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Online-Casinos: Darum sind sie nur in Schleswig-Holstein erlaubt

Glücksspiel  

Darum sind Online-Casinos nur in Schleswig-Holstein erlaubt

10.10.2019, 10:13 Uhr | str, t-online.de

Online-Casinos: Darum sind sie nur in Schleswig-Holstein erlaubt. Pokerchips und Geld liegen neben dem Wappen von Schleswig-Holstein: Online-Casinos sind nur in einem Bundesland erlaubt – sehr zum Ärger der anderen Landesregierungen. (Quelle: imago images/Christian Ohde)

Pokerchips und Geld liegen neben dem Wappen von Schleswig-Holstein: Online-Casinos sind nur in einem Bundesland erlaubt – sehr zum Ärger der anderen Landesregierungen. (Quelle: Christian Ohde/imago images)

Eigentlich sind Online-Casinos in Deutschland verboten. Die Anbieter werben trotzdem bundesweit im Fernsehen. Grund ist eine Sonderregelung aus Schleswig-Holstein, die schon wiederholt für Ärger gesorgt hat. 

Glücksspiel kann süchtig machen und Menschen in den Ruin treiben. Deshalb wird die Branche vom Staat reguliert. Im Glücksspielstaatsvertrag haben sich die Bundesländer auf gemeinsame Regeln geeinigt. Nur Schleswig-Holstein geht schon seit 2011 einen Sonderweg – sehr zum Ärger der anderen Landesregierungen.

Besonders auffällig ist das bei Online-Casinos und Glücksspiel-Apps. Auf manchen Fernsehkanälen vergeht kaum eine Werbepause ohne einen Spot von Anbietern wie "Wunderino", "Drückglück", "Hyperino", "Vera and John" oder "Onlinecasino.de". Sie locken mit Einstiegsguthaben, weisen aber darauf hin, dass das Angebot nur für Nutzer mit Wohnsitz oder häufigem Aufenthalt in Schleswig-Holstein gelte. Im Rest der Republik ist diese Art von Glücksspiel schließlich nicht erlaubt.

Interessierte Kunden werden auf illegale Seiten weitergeleitet

Trotzdem werden interessierte Neukunden aus anderen Bundesländern von den Online-Casinos nicht abgewiesen, sondern einfach weitergeleitet. Nach NDR-Recherchen betreiben die Anbieter dazu teilweise illegale Klone ihrer Webseiten, auf denen sich auch Nutzer aus anderen Bundesländern problemlos anmelden können. Diese Seiten werden aus dem Ausland betrieben, zum Beispiel auf Malta, und berufen sich auf weniger strenge EU-Regeln. 

Die Landesregierung im Nachbarland Hamburg würde die Werbespots deshalb am liebsten aus dem Fernsehen verbannen lassen, wie der NDR berichtet. Das zuständige Innenministerium in Schleswig-Holstein solle wenigstens dafür Sorge tragen, dass sich die Glücksspielanbieter in ihrer Werbung auf das Gebiet beschränken, für das sie eine Lizenz haben. 

Laut der Landesregierung in Schleswig-Holstein verfügen derzeit zwölf verschiedene Anbieter von Online-Casinos über eine Genehmigung. Die oben genannten, aus der TV-Werbung bekannten Namen sind alle darunter. Erst im Juni hatte die Landesregierung die Lizenzen per Gesetz verlängert, nachdem sie im Januar 2019 ausgelaufen waren – eine umstrittene Entscheidung.

Hohes Suchtpotenzial ist bekannt

Online-Casinos gelten als besonders gefährlich, denn die virtuellen Spielautomaten verschleiern, dass es um echtes Geld geht. Spieler müssen keine echten Scheine oder Münzen einwerfen. Stattdessen wird das Konto mit einem Druck oder Wisch belastet. Außerdem ist das Angebot auf dem Smartphone ständig verfügbar, egal ob Zuhause oder unterwegs. Wie leicht Nutzer dadurch in eine Kostenfalle geraten können, zeigen auch die Diskussionen um Spiele mit In-App-Käufen oder sogenannten Lootboxen bei Videospielen. 

Die Probleme sind bekannt. Doch bei einer Lösung tun sich der Gesetzgeber und die Aufsichtsbehörden schwer. Häufig berufen sich die Anbieter, die europa- oder sogar weltweit agieren, auf EU-Regeln und weisen auf Widersprüche in der Gesetzgebung hin.

Das Geschäft mit Online-Casinos boomt

Bei manchen Apps kommt hinzu, dass die Inhalte zwar Glücksspielcharakter haben. Da die Spieler aber in der App nicht um Geldgewinne spielen und mit virtuellen Währungen bezahlen, fällt das Angebot in eine rechtliche Grauzone. Eine entsprechende Reform des Glücksspielstaatsvertrags würde sich auch auf die boomende Computerspielebranche auswirken, die die Bundesregierung eigentlich fördern will. Das macht die Sache zusätzlich kompliziert. 

Für die Betreiber von Online-Casinos lohnt sich das Geschäft in der rechtlichen Grauzone natürlich. Laut eines Reports der Glücksspielaufsichten der Länder gab es 2017 bereits mehr als 730 Casino-Angebote im Netz, die 1,76 Milliarden Euro eingespielt haben, ein Anstieg um 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und das, obwohl Online-Glücksspiel laut Staatsvertrag eigentlich verboten ist. 

Schleswig-Holstein jedenfalls will seinen Sonderweg weitergehen – und zwar mindestens bis zum Auslaufen des derzeit gültigen Staatsvertrags im Juni 2021. Das hat die schwarz-gelb-grüne Landesregierung mit den Stimmen von AfD und dem Wählerverband SSW beschlossen. Nach dieser Übergangsphase soll ein neuer Glücksspielstaatsvertrag ausverhandelt werden, der zu einer bundesweit einheitlichen Lösung führen könnte. 

Staat hofft auf ein Stück vom Glücksspielkuchen

Das Hauptargument der Befürworter eines liberalen Glücksspielmarktes: Ein bundesweites Verbot von Online-Casinos sei ohnehin wirkungslos, da die Angebote aus dem Ausland davon unberührt bleiben. Daher sei es klüger, die Plattformen im eigenen Land zuzulassen, wo man sie besser regulieren – und besteuern – könne. Allein Schleswig-Holstein versprach sich von einer liberalen Regelung im Umgang mit Online-Casinos Mehreinnahmen von 50 bis 60 Millionen Euro pro Jahr. 


Mit solchen Argumenten könnte die norddeutsche Landesregierung die anderen Bundesländer von ihrem Weg überzeugen. Allerdings zeigen die Zahlen der Aufsichtsbehörden auch, dass sich nur ein Bruchteil der Anbieter freiwillig lizenzieren lässt. Die große Mehrheit operiert trotz des legalen Auswegs, den Schleswig-Holstein anbietet, lieber in der Grauzone. 

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Verwendete Quellen:

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