Sie sind hier: Home > Digital > Internet & Sicherheit > Sicherheit >

Neue Verfassungsbeschwerde gegen Staatstrojaner

Von Anwälten und Journalisten  

Neue Verfassungsbeschwerde gegen Staatstrojaner

24.08.2018, 14:49 Uhr | dpa

Neue Verfassungsbeschwerde gegen Staatstrojaner. Pressekonferenz zu Staatstrojaner: Jetzt hat auch ein Bündnis aus Anwälten und Journalisten Verfassungsbeschwerde gegen das Überwachungs-Tool eingelegt.  (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)

Pressekonferenz zu Staatstrojaner: Jetzt hat auch ein Bündnis aus Anwälten und Journalisten Verfassungsbeschwerde gegen das Überwachungs-Tool eingelegt. (Quelle: Wolfgang Kumm/dpa)

Ein Bündnis aus Journalisten und Anwälten hat Verfassungsbeschwerde gegen den Staatstrojaner eingelegt. Ein Vorwurf: Wegen des Staatstrojaners werden Sicherheitslücken absichtlich nicht geschlossen – und das schadet am Ende allen.

Ein Jahr nach der Legalisierung des Einsatzes sogenannter Staatstrojaner in der Verbrechensbekämpfung haben die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) und der Deutschen Anwaltverein (DAV) beim Bundesverfassungsgericht Beschwerde gegen einen massenhaften Einsatz von Spähsoftware eingelegt.

Unter den fünf Beschwerdeführern sind der in Deutschland im Exil lebende türkische Journalist Can Dündar, der ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt und der Grünen-Politiker Konstantin von Notz. Sie verlangen vom Staat, Sicherheitslücken in IT-Systemen zu beseitigen, statt sie für die Strafverfolgung auszunutzen.

Anfang August hatten bereits Datenschützer um den Verein Digitalcourage Verfassungsklage in Karlsruhe eingereicht. Außerdem klagen FDP-Politiker gegen den Staatstrojaner.

"Eingriff in die Privatsphäre"

Seit Sommer 2017 dürfen Ermittler zur Aufklärung zahlreicher Straftaten nicht nur Telefone abhören, sondern auch Informationen auf Computern und Smartphones mitlesen. Dafür dürfen sie unbemerkt vom Nutzer eine Spionage-Software installieren. Vorher waren solche Maßnahmen nur zur Terrorabwehr erlaubt. In diesem Jahr könnte nach GFF-Berechnungen theoretisch in 30.000 bis 40.000 Fällen ein Staatstrojaner eingesetzt werden, in denen klassische Telefonüberwachung gerichtlich erlaubt ist.

"Die Online-Durchsuchung ist der schwerste Eingriff in die Privatsphäre im Ermittlungsverfahren, den es je gegeben hat. Sie darf, wenn überhaupt, nur in ganz besonderen Ausnahmefällen eingesetzt werden", sagte der GFF-Vorsitzende Ulf Buermeyer am Freitag in Berlin. "Das ist derzeit nicht gewährleistet."

Sicherheitslücken werden nicht geschlossen

"Wenn Trojaner massenhaft für Online-Durchsuchungen eingesetzt werden dürfen, schafft das für Ermittler einen starken Anreiz, Sicherheitslücken in IT-System geheim zu halten und aus taktischen Gründen nicht zu schließen", sagte Buermeyer. So habe beispielsweise der WannaCry-Trojaner große Schäden angerichtet und Teile des britischen Gesundheitssystems lahmgelegt. Die entsprechende Sicherheitslücke sei dem US-Geheimdienst NSA schon seit Jahren bekannt gewesen und hätte geschlossen werden können. "Nur um einige Kriminelle zu hacken, dürfen nicht Millionen einem hohen Sicherheitsrisiko ausgesetzt werden." Zum Zeitpunkt der WannaCry-Attacke gab es zwar schon Updates, die die Lücke schlossen, aber viele Anwender und Firmen hatten sie nicht installiert.

Der Hamburger Strafverteidiger Gerhard Strate, der federführend die Beschwerdeschrift formuliert hatte, sagte, es gebe Schutzpflichten des Staates, die durch die Regelungen zum Staatstrojaner massiv verletzt würden.

Keine Digital-News mehr verpassen: Folgen Sie dem Digital-Kanal von t-tonline.de auf Facebook oder Twitter.

Der türkische Journalist Can Dündar sagte, Firmen wie Apple bräuchten Hinweise auf Schwachstellen, damit die Sicherheitslücken geschlossen werden und nicht für Abhörmaßnahmen ausgenutzt werden könnten. Die türkische Regierung habe jüngst einen Virus auf Handys und Computer von Oppositionellen gespielt, die sich für eine regimekritische Demonstration interessiert hätten. Der Trojaner sei von einer Firma in Deutschland an die türkische Regierung verkauft worden. "Ich beteilige mich an der Verfassungsbeschwerde, damit die deutsche Bundesregierung wieder eine führende Rolle in Sachen IT-Sicherheit einnehmen wird."

Die vor drei Jahren gründete GFF finanziert und koordiniert gerichtliche Verfahren, wenn sie Grund- und Menschenrechte von staatlicher Seite aus verletzt sieht. Im Deutschen Anwaltverein sind knapp 65.000 Rechtsanwälte organisiert.

Verwendete Quellen:
  • dpa

Ihre Meinung zählt!

Wir freuen uns auf angeregte und faire Diskussionen zu diesem Artikel.
Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

Gefällt 0 Gefällt nicht0
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Palazzo-Trend: farbenfroh, an- gesagt & locker geschnitten
zu den Palazzo-Hosen bei C&A
Anzeige
Mieten statt kaufen: „Technik-Trends, die du brauchst“
OTTO NOW entdecken
Gerry Weberbonprix.deOTTOCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Digital > Internet & Sicherheit > Sicherheit

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe