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Der Computer-Klassiker C64 kehrt zurĂĽck

  • Jan Moelleken
Ein Test von Jan Mölleken

Aktualisiert am 21.12.2019Lesedauer: 4 Min.
"The C64": t-online.de-Redakteur Jan Mölleken hat den Nachbau des Computer-Klassikers getestet. (Quelle: t-online)
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Mit "The C64" wurde der Computer-Klassiker der 80er nun in Originalgröße neu aufgelegt. Dabei soll das Gerät wohlige Retrogefühle mit bequemer moderner Technologie vereinen. Wir haben getestet, ob das gelingt.

Wer sich in den 80er- und frĂĽhen 90er-Jahren fĂĽr Computer oder Videospiele interessiert hat, kam an ihm kaum vorbei: Der Commodore C64, von seinen Fans ob seiner Form liebevoll auch "Brotkasten" genannt.


Gelungener Retro-Nachbau: "The C64"

Der "TheC64" ist aus diesem Winkel nicht vom Original zu unterscheiden. Das 119 Euro teure Gerät konnte im Test klar überzeugen und versprüht reichlich Retro-Charme.
Auch der neue Joystick ist gelungen. Stabiler und präziser ist er geworden. So macht Zocken am C64-Nachbau Spaß.
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Bereits im vergangenen Jahr wollte Retro Games mit Veröffentlichung des "C64 Mini" die Erinnerungen an den Klassiker wachrütteln. Doch dieser erste Versuch enttäuschte viele. Die Technik steckte in einer geschrumpften C64-Attrappe: Eine funktionierende Tastatur gab es nicht, auch der mitgelieferte Joystick erwies sich als unpräzise und billig.

Das Unternehmen hat sich die Kritik offenbar zu Herzen genommen und in beiden Punkten erheblich nachgebessert: Der "The C64" – im Handel oft auch mit dem Zusatz "Maxi" versehen – kommt am kommenden Montag für 119 Euro in Originalgröße, mit funktionierender Tastatur und einem spürbar stabileren Joystick auf den Markt. Wie der aussieht, sehen Sie oben im Video.

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Große Ähnlichkeit – kleine Unterschiede

Schon beim ersten Mal in die Hand nehmen macht "TheC64" einen tollen Eindruck: Das Original wurde mit viel Liebe zum Detail nachempfunden, der Heimcomputer sieht auf den ersten Blick genau so aus, wie Commodores Gerät in den 80er-Jahren.

Erst der Blick auf die seitlich und hinten angebrachten Anschlüsse verrät den Nachbau: Seitlich findet man statt der Joystick-Anschlüsse drei moderne USB-A-Ports. Hier wird der mitgelieferte Joystick eingesteckt sowie bei Bedarf USB-Datenträger.

Die RĂĽckseite bietet noch einen weiteren USB-A-Anschluss sowie einen weiteren Micro-USB-Port fĂĽr die Stromversorgung. AuĂźerdem eindeutig modern: Der HDMI-Anschluss. Hier wird der C64-Nachbau mit modernen Fernsehern oder Monitoren verbunden, ein Kabel liegt in der Box.

Einrichtung und Bedienung

Die Einrichtung klappt erfreulich schnell: Stromkabel, Joystick und HDMI-Kabel einstecken, anschalten und einige Einstellungen vornehmen. Nach weniger als fĂĽnf Minuten kann bereits die erste Runde "California Games" gespielt werden.

Zuvor muss lediglich gewählt werden, ob der heimische Fernseher in 50 Hz oder 60 Hz angesteuert werden soll und ob man den C64 nach dem Einschalten über ein grafisches Interface – den Carousel-Mode – per Joystick bedienen möchte oder ganz klassisch wie damals mit Basic-Befehlen.

Darüber hinaus lässt sich in den Einstellungen die Darstellung noch weiter an damalige Bildschirme anpassen, etwa durch einen CRT- bzw. Röhren-Modus, der alles noch etwas mehr nach 80er-Jahren aussehen lässt.

Im Video lässt sich dieser Effekt gut in den Spielszenen erkennen.

Einen wirklich ansprechenden Eindruck macht auch der neue Joystick. Der ist klar dem Klassiker "Competition Pro" nachempfunden. Zwar vermag er nicht ganz die Unzerstörbarkeit ausstrahlen, die von dem damaligen Standardsteuergerät ausging – er wirkte im Test aber durchaus gut verarbeitet und ließ sich dank nun verbauter, laut hörbar klickender Microswitches auch präzise bedienen.

Bedienung: Einfach oder authentisch?

Das tolle am "TheC64" ist, dass er dem Anwender freistellt, wie authentisch die Bedienung sein soll. Wer einfach nur zwischendurch einige Spieleklassiker spielen will, muss dafür keine Basic-Befehle lernen: Im Carousel-Modus können alle vorinstallierten Spiele über ein Medienmenü per Joystick ausgewählt und gestartet werden. Dazu ist der mitgelieferte Joystick mit vier weiteren Menütasten ausgestattet, die etwa jederzeit eine Rückkehr ins Hauptmenü oder die Systemeinstellungen erlauben.

Doch wer will, darf auch die originale C64-Erfahrung machen und wird nach dem Systemstart vom blinkenden Cursor der Basic-V2-Oberfläche empfangen. So lädt der Befehl "LOAD"$",8" tatsächlich den Inhalt des virtuellen Diskettenlaufwerks, mit "List" kann man ihn sich daraufhin anzeigen lassen. Um dem virtuellen Laufwerk jedoch etwa eine Datei auf einem USB-Stick zuzuweisen, muss man dann doch die authentische Basic-Oberfläche verlassen und im Medienbrowser eine entsprechende Datei zuweisen.

Genauso lässt sich auch eine virtuelle leere Diskette einlegen, auf der etwa Spielstände oder eigene Basic-Programme gespeichert werden können. Ja, tatsächlich dürfen eigene Basic-Programme auf dem "TheC64" geschrieben und ausgeführt werden, ganz wie auf dem alten Brotkasten.

Spieleauswahl und Erweiterbarkeit

Ab Werk werden 64 Spiele mitgeliefert. Darunter Klassiker wie "Boulder Dash", "Jumpman", "Speedball 2", "Paradroid" und natĂĽrlich die Joystick-RĂĽttelfraktion "California Games", "Summer Games", "Winter Games" und "World Games". Die komplette Liste finden Sie hier.

Das sorgt schon für viel Spaß – etliche Spiele fehlen jedoch. Die gute Nachricht: Per USB-Stick können beliebige C64-Spiele mit wenigen Joystick-Klicks oder auch über die bekannten Basic-Befehle auf der C64-Neuauflage gespielt werden. Im Test haben wir das mit verschiedenen Spielen ausprobiert und sind dabei auf keine Probleme gestoßen.

Im Netz findet man zudem zahllose C64-Spiele, etwa im Onlinemuseum archive.org. Aufgrund einer Ausnahmegenehmigung dürfen dort etwa Spiele von alten, nicht mehr erhältlichen Plattformen direkt im Browser-Emulator gespielt werden. Dort werden die zugehörigen C64-Programme direkt als Download angeboten. Inwieweit ein solcher Download legal ist, gilt allerdings als umstritten.

Fazit: Der zweite Versuch ist ein Volltreffer

Mit dem jetzt veröffentlichten "The C64" hat Retro Games endlich die Erwartungen erfüllt, die man schon ein Jahr zuvor mit dem Mini-Modell geweckt hatte.

Der Kompromiss, moderne, leicht zu nutzende Technik und Schnittstellen zu nutzen, um ein möglichst authentisches Spielgefühl zu bieten, ist wirklich gut gelungen. Mit knapp 120 Euro ist die C64-Neuauflage zwar spürbar teurer als die Mini-Version – dafür erhält man aber ein besseres und insgesamt stimmiges Paket.

Insbesondere die einfache Einbindung weiterer C64-Programme und die Möglichkeit, das Gerät ganz klassisch mit der verbauten Tastatur und der Basic-Oberfläche zu nutzen, machen den "TheC64" zu einem vielseitigen Retro-Computer, mit dem Fans auch langfristig Spaß haben können. Wer die Zeit mit dem C64 damals liebte, wird dem Charme dieser Neuauflage vom ersten Augenblick an erliegen, wie man im Video zu unserem Test oben im Text schon spüren kann.

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