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Nicht Kebekus oder Hill: Überraschungssiegerin beim Deutschen Comedypreis

Beste Komikerin  

Nicht Kebekus oder Hill: Überraschungssiegerin beim Comedypreis

03.10.2020, 12:44 Uhr | JaH, dpa, t-online

Nicht Kebekus oder Hill: Überraschungssiegerin beim Deutschen Comedypreis. Carolin Kebekus und Martina Hill: Die beiden Frauen feiern seit Jahren Erfolge als Comedian.  (Quelle: imago images / Sven Simon)

Carolin Kebekus und Martina Hill: Die beiden Frauen feiern seit Jahren Erfolge als Comedian. (Quelle: imago images / Sven Simon)

Bei der Preisverleihung am Freitagabend gab es gleich mehrere Überraschungen. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen wurden die altbekannten Comedians vom Thron geschubst. 

Beim Deutschen Comedypreis gab es in diesem Jahr ganz neue Sieger. Allen voran überraschte die 26-jährige Hazel Brugger. Sie wurde von den Zuschauern in der Königskategorie "Beste Komikerin" ausgezeichnet. Vor allem sie selbst rechnete wohl nicht wirklich mit ihrem Sieg: "Ich habe wirklich nicht damit gerechnet", sagt die Schweizerin in Köln auf der Bühne. "Sonst hätte ich mir auch was Anständiges angezogen."

Brugger, bekannt aus der "heute-show", gewann an diesem Abend gegen ihre namhaften Konkurrentinnen Carolin Kebekus und Martina Hill. Gerade Kebekus hatte in dieser Sparte jahrelang die Nase vorn. Diesmal geht sie leer aus.

Hazel Brugger: "Ich habe wirklich nicht damit gerechnet", sagte sie über ihren Sieg. (Quelle: dpa/Willi Weber/SAT.1/dpa)Hazel Brugger: "Ich habe wirklich nicht damit gerechnet", sagte sie über ihren Sieg. (Quelle: Willi Weber/SAT.1/dpa/dpa)

Auch bei den Männern gibt es einen Überraschungssieger

Bei den Männern zeichnete sich ein ähnliches Bild ab: Hier triumphiert der Comedian Felix Lobrecht, der nicht wirklich zum Witze-Stammpersonal gehört, das die großen Fernsehshows bespaßt. Er hat sich sein Publikum im Stand-up und über seinen Podcast "Gemischtes Hack" erschlossen, für den er ebenfalls ausgezeichnet wurde. Der im TV nahezu omnipräsente Luke Mockridge guckt in der Kategorie "Bester Komiker" dagegen in die Röhre.

Alle Gewinner im Überblick: 
Beste Comedy-Show: 
Chez Krömer (rbb)
Darf er das? Live! – Die Chris Tall Show (RTL)
Die Carolin Kebekus Show (Das Erste)
LUKE! Die Greatnightshow (SAT.1)
Gewinner: World Wide Wohnzimmer (Funk)
Beste Comedy-Serie
Andere Eltern (TNT Comedy)
Frau Jordan stellt gleich (Joyn/ProSieben)
jerks. (Joyn/ProSieben) Gewinner: Slavik – Auf Staats Nacken (Joyn)
Think Big! (SAT.1)
Beste Satire-Show
Gewinner: heute-show (ZDF)
Mann, Sieber! (ZDF)
Noch nicht Schicht (3sat)
Beste Komikerin
Carolin Kebekus
Gewinnerin: Hazel Brugger
Martina Hill
Bester Komiker
Chris Tall
Gewinner: Felix Lobrecht
Bester Newcomerin / Bester Newcomer
Gewinnerin: Maria Clara Groppler
Simon Pearce
Simon Stäblein
Beste Sketch-Comedy
Gewinner: Die Martina Hill Show (SAT.1)
Kroymann (ARD)
Phil Laude (Funk)
Bester Comedy-Podcaster (neue Kategorie)
Baywatch Berlin
Fest & Flauschig
Gewinner: Gemischtes Hack
Beste Comedy-Podcasterin (neue Kategorie)
Gewinnerinnen: Herrengedeck – Der Podcast
5 Minuten Harry Podcast von und mit Coldmirror
Busenfreundin
Beste Moderation (neue Kategorie)
Gewinner: Luke Mockridge (LUKE! Die Schule und ich – VIPs gegen Kids/SAT.1)
Oliver Pocher (5 gegen Jauch /RTL)
Ralf Schmitz (Take Me Out/RTL)

Bester Komiker: Felix Lobrecht (Quelle: imago images / Future Image)Bester Komiker: Felix Lobrecht (Quelle: imago images / Future Image)

Dass die Verhältnisse so ins Wanken gebracht wurden, dürfte mit dem neuen Abstimmungsmodus zu tun haben. Jahrelang hatte in den meisten Kategorien eine Jury das Sagen, was dazu führte, dass sich Jahr für Jahr dieselben Comedians gegenseitig einen Preis überreichten. 2020 wurde – mit dem Wechsel der Gala von RTL zu Sat 1 – eine Zuschauer-Abstimmung für alle Kategorien eingeführt. Die Stimmabgaben erfolgten unter anderem im Vorlauf über das Internet.

Ob das nun gerechter ist, ist wohl Ansichtssache. Der Modus dürfte vor allem jene bevorteilen, die über viele treue Follower und Online-Präsenz verfügen, die Währungen der Neuzeit. Zu beobachten ist das etwa in der Kategorie "Beste Comedy-Show", in der sich völlig überraschend das kleine Format "World Wide Wohnzimmer" aus dem öffentlich-rechtlichen Content-Netzwerk Funk durchsetzt – gegen Dickschiffe wie "Die Carolin Kebekus Show" (ARD) oder "Luke! Die Greatnightshow" (Sat.1).

Bei der Gala blieb weitestgehend unklar, ob die Betroffenen die Entscheidungen ihres Publikums nun lustig oder nicht fanden. Es wurde nicht groß thematisiert. Dafür kam ein anderes Thema dauerhaft vor: Die Genderdebatte um Frauen in der Comedy, die schon vor der Gala ausgebrochen war.

Gleich zu Beginn äußert sich Klaas Heufer-Umlauf zu den Verhältnissen in der Branche: "Hier ist man als Frau auf Augenhöhe und kann stets auf tosenden Jubel hoffen", sagt er. "Zumindest, wenn man von Bülent Ceylan dargestellt wird."

Hintergrund der Genderdebatte 

Hintergrund: In der neuen Kategorie "Bester Comedy-Podcast" waren zunächst nur Produktionen mit männlicher Besetzung nominiert worden – etwa "Fest & Flauschig" mit Jan Böhmermann und Olli Schulz. Als es daraufhin in der Branche rumorte, wurde die Kategorie nachträglich geteilt: In "Bester Comedy-Podcaster" für die Männer und "Beste Comedy-Podcasterin" für die Frauen, die nachnominiert wurden.

Richtig glücklich waren die Gewinner am Ende mit der ganzen Sache nicht. "Das ist so wie früher bei Erwachsenenpartys, weißt du, als wir noch klein waren, dieser Katzentisch", sagte Laura Larsson von "Herrengedeck – Der Podcast", der bei den Frauen gewann.

Auch Komikerin Maria Clara Groppler, die zur "Besten Newcomerin" gekürt wurde, widmet sich dem Thema. "Als Frau ist man tatsächlich in der Comedy eine Randgruppe", sagte sie. "90 Prozent sind Männer und nur 10 Prozent sind Carolin Kebekus."

Vielleicht wird man irgendwann diesen Gag nicht mehr so machen müssen. Vielleicht dann, wenn Hazel Bruggers Kind erwachsen ist. Dass sie schwanger ist, hatte die Komikerin am Donnerstag publik gemacht. Nun sagt sie über die Comedypreis-Trophäe, ein lachendes Ei: "Mein Baby ist fast so groß wie dieser Preis jetzt. Es bedeutet mir auch beinahe so viel."

Verwendete Quellen:

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