wert. Entscheide Du, wie viel". Als wäre das nicht schon eine verdammt pietätlose Idee, setzt Sat.1 bei dieser Bewertungsskala auf, genau, gelbe Sterne. 

Gelbe Sterne? Die Sat.1-Programmmacher glänzen mit Geschichtsvergessenheit

"Entscheide du, wer einen Stern verdient", steht da auf einem Plakat mit dem ikonischen "Big Brother"-Auge als Markenzeichen der Sendung. Ein riesiger gelber Stern ist daneben abgedruckt und nun muss sich jeder humanistisch einigermaßen solide gebildete Bürger die Frage stellen: Ist das deren Ernst? Zwei Tage vor dem 75. Jahrestag der Befreiung des Massenvernichtungslagers Auschwitz setzt Sat.1 eine Kampagne in Gang, die Menschen "bewertet" und ihnen dazu einen gelben Stern anheftet. 

Das ist nicht nur geschichtsvergessen und geschmacklos, es ist vor allem ein Affront gegen jeden jüdischen Mitbürger in diesem Land, der dieser Tage in Trauer und stillem Gedenken an das größte Menschheitsverbrechen der Welt innehält. Ist doch nur "Big Brother", eine ohnehin längst überkommene TV-Show, die kein Mensch mehr braucht, könnten Kritiker nun einwenden. Nein: So einfach ist das nicht.

"Follow The Leader" – damit setzt Sat.1 der Frechheit die Krone auf

Sat.1 plant für die Bewerbung seines Formats "ein umfangreiches Paket an Online- und Social-Elementen, Digital-out-of-Home-Medien sowie Rundfunk-Spots". Es wird eine "Kampagne" geben, die "ihre volle Wirkung mit Anzeigenmotiven, Riesenpostern und Plakaten" entfalten soll. Überall in Deutschland werden Menschen mittels gelber Sterne "bewertet". Kaum verwunderlich, dass die ersten Kommentare in den sozialen Medien dies aufgreifen und unken: "Menschen mit gelben Sternen markieren? Das können die Deutschen sehr gut seit 1935."

Weil diese Fehlgriffe noch nicht genug sind, hat Sat.1 noch einen Titelsong für die neue Staffel gewählt, der deplatzierter kaum sein könnte. "Follow The Leader" (zu Deutsch: "Folge dem Führer") heißt das Lied der Münchner Band COSBY. Dass der textuelle Inhalt des Stücks gesellschaftskritisch zu lesen ist und keinen rechtsextremen Hintergrund hat, entschuldigt nicht, dass die mehr als fragwürdigen Aspekte der neuen "Big Brother"-Kampagne damit einen faden, rechten Beigeschmack bekommen. 

Es stecken so viele Unfassbarkeiten in dieser Kampagne, dass einem nur Kopfschütteln bleibt. Wir haben Sat.1 um eine Stellungnahme gebeten und nachgefragt, wie die Programmmacher die Kritik bewerten. In der Antwort heißt es, die Vorwürfe seien "absurd" und bei Sat.1 habe "jegliches antisemitisches Gedankengut keinen Platz". Warum eine solche Kampagne in Gang gesetzt wurde, begründet der Sender wie folgt: "'Big Brother' benutzt in der neuen Staffel ein Bewertungssystem wie es internationale Unternehmen schon seit Jahren oder sogar Jahrzehnten tun." Die Sendung sei "schon immer ein Sozialexperiment" und dieses Jahr gebe es "die Möglichkeit, nicht nur übers Telefon-Voting, sondern mit direkter Bewertung den Bewohnern Feedback zu geben – so wie es viele Menschen tagtäglich offline und online z.B. auf Social Media-Kanälen tun".

Die gelben Sterne erwähnt der Sender mit keiner Silbe. Sat.1 betrachtet sie offenbar als vollkommen unverfänglichen Bestandteil eines Bewertungssystems. Selbstverständlich gibt es im Internet unzählige Bewertungen mit gelben Sternchen, aber Menschen dieses Symbol anzuheften und das in Kombination mit dieser Kampagne zu bewerben, ist und bleibt geschmacklos. 

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