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Unter Wasser richtig fotografieren

t-online, Uwe Kauss

Aktualisiert am 23.05.2017Lesedauer: 4 Min.
Mit der richtigen AusrĂŒstung gelingen Ihnen auch unterwasser spektakulĂ€re Fotos.
Mit der richtigen AusrĂŒstung gelingen Ihnen auch unterwasser spektakulĂ€re Fotos. (Quelle: Bernd Köppel, Kleve)
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http://www.sport-koeppel.deGleitende Rochen, silbrig dahin huschende FischschwĂ€rme, wundersame Korallen und Wasserpflanzen: Wer taucht, will diese Momente festhalten und den Freunden zeigen. DafĂŒr braucht es das richtige Kamera-Equipment und viel Fotowissen.

Eine billige Unterwasserkamera in die Hand nehmen, abtauchen und drauf halten wie mit dem Smartphone – das ergibt oft unscharfe und farblose Bilder ohne jeden Wow-Effekt. "Das Fotografieren unter Wasser folgt völlig anderen Regeln als an Land", warnt Bernd Köppel. Der Profifotograf (www.sport-koeppel.de) arbeitet seit 40 Jahren unter Wasser, verkauft seine Fotos an renommierte Bildagenturen und gibt Fotoseminare fĂŒr Taucher. "Um das richtige Equipment zu finden, muss man zunĂ€chst seinen eigenen Anspruch kennen", erklĂ€rt er, "wer an Land auf hohem Niveau fotografiert, will diese QualitĂ€t auch unter Wasser erreichen. Wer im Urlaub nur drauf drĂŒckt und knipst, braucht auch beim Tauchen keine höchstwertige Kamera."


Unterwasser-Kameras

UnterwassergehĂ€use sind das Profiequipment fĂŒrs Tauchen. Eine hochwertige Spiegelreflexkamera wie die Canon Eos 80D wird in dieses GehĂ€use von Sea&Sea gebracht, das bis in 100 Metern Tiefe wasserdicht ist. Alle Funktionen sind zugĂ€nglich, mit Adapter lassen sich unter Wasser auch Weitwinkellinsen aufschrauben.
Ohne Blitz geht unter Wasser nix: Die Sealife DC 1400 HD Pro Duo mit Blitzsystem und Permanentlicht fĂŒr knapp 900 Euro macht gute Unterwasseraufnahmen möglich – wenn man die Bedingungen beherrscht.
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Nur wenige Kompaktkameras geeignet

Doch viele der kompakten Unterwasserkameras wĂŒrden wenig gute QualitĂ€t liefern. Daher seien nur wenige Modelle – wie beispielsweise die Sealife Micro 2.0 HD fĂŒr etwa 500 Euro – auch fĂŒr anspruchsvolle Hobbyfotografen geeignet. Er empfiehlt ihnen, ein TauchgehĂ€use beispielsweise vom japanischen Hersteller Sea&Sea fĂŒr die eigene Spiegelreflexkamera zu kaufen. "Man kann mit ihr damit beim Tauchen wie gewohnt arbeiten." Doch dafĂŒr ist etwas Budget nötig: Die Sea&Sea-GehĂ€use fĂŒr Top-Kameras wie die Canon EOS 80D oder die Nikon D600 mit 100 Meter Wassertiefe kosten zwischen 2500 und etwas mehr als 3000 Euro. Begeistert ist Köppel auch von der QualitĂ€t der kompakten Sony RX 100 III mit 20,1 Megapixel starkem Sensor fĂŒr rund 750 Euro mit dem passenden Sea&Sea-GehĂ€use, das etwa 1000 Euro zusĂ€tzlich kostet.

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Eine Kamera sollte fĂŒr den Experten bis zu einer Tiefe von 60 Metern dicht bleiben. "Der durchschnittliche Taucher geht meist auf etwa 40 Meter hinunter, doch wer in einer Gruppe dem Guide folgt, ist als routinierter Taucher auch tiefer", weiß Köppel. GĂŒnstige Kameras, deren Druckfestigkeit nur bis 15 Meter ausreichen, taugten daher nur fĂŒr einfache UrlaubsbedĂŒrfnisse.

Völlig anderes Farbspektrum unter Wasser

Doch da unten ist eines völlig anders als an Land: das Licht. "Bereits in einem halben Meter Tiefe verĂ€ndert sich das Farbspektrum grundlegend", erklĂ€rt der Profifotograf, "die langwelligen Rot-, Orange- und Gelbtöne werden weggefiltert. Blau und GrĂŒn bleiben erhalten." Wer nun auf den Auslöser drĂŒckt, schießt ein Foto wie durch die Sonnenbrille, allerdings mit Blau- oder GrĂŒnstich. Kein schöner Anblick. "Unterwasserfotografie funktioniert nie ohne einen guten Blitz", betont Köppel. "Er wird da unten nicht eingesetzt, um Helligkeit zu schaffen, sondern um die Farben wieder herbei zu zaubern."

Ohne Blitz keine farbigen Fische

Auch in 40 Metern Tiefe reiche das einfallende Licht, um mit mittlerer Blende und Verschlusszeit aus der Hand fotografieren zu können. Doch ohne Farben machen die Motive niemandem Freude. In vielen Tauchforen werden Rotfilter zum Aufschrauben empfohlen – doch Köppel empfiehlt sie nicht. "Die Fotos sehen damit völlig unnatĂŒrlich aus, zudem schluckt so ein Filter locker zwei BlendenstĂ€rken Licht." Dazu fehle den Bildern alles, was Kontrast und knackige Farben ausmacht – die wichtigen GegensĂ€tze zwischen dunkel und hell verschwimmen im Diffusen: ohne Blitz keine farbigen Fische.

Doch auch der Einsatz des Blitzes ist unter Wasser völlig anders: "Ein guter Blitz erhellt an Land locker eine Turnhalle. Dieselbe Anlage reicht beim Tauchen fĂŒr 1,50 Meter", erklĂ€rt er. "Wer aufs Budget schauen muss, sollte lieber eine gĂŒnstige, aber gute Mittelklassekamera kaufen und das gesparte Geld in die Unterwasser-Blitzanlage investieren." Viele Blitze erlauben auch ein dezentes Permanentlicht, um am Meeresgrund interessante Motive in der schwarz-grĂŒn-blauen Farbsuppe ĂŒberhaupt aufspĂŒren zu können. Denn nur so lĂ€sst sich am Monitor ein schöner Fisch entdecken – und der Autofokus findet genug Kontrast zum Scharfstellen des Objektivs.

Wer endlich auf den Auslöser drĂŒckt, steht vor dem nĂ€chsten Problem: "Auch in klarem Wasser befinden sich sehr viele Trubteilchen, die beim Fotografieren das Blitzlicht reflektieren: Das Bild sieht aus, als hĂ€tte man Fische in einer Sternschnuppe fotografiert. Da kommt es darauf an, den richtigen, nicht-reflektierenden Winkel zum Objekt zu finden", erklĂ€rt Köppel.

Gute Bilder dank Weitwinkelobjektiv

Ein weiteres Hindernis fĂŒr gute Fotos ist der unter Wasser völlig andere Brechungsindex des Lichts. "Die Motive sehen damit viel nĂ€her und grĂ¶ĂŸer aus." Daher ist fĂŒr gute Bilder auch ein Weitwinkelobjektiv notwendig: "Um einen zwei Meter großen Rochen aufs Bild zu bekommen, muss ich etwa drei Meter Abstand haben. Aber das ist zu weit weg fĂŒr den Blitz – der Fisch wird ohne Farbe kaum zu erkennen sein." Mit dem Weitwinkel könne er sich dem Fisch auf 80 Zentimeter nĂ€hern und ihn trotzdem voll aufs Bild bekommen. Ein schöner Nebeneffekt: "Je nĂ€her ich dran gehe, umso weniger reflektierende Trubteile schweben mir vor der Linse herum." Bei seinen TauchgĂ€ngen arbeite er bei etwa 40 Prozent seiner Aufnahmen mit dem Weitwinkel. Um unter Wasser flexibel fotografieren zu können, sollte sich das Objektiv beim Tauchen auf das Kamerasystem auf- und wieder abschrauben lassen. "Wenn ich Makroaufnahmen von Krabben oder Anemonen mache, ist die Linse fehl am Platz. Ich will aber nicht an Land entscheiden mĂŒssen, ob ich Rochen oder Krabben fotografiere."

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Salzwasser akribisch abspĂŒlen

Wer gutes Equipment besitzt, mĂŒsse nicht nur fotografieren können, sondern damit auch an Land umgehen können. "Wer sein System nicht pflegt, macht es ruck zuck kaputt", warnt Köppel. Wichtig sei es, nach jedem Tauchgang das Salzwasser akribisch abzuspĂŒlen und abzutrocknen. Nun werden sĂ€mtliche Dichtungsringe mit technischem Alkohol abgerieben und darauf frisches Pflegefett aufgetragen, damit keine Sand- und Staubkörner oder eingetrocknete FettrĂ€nder daran hĂ€ngen bleiben. Nur so bleiben sie zuverlĂ€ssig und langfristig wasserdicht. Dringt Salzwasser ins Innere der Kamera oder in die Objektive, sei meist keine Rettung mehr möglich.

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