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Auf der Suche nach Wahrheit: "Nazijäger"

Von dpa
Aktualisiert am 16.01.2022Lesedauer: 2 Min.
Blick auf den ehemaligen Häftlingsblock 1-4 im ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme.
Blick auf den ehemaligen Häftlingsblock 1-4 im ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme. (Quelle: Markus Scholz/dpa./dpa)
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Hamburg (dpa) - Da sitzt er, in unscheinbarer Häftlingskleidung - der größte unter den Massenmördern: Rudolf Höß - KZ-Kommandant von Auschwitz. Und leugnet vehement, etwas mit den Verbrechen der Nazis zu tun zu haben.

Sein Name sei Franz Lang, behauptet er gegen√ľber den beiden britischen Soldaten, die ihn verh√∂ren. Auf die Frage "Trifft es zu, dass in Auschwitz ungef√§hr 1,5 Millionen Menschen umgebracht wurden?" antwortet er "Nein." Als der andere nachhakt: "Sie wollen wirklich immer noch leugnen?", blickt er die beiden ver√§chtlich an und sagt: "Nein. Es waren keine 1,5 Millionen. Es waren 2 354 000."

Mit "Nazij√§ger ‚Äď Reise in die Finsternis" am Sonntag um 21.45 Uhr im Ersten haben der Regisseur und Autor Raymond Ley und die Autorin Hannah Ley nach einer Vorlage von Dirk Eisfeld ein spannendes und ergreifendes Dokudrama geschaffen. Es erz√§hlt die Geschichte jener britischen Soldaten, die in der Nachkriegszeit in Norddeutschland nach deutschen Kriegsverbrechern suchten. Viele der NS-T√§ter entkamen, aber einige konnten die Briten aufsp√ľren - neben H√∂√ü den Hamburger Zykon-B-Lieferanten Bruno Tesch, den Standortarzt des KZ Neuengamme, Alfred Trzebinski, und den Lagerkommandanten von Auschwitz und Bergen-Belsen, Josef Kramer.

Keiner Schuld bewusst

Wie die anderen auch, ist sich Kramer in den Verh√∂ren keiner Schuld bewusst. "Es war meine Pflicht" und "Es ist doch kein Verbrechen, Befehle zu befolgen", antwortet er auf die Fragen von Anton Walter Freud (√ľberzeugend gespielt von Franz Hartwig), Enkel des Psychoanalytikers Sigmund Freud, der mit seiner Familie nach London geflohen war. Geschickt schafft es Ley, die Spielszenen, die auf den echten Verh√∂rprotokollen basieren, mit Originalfilmmaterial aus den Konzentrationslagern Auschwitz, Bergen-Belsen und Neuengamme zu verkn√ľpfen. Dabei kommen alle zu Wort: T√§ter, Opfer, Zeugen und die fassungslosen Aufkl√§rer (unter ihnen auch Robin Sondermann als Hanns Alexander).

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Opfern ein Gesicht geben

"Das Verbrechen des Holocausts entzieht sich f√ľr mich der Betrachtung, einer "realistischen" Darstellung im TV. Wir k√∂nnen lediglich versuchen, den Opfern ein Gesicht zu geben, einen Blick auf sie zu werfen, um auch sie vor dem Vergessen zu bewahren", sagt Regisseur Raymond Ley. Die Opfer, das sind stellvertretend f√ľr Millionen auch die "Kinder vom Bullenhuser Damm". 20 Kinder, an denen KZ-Arzt Kurt Hei√ümeyer im KZ Neuengamme Experimente mit Typhus-Erregern vorgenommen hatte und die in den letzten Kriegstagen, am 20. April 1945, ermordet wurden, um die Taten zu vertuschen.

Eines der Kinder ist der kleine Sergio, der 1944 aus Italien zusammen mit seinen beiden Cousinen nach Auschwitz deportiert worden war. Andra und Tatiana Bucci haben das Konzentrationslager √ľberlebt und begeben sich f√ľr den Film auf eine Reise in ihre Kindheit nach Auschwitz und Hamburg, was dem Dokudrama eine noch st√§rkere Glaubw√ľrdigkeit verleiht. Die Spielszenen in den Kinderbaracken sind kaum auszuhalten, wenn etwa der KZ-Arzt die Kinder fragt: "Wer will zu seiner Mama?" oder gezeigt wird, wie den Schauspieler-Kindern die Haare rasiert werden. "Ich spreche. Aber ich sage nicht, dass ich gerne dar√ľber spreche", sagt Tatiana Bucci. "Ich m√∂chte vor allem, dass diese Sache niemals in Vergessenheit ger√§t."

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