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Dividendenstripping: Cum-Ex-Geschäfte – Was ist das eigentlich?


SCHNELL ERKLÄRTCum-Ex-Geschäfte  

So funktionierte der Milliarden-Betrug

Von Sabrina Manthey

18.10.2018, 15:56 Uhr
Dividendenstripping: Cum-Ex-Geschäfte – Was ist das eigentlich?. Reflektion auf Glas: Läuft es gut an der Börse, schütten Unternehmen in der Regel eine Dividende aus, auf die Kapitalertragssteuer fällig wird. (Quelle: Getty Images/Nikada)

Reflektion auf Glas: Läuft es gut an der Börse, schütten Unternehmen in der Regel eine Dividende aus, auf die Kapitalertragssteuer fällig wird. (Quelle: Nikada/Getty Images)

Der Schaden durch Dividenden-Steuertricks ist deutlich größer als bislang angenommen. Mit Steuertricks haben sich Aktionäre jahrelang Steuern rückerstatten lassen, die sie nie gezahlt haben. Wir erklären, wie der Beutezug durch ganz Europa funktionierte. 

Bei den Cum-Ex-Geschäften wurde jahrelang eine  rechtliche Lücke rund um den Tag der Dividendenzahlung von Aktien ausgenutzt. Dabei wurden Aktien mit einem Anspruch auf die Dividende ("cum") und ohne Anspruch ("ex") zwischen mehreren Beteiligten hin- und hergeschoben. Das Ziel: mehrere Steuererstattungen durch die Finanzämter. Banken, Finanzberater, Anwälte, Notare – sie alle verdienten an dem Geschäft.

Wie funktionieren Cum-Ex-Geschäfte?

Börsennotierte Unternehmen schütten in der Regel einmal im Jahr eine Dividende an ihre Aktionäre aus und werden so am Gewinn beteiligt. Stichtag ist der Tag vor der Dividendenzahlung. Wer zu diesem Zeitpunkt im Besitz der Aktien war, erhält die Dividende ausgezahlt. Auf diese wird Kapitalertragsteuer fällig. Darüber erhält der Aktionär eine Bescheinigung, die die Bank ausstellt. Auf diese haben es die Beteiligten bei den Cum-Ex-Geschäften abgesehen. Denn sie können Verluste, die sie an anderer Stelle einfahren, mit den steuerlichen Abzügen verrechnen.

Ziel und Zweck der Cum-Ex-Geschäfte – auch Dividendenstripping genannt – war es, für größtmögliche Verwirrung zu sorgen. Mit dem raschen Zirkulieren der Aktien zwischen Anspruchsberechtigten und nicht Anspruchsberechtigten rund um den Stichtag der Dividendenzahlung sollte das Finanzamt am Ende nicht mehr wissen, wer zu diesem Zeitpunkt Aktionär des Unternehmens ist. Das Ergebnis: Die Steuerbehörden stellten mehr Steuererstattungsbescheide aus, als eigentlich rechtens. Steuern, die eigentlich gezahlt werden mussten, entgingen dem Fiskus.

Was haben Leerverkäufe damit zu tun?

Eine zentrale Rolle spielten auch Leerverkäufe, bei denen die Wertpapiere kurz vor dem Dividendenstichtag leer verkauft wurden. Das heißt: Investoren verkaufen Papiere, die sie nicht besitzen und besorgen sich diese nachfolgend am Markt. Liegt der Kurs unterhalb des ursprünglichen Verkaufskurses, streichen sie einen Gewinn ein.

Bei den Cum-Ex-Geschäften wurde das Leergeschäft vor dem Dividendenstichtag aufgesetzt. Verkäufer und Käufer einigten sich über Preis und Zeitpunkt der Transaktion, verschleierten jedoch, wer wann welche Aktie besessen hat. Das Ergebnis: Die Steuerbehörden stellten zu viele Steuererstattungen aus.

Wie funktioniert der Schwindel über Ländergrenzen hinweg?

Das Ganze funktioniert auch über die Ländergrenzen hinweg. Die an ausländische Investoren ausgeschüttete Dividende unterliegt ebenfalls der Kapitalertragsteuer. Ein Recht auf steuerliche Erstattung haben sie jedoch nicht. Der Kniff dabei: Ausländische Inhaber von deutschen Aktien verkaufen diese vor dem Dividendenstichtag zum Beispiel an eine Bank mit Sitz in Deutschland. Diese bekommt die Dividende ausgeschüttet und die Steuerbescheinigung vom Fiskus. Danach gehen die Aktien wieder an den ursprünglichen Besitzer zurück – samt Steuererstattung. Die Bank – hier als Beispiel genommen – erhält dafür eine "Bearbeitungsgebühr".

Gibt es einen Haken? Ja, für den deutschen Partner. Da der Aktienbesitzer nicht dem deutschen Steuerrecht unterliegt, trägt der deutsche Partner des Deals das Risiko möglicher Steuernachforderungen.

Welche Dimensionen hat der Cum-Ex-Skandal?

Der Schaden durch das Dividendenstripping beläuft sich europaweit auf mindestens 55,2 Milliarden Euro, so das Recherchezentrum "Correctiv". Deutschen Finanzämtern sind nach Berechnungen der Universität Mannheim zwischen 2001 und 1016 mindestens 31,8 Milliarden Euro entgangen. Dieser Praxis wurde in Deutschland 2012 ein Riegel vorgeschoben. Die anderen europäischen Länder wurden jedoch erst 2015 von Deutschland vor den Dividenden-Steuertricks gewarnt.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Recherchezentrum "Correctiv"
  • Reuters
  • dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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