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Ein "Kroatien-Krimi" ├╝ber Homophobie und Familienzw├Ąnge

Von dpa
Aktualisiert am 27.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Ivan (Joachim Nimtz, unten l) ist geschockt, Anton (Riccardo Campione) im roten Kleid zu sehen.
Ivan (Joachim Nimtz, unten l) ist geschockt, Anton (Riccardo Campione) im roten Kleid zu sehen. (Quelle: ARD Degeto/Constantin TV/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Eine Leiche im Zustand fortgeschrittener Verwesung ist kein sch├Âner Anblick. Im elften Fall der Reihe "Kroatien-Krimi" bekommt der Zuschauer so etwas aber immer wieder zu sehen.

Es handelt sich dabei um das erste - aber nicht das letzte - Opfer in der Episode "Tod im roten Kleid". Und der tote Mensch, um den es im Titel geht, ist nicht etwa eine Frau, sondern ein junger Mann. Beziehungsweise ist es ein Mensch zwischen diesen beiden Geschlechtern. Anton (Riccardo Campione, "Gladbeck") alias Antonia war transsexuell. Musste das Opfer deshalb sterben?

Stascha Novak (Jasmin Gerat, "Einmal Sohn, immer Sohn"), die schlagkr├Ąftige Leiterin der Mordkommission Split, und ihr Mitarbeiter Emil Perica (Lenn Kudrjwizki) sind ersch├╝ttert. Zu erleben ist der Fall am Donnerstag um 20.15 Uhr im Ersten.

Stascha und Emil ermitteln vor malerischer Adria-Kulisse unter den Menschen, zwischen denen Anton aufgewachsen ist. Die meisten erscheinen extrem religi├Âs, um nicht zu sagen bigott. So wie auch der Onkel des Opfers, Ivan Rudovic (Joachim Nimitz), und der ├Ârtliche Polizist Marko Mikec (Thomas Dehler).

Erschwert wird die Suche nach dem T├Ąter durch ein R├Ątsel: Die Leiche ist zwar zwar am Fu├č der Steilk├╝ste gefunden worden. Die Obduktion jedoch ergibt, dass die Knochenbr├╝che keineswegs frisch sind. Der tote Mensch war tiefgefroren gewesen, weshalb sich der Zeitpunkt des Todes nicht bestimmen l├Ąsst - er kann Jahre zur├╝ckliegen.

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Bald glaubt die Kommissarin, es mit einem Rachefeldzug gegen einen Menschen mit unkonventioneller sexueller Orientierung zu tun zu haben. "In Rijeka oder in Zagreb - da l├Ąuft so was rum", hat selbst ihr Kollege Mikec aus dem Bergdorf abgewiegelt, als sich die Identit├Ąt des Opfers im roten Kleid herausstellte.

Die Gro├čst├Ądterin grollt gegen den ihrer Meinung nach mittelalterlichen Katholizismus der l├Ąndlichen Bev├Âlkerung. Kollege Emil, in der Region aufgewachsen, kl├Ąrt sie dar├╝ber auf, dass viele einer speziellen kirchlichen Gruppierung mit dem Namen "Unsere Familie" angeh├Ârten. Aber richtig verstandenen christlichen Glauben habe ihm seine eigene Mutter vermittelt. "Wir sind alle Kinder Gottes", sagt der junge Ermittler.

Christoph Darnst├Ądt, geistiger Urheber und Drehbuchautor der beliebten Kroatien-Krimis, hat diesen Fall noch mit etlichen inhaltlichen Wendungen versehen, bei denen sich "Famili├Ąre Bande" als ein weiteres Thema heraussch├Ąlt. Optisch attraktiv und schnittig erz├Ąhlt Michael Kreindl die mit Popmusik und Balkan-Rhythmen versehene Geschichte mit ihren stimmig besetzten kroatischen und deutschen Darstellern.

Eine Lanze f├╝r Toleranz und N├Ąchstenliebe wollen die Filmemacher ganz offensichtlich damit brechen - diverse sexuelle Identit├Ąten als etwas Normales und Liebenswertes zeigen. Da ist es schade, dass das so penetrant ├╝berdeutlich geschieht.

Nicht nur die Dialoge, in denen wiederholt die Institution Kirche schlecht wegkommt, wirken teilweise eindimensional. Selbst die so oft wiederholten Bilder der verwesten jungen Antonia sollen am Ende wohl zu nichts anderem dienen als zu zeigen, wohin Intoleranz f├╝hren kann. Auf diese Weise ger├Ąt ein eigentlich wichtiges und sympathisches gesellschaftliches Anliegen leider zur Volksp├Ądagogik der platten Art. Und ein Fernsehkrimi wird ├Ąrgerlich ├╝berfrachtet.

Was die "Famili├Ąren Bande" betrifft, so bekommt die Kommissarin hier ├╝brigens Besuch von ihrem Vater (Rufus Beck, "M├╝nchen Mord"), der seinen Geburtstag mit ihr und ihrer Schwester Minka (Jenny Meyer) feiern m├Âchte. Doch Stascha will von Minka derzeit nichts wissen.

Der Faden wird weitergesponnen in der Episode "Vor Mitternacht", die Das Erste am Donnerstag, 3. Februar, um 20.15 Uhr sendet.

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