Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

So funktionieren gepanzerte Limousinen

Von dpa
Aktualisiert am 21.01.2022Lesedauer: 3 Min.
"Safety-Car": Mercedes prÀsentierte 2021 die S-Klasse auch als Sicherheitsfahrzeug S 680 Guard.
"Safety-Car": Mercedes prÀsentierte 2021 die S-Klasse auch als Sicherheitsfahrzeug S 680 Guard. (Quelle: Tom Koenig/Daimler AG/dpa-tmn/Archivbild./dpa)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Stuttgart/Ulm (dpa/tmn) - Gepanzerte Sonderschutzfahrzeuge dienen Politikerinnen, Königen und Königinnen oder hochrangigen Managern als sicheres Transportmittel. In Deutschland prĂŒfen drei BeschussĂ€mter zivile Fahrzeuge. Sie haben sich zur Vereinigung der PrĂŒfstellen fĂŒr angriffshemmende Materialien und Konstruktionen (VPAM) zusammengeschlossen. Bei der ballistischen PrĂŒfung des Beschussamtes Ulm werden die Autos je nach Modell bis zu 500 Mal beschossen.

Entweder zielt ein SchĂŒtze auf das Fahrzeug oder eine Waffenabschussanlage feuert gezielt auf kritische Punkte. "Wir besichtigen die Konstruktion schon im Rohbau und sehen das Fahrzeug ohne Verkleidung, können daher vermeintlich kritische Punkte vorher erkennen und sie gezielt prĂŒfen", sagt Peter HĂ€ussler vom Beschussamt Ulm.

Bei der Schwachstellen-Analyse achten die Experten auf Scharniere, Kanten, Verschweißungen und Verklebungen. Vorab werden die im Fahrzeug verbauten Panzerplatten und das Panzerglas bei einer separaten MaterialprĂŒfung auf Durchschuss-Hemmung geprĂŒft.

Mit Sturmgewehren und Handgranaten

Gepanzerte Zivilfahrzeuge teilen sich je nach StĂ€rke der Platten und des Glases in PrĂŒfstufen VR1 bis VR10 nach VPAM-BRV auf. Die AbkĂŒrzung bedeutet Ballistic Resistance Vehicle und bezeichnet die WiderstandsfĂ€higkeit des Fahrzeuges gegen Angriffe mit Geschossen.

HĂ€lt die SchutzhĂŒlle bei VR4-Fahrzeugen Kugeln eines 44er Magnum-Revolvers stand, sind es bei VR7 Patronen eines Schnellfeuergewehres mit Nato-Munition und einer Aufprallgeschwindigkeit von ĂŒber 900 m/s, also 3240 km/h.

Bei VR10 wird ein Auto mit Hartkern-Munition aus einem Sturmgewehr maltrĂ€tiert. Zudem werden die Fahrzeuge neben der ballistischen PrĂŒfung je nach Versuch einer SprengprĂŒfung unterzogen. Dabei zĂŒndet eine 12,5 Kilogramm schwere Sprengstoffmischung neben dem Fahrzeug. Bei weiteren Versuchen liegt eine Handgranate unter und auf dem Auto.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Keine EC-Kartenzahlungen in zahlreichen SupermÀrkten möglich
imago images 136142954


Marken wie Audi, Bentley, BMW, CitroĂ«n, Jaguar, Mercedes und Range Rover verkaufen Sonderschutzfahrzeuge direkt ab Werk. Die meisten Fahrzeuge fĂŒr Unternehmer und Privatpersonen gehen nach SĂŒdamerika, Russland und Asien. EuropĂ€ische Kunden sind meist Behörden oder KönigshĂ€user. Andere Spezialunternehmen bauen Limousinen und GelĂ€ndewagen zu Sicherheitsfahrzeugen um.

Wie ein Sicherheitsauto entsteht

Doch Panzerung ist nicht gleich Panzerung. Und einfach nur ein bisschen Sicherheitsglas und ein paar Stahlplatten zusÀtzlich an die Karosserie montieren, hÀlt nicht alle Kugeln auf. Vielmehr werden besonders gute gepanzerte Fahrzeuge schon im Rohbau konstruiert.

Passagiere sitzen dabei in einem gepanzerten Kern, Motor- und Kofferraum werden quasi nur angeschraubt. "Beim S 680 Guard setzen wir erstmals auf einen eigenen, in sich geschlossenen Schutzraum inklusive neuer Sicherheitssysteme", sagt Thomas Bentel als Guard-Entwicklungsingenieur bei Mercedes.

Anders formuliert: Panzerte Mercedes bisher die S-Klasse, verkleiden sie nun ein vorher gepanzertes Fahrzeug optisch zu einer S-Klasse. Dem S 680 Guard sollen Kugeln aus einem PrÀzisionsgewehr und Maschinengewehre nichts anhaben, ebenso wenig wie Sprengstoff am oder unter dem Auto.

Schutz durch Stahl und massive Scheiben

Spezieller Stahl am Heck und der Stirnwand, Splitterschutzmatten im Dach und Aramidplatten - all das soll Schutz bieten. Selbst vor einem Gasangriff sind Insassen geschĂŒtzt: Sauerstoff presst mit leichtem Überdruck Luft aus dem Inneren, so dass kein Gas eindringen kann. "Wichtig ist, dass die Insassen schnell aus der Gefahrenzone kommen und sich dann in Sicherheit bringen", so Bentel.

DafĂŒr treibt das immerhin rund 4,5 Tonnen schwere Auto ein V12 mit 612 PS an. Von 0 auf 100 km/h dauert es 8,3 Sekunden, maximal 190 km/h sind trotz Gewicht drin. Selbst mit einem Platten geht's noch mit bis zu 80 km/h ĂŒber 30 Kilometer weit.

Dicker Stahl und Diskretion

Bei BMW konnte der erste gepanzerte Wagen, ein 733i High Security (E23), ab Ende der 1970er Jahre bestellt werden. "HochgeschĂŒtzte Fahrzeuge werden vom Grundkonzept komplett neu aufgebaut, weil sie eine geĂ€nderte Struktur besitzen. Das erfordert viel Handarbeit", sagt Florian Biersack als Leiter Sicherheitsfahrzeuge bei BMW.

Genaue Angaben macht BMW ebenso wenig wie exakte Aussagen zur Technik. Das GeschĂ€ft lebe stark von der Diskretion. Außerdem widerspreche es dem Sicherheitsgedanken des Fahrzeugs. "Ziel ist es, den grĂ¶ĂŸtmöglichen Schutz in der höchsten QualitĂ€t zu bieten, dabei möglichst anonym zu bleiben", sagt Biersack. BMW baut aktuell jĂ€hrlich ein paar hundert Fahrzeuge in Handarbeit.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
  • Markus Abrahamczyk
Von Markus Abrahamczyk
BMWDeutschlandMercedes-BenzUlm
Auto-Themen

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website