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TV-Tipp: Alles ist gut

TV-Tipp  

Alles ist gut

18.08.2020, 00:03 Uhr | dpa

TV-Tipp: Alles ist gut. Janne (Aenne Schwarz) sucht Geborgenheit bei ihrem Freund Piet (Andreas Doehler).

Janne (Aenne Schwarz) sucht Geborgenheit bei ihrem Freund Piet (Andreas Doehler). Foto: BR/Trimafilm GmbH/ARD/dpa. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Gar nichts ist hier gut. Ein junges Paar gerät durch ein Verbrechen und den Versuch der Verdrängung in eine tiefe Krise. Das steht im Mittelpunkt des Dramas "Alles ist gut" an diesem Dienstag um 22.45 Uhr im Ersten.

Der Film eröffnet die zwölfteilige Reihe "Filmdebüt im Ersten". Seit genau 20 Jahren erhalten junge Filmemachern hier die Möglichkeit, ihre Erstlingswerke einem breiten Publikum im Fernsehen vorzustellen. Immerhin nicht erst gegen Mitternacht.

Die Party des Münchner Klassentreffens ist in vollem Gange, es wird viel getrunken, getanzt und gelacht. Janne (sehr gut: Aenne Schwarz) trifft dabei auf Martin (Hans Löw), den sie schließlich mit nach Hause nimmt. Die beiden unterhalten sich, trinken weiter, bis er Annäherungsversuche startet, die sie zwar abwehrt - was er jedoch nicht eindeutig erkennt oder erkennen will. Schließlich vergewaltigt er sie auf dem Boden, leidenschaftslos, wie beiläufig.

Kurz darauf verschwindet Martin, Jannes Niedergeschlagenheit am nächsten Morgen ist mit Händen zu greifen. Ihr Freund Piet (Andreas Döhler) ist in jener Nacht nicht bei ihr, den Vorfall behält sie ihm gegenüber für sich, auch ihrer leise ahnenden Mutter Sabine (Lina Wendel) sagt sie kein Wort - sie versucht zu verdrängen, was geschah.

Die Lage war schon vorher nicht einfach. Mit ihrem kleinen Verlag haben Janne und Piet gerade Insolvenz angemeldet. Während er sich in die Renovierung eines verwahrlosten Hauses stürzt, hadert sie mit dem Scheitern ihres Projektes. Das Jobangebot als Cheflektorin nimmt sie daher prompt an - daran ändert auch der Umstand nichts, dass Martin der Schwager ihres neuen Chefs Robert (Tilo Nest) ist.

Janne will diese Arbeit unbedingt, und in irgendeine Opferrolle möchte sie sich keinesfalls drängen lassen. Vor den seelischen Narben und einem sich abzeichnenden Trauma vermag die anfangs selbstsichere Frau jedoch nicht zu flüchten.

Die Figuren in diesem Film laufen ziemlich hilf- und ziellos herum, was mit betont langsamen Kamerafahrten unterstrichen wird. Alle drei - Janne, Piet und Martin - mühen sich sichtlich um ein mehr oder weniger korrektes Verhalten - was immer das sein soll. Dabei stoßen sie mehrfach an ihre Grenzen, bis hin zu Selbstlüge oder gar Ohnmacht.

Janne will eigentlich nur ihre Ruhe haben, Piet fragt sich, was sie noch von ihm will, und Martin versucht permanent, sich mit verzagten Gesten und Worten für seinen sexuellen Übergriff zu entschuldigen. Den ganz nüchtern erzählten Film durchzieht eine geradezu beängstigend wirkende seltsame Gleichmütigkeit von Janne, der irgendwie alles egal zu sein scheint: eine gewisse Art von Selbstzerstörung. Figuren und Zuschauer erfahren hier keine Schonung.

Regisseurin Eva Trobisch (37, "Es ist egal, aber") erklärt in einem ARD-Statement: "Unsere Gesellschaft hat sehr klare Vorstellungen davon, wie sich ein 'Opfer' fühlt und wie es sich zu verhalten hat. Darauf hat Janne aber keine Lust. Kann man entscheiden, ob man Opfer ist?" Das ist nicht nur eine sehr kluge Frage, sondern das Kernproblem in diesem beklemmenden Film. Er tut weh, und das ist gut.

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