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Starkes Smartphone mit kleinen SchwÀchen

dpa-tmn, Till Simon Nagel

18.04.2017Lesedauer: 4 Min.
Samsung S8, Samsung S8 Plus
Das Samsung S 8 (links) und das S 8 Plus bei der Vorstellung in Berlin
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Mit dem Design des Samsung Galaxy S8 wagt der Hersteller einen großen Sprung nach vorne: Mehr Display auf weniger GrundflĂ€che schafft kaum ein Smartphone. Ist das neue Spitzenmodell S8, das fast 800 Euro kostet, auch jenseits des Designs ein gutes GerĂ€t?

Manche GegenstĂ€nde schaffen es, dass bis zu ihrem Erscheinen modern wirkende Objekte plötzlich ziemlich alt aussehen. Samsungs Galaxy S8 ist so ein GerĂ€t. Wer das schwarze Objekt aus Glas und Metall zum ersten Mal anschaltet, findet viele andere Smartphones plötzlich klobig und veraltet. Der große Bildschirm bedeckt fast die ganze Vorderseite, an den Seiten verschwindet er randlos ins Nichts. Kein Knopf unterbricht die glatte OberflĂ€che. Puristischer geht es kaum.
Im Hands-on-Check machte das S8 einen guten ersten Eindruck.

Das Samsung Galaxy S8 hat ein 5,8 Zoll-Display, das S8 Plus (links) eines mit 6,2 Zoll.
Das Samsung Galaxy S8 hat ein 5,8 Zoll-Display, das S8 Plus (links) eines mit 6,2 Zoll (Quelle: /dpa-bilder)

Nach dem Debakel um brennende Akkus im Samsung Note 7 haben sich die SĂŒdkoreaner Zeit gelassen. Mit leichter VerspĂ€tung kommen das Galaxy S8 und das grĂ¶ĂŸere S8 Plus am 28. April in den Handel. Vorbei ist damit die Aufteilung in "Edge" und "Nicht-Edge": Beide GerĂ€te haben abgerundete DisplayrĂ€nder. Der Home-Button liegt als berĂŒhrungsempfindliche FlĂ€che unten im Display, der Fingerabdrucksensor ist auf die RĂŒckseite des GerĂ€ts gewandert - neben die Kamera.

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VerlÀngerter Bildschirm

Im Vergleich zum VorgĂ€nger S7 wurde der Bildschirm nach oben verlĂ€ngert. Bei gleicher Breite sorgt das fĂŒr eine schlanke Form. Statt des 16:9-Formats gibt es nun 18,5:9 mit 2960 zu 1440 Pixel auf 5,8 Zoll beim S8 sowie auf 6,2 Zoll beim S8 Plus. Nur LGs G6 bringt aktuell so viel Bildschirm auf so wenig Smartphone-OberflĂ€che unter, wirkt dabei aber weniger filigran.

Samsung S8, Samsung S8 Plus
Eine neue Ära des Smartphone-Designs

Im Inneren des Galaxy S8 stecken jeweils Achtkern-Prozessoren, 64 Gigabyte (GB) Speicher und 4 GB Arbeitsspeicher. Mehr Speicher gibt es per Micro-SD-Karte, schnellen Datenfunk mit LTE Cat.16, außerdem Dual-Band-WLAN neuester Art. Strom wird per USB-C-Kabel oder drahtlos per Qi-Standard nachgeladen.

Wie bedient sich das S8 im Alltag?

Der erste Eindruck ist gut: Das Display strahlt hell und klar, der Einrichtungsprozess gelingt leicht. Mittlerweile gibt es verstĂ€ndliche Datenschutz-Hinweise, auch wenn Ă€rgerlicherweise ab Werk alle HĂ€kchen gesetzt sind - auch die fĂŒr Werbung.

Samsung S8, Samsung S8 Plus
Samsung Galaxy S8 ist ein riesiges Display mit etwas Telefon drumherum

Die Einrichtung der GerĂ€tesperre per Fingerabdruck ist dagegen weniger angenehm. Der Sensor ist ungĂŒnstig an der RĂŒckseite platziert und vergleichsweise bockig beim Erkennen von Fingern. Alternativ bietet das S8 einen Iris-Scanner - der gut funktioniert, außer bei Sonnenlicht - sowie eine Gesichtserkennung. Diese lĂ€sst sich aber leicht mit Fotos ĂŒberlisten und ist deswegen nicht empfehlenswert.

Einstellungen mit drei Fingertipps erreichbar

Durch das neue Design mĂŒssen sich Nutzer umgewöhnen. Home-, ZurĂŒck- und App-Switcher-Button sitzen nicht mehr im unteren Rand, sondern werden unten im Display eingeblendet. Auch an der NutzeroberflĂ€che hat Samsung gearbeitet. Statt des bunten, unĂŒbersichtlichen "TouchWiz" gibt es eine aufgerĂ€umte OberflĂ€che namens Samsung Experience. Alle Einstellungen sind maximal drei Fingertipper entfernt.

Samsung S8, Samsung S8 Plus
Zwei der drei Farbvarianten: Orchid Grey und Midnight Black

Richtig Spaß macht die Kamera. Entgegen dem Trend bei LG oder Huawei setzt Samsung nicht auf eine doppelte AusfĂŒhrung. Mit dem 12-Megapixel-Sensor, großer Blende von F1.7 und dem sehr schnellen Autofokus gelingen Bilder auf hohem Niveau. Wer es mag, kann sie gleich mit zahlreichen Filtern, Effekten und Stickern verschönern.

Die Kamera fĂŒhlt sich wie eine Systemkamera an

Die Kamera-App ist sehr gut auch mit einer Hand zu bedienen, im Pro-Modus kommt fast SystemkameragefĂŒhl auf. Und eine gute Nachricht fĂŒr Selfie-Freunde: Die Frontkamera ist auf acht Megapixel aufgerĂŒstet worden und hat nun einen Autofokus. Videos filmt das Galaxy S8 auf Wunsch in UHD-Auflösung (3840 zu 2160 Pixel). Bis Full-HD-Auflösung (1920 zu 1080 Pixel) stehen ein Verfolgungs-Autofokus und HDR-Modus fĂŒr erweiterte Farb- und Kontrastdarstellung bereit.

Samsung S8, Samsung S8 Plus
Dank abgerundeter Kanten ist das Samsung Galaxy S8 sehr griffig

Wer seinen Alltag durch digitale Assistenten organisieren lassen möchte, hat auf dem S8 und dem S8+ gleich zwei Möglichkeiten: den Google Assistant oder Samsungs Bixby, der sich ĂŒber einen eigenen Knopf an der linken Seite des GerĂ€ts starten lĂ€sst. Beide verlangen weitgehenden Zugriff auf persönliche Daten und das Nutzungsverhalten, liefern Informationen, erinnern an Termine oder beantworten Fragen.

Sprachassistent Bixby noch nicht serienreif

Samsungs Sprachassistent Bixby hat außerdem die Funktion Bixby Vision. Hier werden ĂŒber die Kamera Objekte erkannt und passende Einkaufsangebote im Netz gesucht. Von der Serienreife ist Bixby allerdings noch einige Monate entfernt. Sprachkommandos auf Deutsch soll er erst gegen Jahresende verstehen, Bixby Vision funktioniert auch nur sporadisch.

Samsung S8, Samsung S8 Plus
Mit knapp 8 Millimetern Bauhöhe sehr schlank

Bei aller Schönheit des Designs: In Sachen Ergonomie haben sich die Samsung-Designer zwei Schnitzer erlaubt. Ganz unpraktisch ist der Fingerabdrucksensor auf der RĂŒckseite des GerĂ€ts. StĂ€ndig packt man aus Versehen auf die Kamera, und hĂ€ufig werden die FingerabdrĂŒcke nicht beim ersten Anlauf erkannt. Beim Galaxy S8 Plus ist der Sensor fĂŒr Menschen mit kleinen HĂ€nden außerdem kaum zu erreichen.

Die Ergonomie zeigt zwei Schwachpunkte

Auch der Bixby-Knopf an der linken GerĂ€teseite liegt eher ungĂŒnstig: Beim Sperren oder Aktivieren des Telefons wird schnell ungewollt der Assistent gestartet. Denn der Schalter liegt genau dort, wo RechtshĂ€nder fĂŒr einen bequemen Griff den Zeigefinger ablegen wĂŒrden.

Samsung S8, Samsung S8 Plus
Das Samsung Galaxy S8 trÀgt den Fingerabdruckscanner hinten
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Damit bei all der Leistung und angesichts der DisplaygrĂ¶ĂŸe der Akku nicht zu schnell schlapp macht, arbeitet Samsung mit diversen Spar-Optionen. Etwa beim Display, das in der Standardeinstellung mit reduzierter Auflösung arbeitet. Im Akkumanager können Stromsparmodi gewĂ€hlt werden, die den Prozessor bremsen, die Verbindungen im Hintergrund reduzieren oder die Displayauflösung herunterfahren. Doch selbst ohne die Helfer kommt das S8 meist mĂŒhelos ĂŒber den Tag.

Das S8 wird per Dock zum PC-Ersatz

Was Microsoft mit Windows Continuum schon lĂ€nger anbietet, steckt mit Samsung Dex nun auch im Galaxy S8: Per Displaydock lĂ€sst sich das Smartphone mit einem Bildschirm verbinden und mit Maus und Tastatur verwenden. In einem ersten Test funktionierte das mit Browser und Office-Apps weitgehend flĂŒssig und ohne große Umgewöhnung. Wer viel mit Texten in Online-Umgebungen arbeitet, könnte mit dem S8 einen Reiseersatz fĂŒr den PC finden.

Samsung S8, Samsung S8 Plus
Mit der Samsung Dex Station wird das Galaxy S8 zum Desktop-PC

Fazit: Viel Licht, wenig Schatten

Kaum ein Anbieter ist aktuell in Sachen Design und Einsatzspektrum so weit vorne wie Samsung mit dem Galaxy S8. Das Riesen-Display, die flotte Kamera, die neue Bediensoftware und der Dex-Modus sind gelungene Innovationen. Und dann sieht es auch noch gut aus. Damit es so bleibt, sollte man das S8 aber in eine schĂŒtzende HĂŒlle stecken - mit Auswirkungen auf das Design. PunktabzĂŒge gibt es fĂŒr Fingerabdrucksensor und Bixby-Knopf: Sie sind einfach zu ungĂŒnstig platziert.

Das Galaxy S8 ist vom 28. April an fĂŒr rund 800 Euro im Handel:
Das grĂ¶ĂŸere S8 Plus kostet knapp 900 Euro.

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