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Neuer Apple-Chip deklassiert die Windows-PCs

  • Jan Moelleken
Von Jan Mölleken

Aktualisiert am 28.11.2020Lesedauer: 5 Min.
Das neue MacBook Air: Der neue Prozessor macht Apples Notebook zum Preiskracher
Das neue MacBook Air: Der neue Prozessor macht Apples Notebook zum Preiskracher
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Apple hat die Auslieferung der Macs mit dem neuen M1-Prozessor begonnen und macht die IT-Welt sprachlos. Der neue M1-Prozessor deklassiert die meisten Windows-Notebooks. Ist das der Beginn einer Trendwende?

Der Wettbewerb zwischen den Betriebssystemen Windows und MacOS sowie den zugehörigen Computern war in den vergangenen Jahren eher langweilig. Ähnlich wie bei Android und iOS sind auch Windows und MacOS die beiden dominierenden Betriebssysteme: Windows hat laut den Zahlen von Statcounter einen Marktanteil von 76 Prozent, MacOS bzw. die Ă€lteren OS-X-Versionen kommen auf knapp 17 Prozent, der Rest, wie etwa Linux (1,5 %) oder Chrome OS (1,5 %), spielt hier keine echte Rolle.


iPhone 12 und iPhone 12 Pro im Detail

Das iPhone 12 Pro und iPhone 12 im Detail.
Die 6,1-Zoll-OLED-Displays der beiden GerĂ€te sind mit bloßem Auge nicht voneinander zu unterscheiden.
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Überraschende Leistungsunterschiede zwischen Windows-PCs und Macs gab es in den vergangenen Jahren eigentlich nie – schließlich setzten sowohl Windows PCs als auch Apple Macs auf die x86-Prozessor-Architektur und in den vergangenen Jahren ĂŒberwiegend auf Intel-CPUs und -ChipsĂ€tze.

Damit ist jetzt Schluss, denn nun verkauft Apple MacBooks und Mac Minis mit dem selbstentwickelten M1-Prozessor. Der basiert auf Apples A14-Chip, der in den aktuellen iPhones steckt, allerdings hat Apple noch an ein paar Schrauben gedreht und den Prozessor fĂŒr seine Macs noch etwas leistungsfĂ€higer gemacht als das Vorbild im iPhone.

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Apples neuer Chip deklassiert die mobile Konkurrenz

Wie gut sich der neue Chip auf Anhieb schlĂ€gt, ist allerdings schon bemerkenswert: Seit Tagen kursieren verschiedene Benchmark-Ergebnisse im Netz – und fast immer liegen die Ergebnisse des M1-Chips weit ĂŒber der eigenen Gewichtsklasse, vielfach werden die Intel-CPUs klar deklassiert.

In den typischen Testprogrammen zeigt der Chip vor allem dort seine Dominanz, wo die Leistung eines einzelnen Rechenkerns getestet wird. Bei "Cinebench" liegt er etwa gleichauf mit Intels neuesten Tigerlake i7-Mobilprozessoren – die fĂŒr die gleiche Leistung aber deutlich höhere Taktraten und auch deutlich mehr Energie benötigen. Darf Cinebench alle Kerne benutzen, fĂ€llt Intels schnellster Tigerlake-Mobilprozessor klar zurĂŒck, der M1 ist hier knapp 25 Prozent schneller. Allerdings muss sich der M1 natĂŒrlich den Prozessoren geschlagen geben, die mehr als die vier Hochleistungskerne des M1 ins Rennen schicken können.

Das MacBook Air hat nur zwei USB-C-AnschlĂŒsse
Das MacBook Air hat nur zwei USB-C-AnschlĂŒsse

Im Testprogramm Geekbench ist die Überlegenheit des M1 noch deutlicher: Ein einzelner Kern erreicht hier bessere Werte als die schnellsten Desktop-CPUs von Intel und AMD.

Doch all diese Werte sind natĂŒrlich eher theoretischer Natur. Viel wichtiger ist: Bei einem ersten Test des neuen MacBook Air in der t-online-Redaktion ließ sich die beeindruckende Leistung auch subjektiv im Alltag bestĂ€tigen: Apples M1-Prozessor erledigt seine Aufgaben spĂŒrbar schneller als bisher verfĂŒgbare Intel-Macs und verbraucht dabei auch noch weniger Strom.

Das merkt man in rechenintensiven Anwendungen wie Apples Programmier-Umgebung Xcode, es fĂ€llt aber auch bei ganz alltĂ€glichen Anwendungen wie beim Surfen mit dem Safari-Browser auf: Selbst bildlastige Seiten sind – eine brauchbare Internetanbindung vorausgesetzt – quasi sofort da, wĂ€hrend sich typische Notebooks teilweise mehrere Sekunden Zeit fĂŒr den Aufbau genehmigen.

Neuer Chip verspricht mehr Akku-Laufzeit

Apple gibt fĂŒr das MacBook Air an, dass es mit einer Batterie-Ladung 18 Stunden Film in Full-HD-Auflösung abspielen kann – sechs Stunden mehr als das bisher gĂŒnstigste Apple-Notebook bieten könnte. Wir haben die Laufzeit fĂŒr dieses spezielle Nutzungsszenario nicht nachgeprĂŒft – und tatsĂ€chlich ist solch ein Test auch nur sehr bedingt aussagekrĂ€ftig, was die tĂ€gliche Akkulaufzeit angeht. Klar wurde im Test aber, dass das neue MacBook Air sehr lange lĂ€uft.

TatsĂ€chlich mĂŒsste man sich schon erheblich MĂŒhe geben, den Akku innerhalb von einem Arbeitstag in die Knie zu zwingen – trotz vieler Downloads, einigen Benchmark-Tests und einem recht hell eingestelltem Display reichte der Akku bei unserem Test locker anderthalb Arbeitstage – das ist sehr beeindruckend.

Außerdem gibt es beim MacBook Air weiterhin einen Kopfhöreranschluss sowie einen Fingerabdruckscanner in der Power-Taste
Außerdem gibt es beim MacBook Air weiterhin einen Kopfhöreranschluss sowie einen Fingerabdruckscanner in der Power-Taste

Da im MacBook Air kein LĂŒfter verbaut ist, blieb das GerĂ€t stets absolut lautlos, wirklich warm oder gar heiß wurde es bei normaler Nutzung ebenfalls nie.

Ebenfalls erfreulich ist: Das MacBook Air wacht sofort aus dem Standby auf. Hat man es zwischenzeitlich zugeklappt und öffnet es erneut, ist das GerÀt sofort arbeitsbereit. Intel MacBooks genehmigen sich selbst mit schneller SSD ein paar Gedenksekunden, Windows Notebooks erfordern oft noch deutlich mehr.

Muss Software auf den neuen Prozessor angepasst werden?

Ja und nein. TatsĂ€chlich ist es so, dass sich der neue M1-Prozessor grundsĂ€tzlich von den bisher genutzten Intel-Prozessoren unterscheidet. Die Intel-Chips basieren auf der x86-64-Architektur, Apples neuer M1 ist ein ARM-Chip. Die beiden Architekturen unterscheiden sich grundsĂ€tzlich voneinander, sodass Programme, die auf den neuen Macs laufen sollen, eigentlich neu kompiliert und teilweise programmiert, also erst in eine andere Prozessorsprache ĂŒbersetzt werden mĂŒssen.

Apple hat das bereits fĂŒr seine eigenen Anwendungen getan, doch die meisten Programme gibt es noch nicht in der passenden Version. Doch das ist trotzdem nicht schlimm: Apple hat eine Art Übersetzer fĂŒr den Prozessor programmiert: Rosetta 2. Das ist eine Software, die Programme, die noch fĂŒr Intel-Macs geschrieben wurden, im Hintergrund so ĂŒbersetzt, dass die neuen M1-Chips sie verstehen können.

NatĂŒrlich sind Programme, die direkt fĂŒr den neuen M1-Chip programmiert wurden, leistungsfĂ€higer – doch Rosetta 2 arbeitet so effektiv, dass die neuen Macs diese alten Programme trotzdem teilweise gleich schnell oder noch schneller ausfĂŒhren, als es die alten Intel-VorgĂ€nger tun.

Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Bestimmte Virtualisierungsprogramme, wie "Parallels" etwa, funktionieren derzeit noch nicht. Und Windows lĂ€sst sich auf den Macs ebenfalls nicht mehr installieren – auf Intel-Macs war das via Bootcamp möglich.

Fazit: Apple macht einen Quantensprung – alle anderen nicht

Auch wenn in diesem Jahr die neuen iPhones mal wieder mehr Aufmerksamkeit erhalten haben: Der M1-Prozessor ist der eigentliche Star. Er ist ein Quantensprung fĂŒr Apple – und eine Klatsche fĂŒr Intel, AMD und Microsoft. Apple legt mit seinem ARM-Prozessor einen Leistungssprung vor, den die Konkurrenten vorerst nicht wird einholen können.

Das MacBook Air ist – auch im Vergleich zu Windows-Notebooks – ein echter Preistipp
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Das hat auch mit einem großen Vorteil zu tun, den Windows-Systeme nicht haben: Apple hat die komplette Produktkette, vom Chipdesign des Prozessors ĂŒber die Hardware der Computer bis hin zum Betriebssystem, in der Hand – und kann diese optimal aufeinander abstimmen.

Da der M1-Prozessor auf Apples iPhone-Chip A14 basiert, fließt zudem jahrelange Optimierungsarbeit direkt in das beeindruckende Ergebnis der M1-Chips mit ein: Apples neue Macs laden etwa Websites mit Safari deshalb so schnell, weil Apple Hard- und Software ĂŒber Jahre daraufhin getrimmt hat.

Intel und AMD dagegen fertigen CPUs, die fĂŒr die unterschiedlichsten Zwecke und unterschiedliche Systeme ausgelegt sind, wo Mobilprozessoren meist nur beschnittene Abkömmlinge der stromhungrigen Topmodelle sind. Und Microsoft muss mit Windows ein Betriebssystem bieten, das auf all diesen vielfĂ€ltigen Systemvarianten funktioniert. Ein Ă€hnliches Maß an Optimierung ist hier schlicht nicht möglich.

Spannend dĂŒrfte nun die Frage sein, ob Apple diesen Leistungsvorteil bei Mobilprozessoren auch auf Desktopsysteme ĂŒbersetzen kann. Denn fĂŒr seine Desktop-Computer wird Apple im kommenden Jahr sicher noch weitere, leistungsfĂ€higere Ableger des M1 entwickeln.

Über das neue MacBook Air gibt es wenig zu meckern und viel zu loben. Das Basismodell kostet 1100,50 Euro und bietet 8 GB RAM und 265 GB SSD-Speicher. Sicher, zwei USB-C-AnschlĂŒsse sind nicht gerade viel und der Aufpreis von 224,20 Euro jeweils fĂŒr ein Upgrade auf 16 GB RAM oder auf 512 GB Speicher sind gewohnt happig. Ansonsten ist es, wie schon in den vergangenen Jahren, ein schickes und vor allem exzellent verarbeitetes Notebook.

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Neu ist in diesem Jahr allerdings, dass das MacBook Air jetzt selbst in der Basisausstattung so leistungsfĂ€hig und ausdauernd ist, dass es nun – auch im Vergleich zu Windows-Notebooks – zum echten Preistipp wird.

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