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Google Stadia: Werden Konsole und Spiele-PC jetzt überflüssig?

Google Stadia ausprobiert  

Werden Konsole und Spiele-PC jetzt überflüssig?

Von Jan Mölleken

21.11.2019, 18:26 Uhr
Google Stadia: Werden Konsole und Spiele-PC jetzt überflüssig?. Google Stadia auf TV und Notebook: Der neue Spiele-Streamingdienst lässt sich auf fast allen Geräten nutzen. (Quelle: Jan Mölleken)

Google Stadia auf TV und Notebook: Der neue Spiele-Streamingdienst lässt sich auf fast allen Geräten nutzen. (Quelle: Jan Mölleken)

Am 19. November startete Googles neuer Spiele-Streamingdienst Stadia. Damit sollen aktuelle Top-Videospiele auf jedem TV, Computer oder sogar Smartphone gezockt werden können. Funktioniert das wirklich?

Internet-Konzern Google will die Gaming-Welt umkrempeln: Musste bislang stets eine aktuelle Spielkonsole oder ein Spiele-PC angeschafft werden, um die neuesten Titel mit der besten Grafik spielen zu können, soll künftig ein Fernseher oder ein Uralt-PC ausreichen. Das zumindest verspricht der neue Spieledienst Stadia, der nun offiziell startete.

Der Trick dabei: Die aufwändige Berechnung von Grafik und Spielmechanik findet ausschließlich auf Google-Servern statt. So muss das Endgerät, an dem gespielt wird, nur die Steuerungsbefehle des Spielecontrollers weitergeben und die fertig berechneten Bilder empfangen. Das ist etwa so rechenintensiv wie einen HD-Film auf Netflix oder bei Youtube aus dem Internet zu streamen – so viel Rechenleistung bieten heute sehr viele Geräte.

Knackpunkt: mögliche Verzögerungen

Der einzige Knackpunkt daran: Alles muss sehr schnell gehen. Zwischen einer Eingabe – etwa dem Druck aufs Bremspedal in einem Rennspiel – und einer auf dem Bildschirm sichtbaren Bremsung, dürfen nur wenige Millisekunden Zeit vergehen. Sonst fühlt sich die Steuerung verzögert an und das Spiel macht keinen Spaß. t-online.de konnte den Dienst vorab im Berliner Google-Büro ausprobieren. Hier unsere Eindrücke:

Einrichtung ist schnell erledigt

Bei Google konnten wir den neuen Dienst an einem Fernseher, auf einem Mittelklasse-Smartphone und auf einem eher schwachbrüstigen Notebook ausprobieren. Die Einrichtung an den jeweiligen Geräten ist dabei recht einfach. Alles was man braucht, ist ein Stadia-Gamecontroller, die Stadia-App und für das Spielen am Fernseher einen Chromecast-Adapter.

Der erste Test erfolgte am Handy, einem Google Pixel 3a. Grundsätzlich sind aber die meisten Android- und iOS-Smartphones dafür geeignet. Das Handy ist mit einem kleinen Gestell auf den Gamecontroller geklemmt, beides mit einem USB-C-Kabel miteinander verbunden. Nach Start der App wählt man ein Spiel aus der Bibliothek und startet.

Sofort losspielen, keine Updates

Ein großer Vorteil hier: anders als bei PC- oder Konsolenspielen ist das Spiel immer bereits mit aktuellen Updates versorgt. Typische Zwangspausen, weil vor dem Spielstart wieder mal ein Update heruntergeladen und installiert werden muss, entfallen. Überhaupt muss auch kein Spiel installiert werden: Hat man einen Titel gekauft, kann sofort losgespielt werden.

Im Test startete "Mortal Kombat 11" so, wie man es von einem schnellen PC-Spiel erwarten würde. In einer kurzen Runde gegen den Computer waren keine störenden Verzögerungen beim Drücken der Tasten auszumachen, das Spiel lief flüssig und sah erheblich besser aus, als das, was Smartphone-Apps grafisch bieten könnten.

Wechsel zwischen den Plattformen im Spiel klappt flüssig

Mit einem Tastendruck gelang der Wechsel vom Handy-Display auf den großen 4K-Fernseher. Das Spiel musste dafür nicht neu geladen werden, die Übergabe war in wenigen Sekunden erledigt. So kann man etwa schnell den Fernseher freigeben, wenn jemand anders ihn nutzen möchte und einfach am Handy oder auf dem Notebook weiterspielen.

Fast genauso schnell geht auch der Wechsel in ein anderes Spiel von statten: Nach einer weiteren Runde "Mortal Kombat 11" erfolgte über die Menütaste der Wechsel zum Online-Shooter Destiny 2. Das – zugegeben etwas ältere – Spiel lief auf dem Fernseher flüssig in 4K-Auflösung. Störende Verzögerungen waren auch hier nicht auszumachen.

Eine Frage der Bandbreite

Wie schön die Spiele auf den heimischen Geräten aussehen, hängt maßgeblich von der Bandbreite des eigenen Internets ab. Google gibt an, dass man für den Dienst mindestens Internet mit 10 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) Bandbreite benötigt. Das reicht allerdings nur für eine Auflösung von 720p. 

Um Spiele in 1080p – also Full HD – sehen zu können, sollten es bereits zwischen 15 und 25 Mbit/s sein. Für 4K-Auflösung schließlich empfiehlt Google einen Internetanschluss mit mindestens 35 Mbit/s. Ob die eigene Leitung genügend Leistung bringt, verrät auch der Google-Stadia-Speedtest.

Natürlich ist der eigene Internet-Anschluss nur ein Teil der Gleichung. Damit die Spielebilder flüssig und vor allem verzögerungsfrei im Wohnzimmer landen, darf der Weg zu den Stadia-Servern nicht zu weit sein. Google verspricht, dass das in ganz Deutschland kein Problem sein soll. Das verantwortliche Rechenzentrum stehe in Frankfurt und binde von Flensburg bis Berchtesgaden die gesamte Republik schnell an. 

Ob das tatsächlich so ist, müssen ausführliche Tests zeigen. Zumindest in Berlin war keine störende Verzögerung zu spüren. Allerdings ist davon auszugehen, dass Google für die Presse-Demonstration die besten Voraussetzungen geschaffen hatte. Das Stadia-System war laut Speedtest mit einer 100-Mbit/s-Leitung mit dem Internet verbunden.

Auch eine Frage des Preises

Wie hoch die Auflösung der Spiele ist, hängt allerdings von einem weiteren Aspekt ab: Um in voller 4K-Auflösung spielen zu können, benötigen Spieler ein kostenpflichtiges Stadia-Pro-Abo. Für 10 Euro monatlich erhält man neben der höchsten Spieleauflösung außerdem 5.1-Surround-Sound sowie einige kostenlose Spiele und Rabatte beim Kauf neuer Spieletitel. Ab dem kommenden Jahr ist außerdem Stadia Base als kostenloses Angebot verfügbar. Hier können Spiele allerdings maximal mit 1080p-Auflösung gespielt werden.

Wer heute noch einsteigen möchte, kann die Stadia Premiere Edition für 129 Euro vorbestellen oder auch noch bis Mitte kommenden Jahres kaufen. Im Preis enthalten sind ein Stadia-Controller, ein Chromecast Ultra um den Fernseher mit Stadia zu verbinden und drei Monate Stadia Pro.

Aktueller Haken: Derzeit kaum Spiele

Damit man ein Spiel über Stadia spielen kann, muss dieses vom Anbieter für den Dienst verfügbar gemacht werden und der Spieler muss es gekauft haben. Zum Start ist die Liste der vefügbaren Titel noch kurz. Allerdings sollen noch in diesem Jahr weitere, aktuelle Spiele folgen, etwa Borderlands 3. Für das kommende Jahr ist unter anderem Cyberpunk 2077 angekündigt.

Ein weiterer Haken ist: Spiele die man bereits für andere Plattformen besitzt, können nicht mit Stadia genutzt werden, selbst wenn sie dort verfügbar sind. Will man einen Titel auch auf Stadia spielen, muss man ihn noch einmal kaufen.

Generell sollen die Spielepreise auf dem Niveau anderer Spiele-Plattformen liegen, erklärte Google auf Nachfrage. Im kommenden Jahr soll übrigens auch eine Family-Sharing-Option kommen, wie es sie etwa schon bei Steam gibt.  

Fazit: Zum Start nur bedingt empfehlenswert

Ganz klar: Stadia hat das Potenzial die Spiele-Branche komplett umzukrempeln. Gaming auf Stadia löst im besten Fall viele Probleme, macht Spielen viel einfacher und für die meisten Nutzer teuer Konsolen oder Spiele-PCs überflüssig. 

Gerade jetzt zum Beginn ist davon aber noch wenig zu sehen. Wer jetzt einsteigt, kann bisher 24 Spiele spielen, viele versprochene Optionen – etwa der kostenlose Stadia-Base-Tarif – sind derzeit noch nicht verfügbar. Trotzdem: Zum Start einer neuen Plattform ist das normal. Im kommenden Jahr könnte das schon ganz anders aussehen. Der Erfolg von Stadia steht und fällt damit, wie gut die Performance im Alltag ist. Das wird in den kommenden Monaten ausführlich getestet werden müssen.


Wer kurz davor steht, sich einen Spiele-PC oder eine Konsole zu kaufen, sollte unter Umständen noch etwas warten. Gut möglich, dass Konsolen und PCs bald zum Spielen unnötig sein werden – denn auch andere Anbieter, etwa Steam oder Microsoft – sollen an vergleichbaren Angeboten arbeiten.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

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