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Mischfonds: Lohnt sich die Geldanlage?

Aktien und Anleihen  

In Mischfonds investieren: Lohnt sich das?

08.09.2020, 17:35 Uhr | cho, t-online

Mischfonds: Lohnt sich die Geldanlage?. Kursentwicklung einer Geldanlage (Symbolbild): Mischfonds kosten oft vergleichsweise viel. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/ ipopba)

Kursentwicklung einer Geldanlage (Symbolbild): Mischfonds kosten oft vergleichsweise viel. (Quelle: ipopba/Thinkstock by Getty-Images)

Angepriesen werden sie als Rundum-Sorglos-Paket, doch wie rentabel sind Mischfonds wirklich? Wir erklären, wie die Geldanlage funktioniert und was ihre Vor- und Nachteile sind.

Es klingt erst einmal nicht schlecht: ein Produkt kaufen, mehrere Anlageklassen bekommen. Das ist das Konzept von Mischfonds. Gerade Anfängern werden sie häufig angepriesen, weil Sie für diese Art der Geldanlage weder viel Zeit noch viel Startkapital brauchen. Aber sind Mischfonds wirklich sinnvoll? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Was ist ein Mischfonds?

Mischfonds sind Investmentfonds, mit denen Sie in Aktien und Anleihen (auch Renten genannt) gleichzeitig investieren. Die Idee dahinter: Verluste in einer Anlageklasse sollen durch Erträge in einer anderen ausgeglichen werden – und zwar direkt innerhalb eines Fonds.

Sie müssen also Aktien- und Anleihen- beziehungsweise Rentenfonds nicht selbst zusammenstellen, sondern haben mit einem Mischfonds direkt beides. Ob in einem Mischfonds der Aktien- oder Anleihen-Anteil größer ist, hängt von der dahinterstehenden Strategie ab. 

Wenn Sie zum Beispiel bereit sind, mehr Risiko zu gehen, um womöglich höhere Erträge einzufahren, auch Rendite genannt, würden Sie sich für einen Mischfonds entscheiden, der Aktien stärker gewichtet. Fahren Sie lieber etwas sicherer und sind bereit, dafür eine niedrigere Rendite in Kauf zu nehmen, sind Mischfonds mit größerem Anleihen-Anteil im Portfolio die bessere Wahl.

Neben diesen klassischen Mischfonds gibt es sogenannte flexible Mischfonds, die weitere Anlageklassen einbeziehen dürfen – zum Beispiel Immobilien und Rohstoffe. Der Fondsmanager kann hier die Gewichtung zwischen den verschiedenen Anlageklassen kurzfristig ändern. Sinken beispielsweise die Aktienkurse, könnte er Ihr Geld in Immobilien umschichten. Steigt der Goldkurs, lenkt er einen Teil Ihres Vermögens dort hin.

Wie bei allen Investmentfonds gilt auch bei Mischfonds: Sie müssen hier die Wertpapiere nicht selbst einzeln kaufen – denn der Fonds ist bereits ein Korb aus vielen einzelnen Wertpapieren. Mischfonds werden auch Multi Asset Fonds genannt, weil sie aus mehreren sogenannten Assets bestehen. Asset ist das englische Wort für Anlageklasse, auch Assetklasse genannt.

Sind Mischfonds eine sinnvolle Geldanlage?

Mischfonds scheinen gleich mehrere Vorteile zu haben: Mit ihnen sollen die Gefahren riskanterer Anlagen wie Aktien durch weniger riskante Anlageklassen wie Anleihen ausgeglichen werden – und das innerhalb eines Produktes. Das Fondsvermögen gilt außerdem als Sondervermögen. Selbst wenn die Fondsgesellschaft insolvent gehen sollte, wäre Ihr Geld also geschützt.

Allerdings: Es gibt auch andere Arten der Geldanlage, die als Sondervermögen gelten, und bei denen Sie günstiger wegkommen. Was uns zu dem entscheidenden Nachteil von Mischfonds führt: ihre Kosten.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Bremen beginnen die aktiv von einem Fondsmanager verwalteten Mischfonds bei 1,5 Prozent pro Jahr und liegen teilweise deutlich über zwei Prozent. Vor allem die verschiedenen Anlageklassen machen es aufwendig, den Fonds zu verwalten.

Hinzu kommen oft noch die Kosten für den Kauf von Fondsanteilen, der sogenannte Ausgabeaufschlag. Der liegt meist zwischen 3 und 6 Prozent. All das schmälert am Ende Ihre Rendite. Es gibt allerdings auch immer wieder Angebote, bei denen kein Ausgabeaufschlag fällig wird.

Für einen Mischfonds spricht also allenfalls, dass Sie sich als Anleger selbst nicht zu kümmern brauchen, weil der Fondsmanager alles regelt. Nur wenn Ihnen dieser Komfort die vergleichsweise niedrigere Rendite wert ist, sollten Sie auf Mischfonds setzen.

Wichtig dabei: Mischfonds eignen sich nur für die langfristige Geldanlage. Das heißt, Sie sollten Schwankungen aussitzen können und so kurzfristige Verluste auf lange Sicht wieder auszugleichen. Wer kurzfristig Mittel benötigt, für den bieten sich Mischfonds eher nicht an.

Was sollten Sie beim Kauf beachten?

Wer trotz der Kosten in einen Mischfonds investieren will, sollte mit Bedacht vorgehen. "Wenn man ein Angebot liest und sich denkt, dass das ein toller Fonds ist, dann bloß nicht gleich kaufen", rät Christian Exner von der WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH in Düsseldorf. Er empfiehlt, sich das Factsheet zu dem Fonds in Ruhe durchzulesen und sich zu überlegen, ob der Fonds tatsächlich zum eigenen Anlageverhalten passt.

"Wichtig ist auch, sich anzuschauen, wie sich der Fonds in den vergangenen drei bis fünf Jahren entwickelt hat", so Exner. Welche Renditen wurden erzielt, wie stabil war der Fonds in schwachen Marktphasen? "Je konsistenter sich ein Fonds über eine längere Zeit in seiner Entwicklung zeigt, desto besser für den Anleger", betont Exner. Allerdings: Die historische Entwicklung gibt höchstens einen Hinweis, aber niemals eine Garantie für die Zukunft.

Anleger sollten auch darauf achten, ob über die Jahre hinweg immer der gleiche Fondsmanager in Verantwortung war. "Ist dies der Fall, dann ist dies ein gutes Zeichen", sagt Exner. Es zeigt, dass langfristig gedacht und mit dem Fonds eine feste Strategie verfolgt wird. Weniger positiv ist es, wenn der Fondsmanager ständig wechselt – "ein Wechsel bringt immer Veränderung, womöglich eine neue Strategie und damit letztendlich auch ein Stück Unsicherheit mit", erklärt der Finanzexperte.

Was ist besser: Mischfonds oder ETF?

Mischfonds schaffen es laut Verbraucherzentrale höchstens phasenweise, die Wertentwicklung eines vergleichbaren Finanzprodukts zu übertreffen. Zu diesem Schluss kommt auch die jüngste Untersuchung aktiv gemanagter Fonds der Zeitschrift "Finanztest" (Heft 06/2020) der Stiftung Warentest. Viele Produkte blieben demnach hinter ihrem Vergleichsindex zurück. Das bedeutet, dass sie ihr Ziel verfehlt haben, sich besser zu entwickeln als der Gesamtmarkt.

Enttäuscht zeigten sich die Tester vor allem von flexiblen Mischfonds. In der Gruppe Mischfonds flexibel mit weltweitem Anlageportfolio konnten nur 14 Prozent der Fonds überzeugen. Besser wäre für Anleger gewesen, Sie hätten in einen ETF ("Exchange Traded Fund") auf den internationalen Index MSCI World investiert.

ETFs sind spezielle Aktienfonds, also eine Sammlung vieler verschiedener Aktien, bei denen ein Computeralgorithmus einen Aktienindex wie etwa den MSCI World oder den Dax nachbildet. Der Wert von ETFs entwickelt sich also immer so, wie sich der Index entwickelt, den sie abbilden. Weil Sie diese Indexfonds zu niedrigen Kosten bekommen, die Rendite von ETFs am Ende oft höher als bei klassischen Investmentfonds.

Eine besonders deutliche Meinung zu Mischfonds hat der Wirtschaftswissenschaftler und Vermögensberater Gerd Kommer. In seinem Buch "Souverän Investieren mit Indexfonds & ETFs" schreibt er: "Mischfonds sind eine als Liebesheirat vermarktete, traurige Zwangsehe aus einem Aktienfonds und einem Anleihenfonds. Anleger sind fast immer besser bedient, wenn sie Aktienfonds und Anleihenfonds einzeln einkaufen."

Kommer bemängelt vor allem die "unklare Wischi-Waschi-Anlagestrategie" flexibler Mischfonds, die darauf basiere, dass Fondsmanager versuchen, den besten Zeitpunkt für Kauf und Verkauf der Anlageklassen vorherzusehen – eine Strategie, die von der Wissenschaft als reine Glückssache enttarnt wurde.

Und weiter: "Besonders unappetitlich ist das Gebührenniveau von Mischfonds relativ zu einer 50/50-Kombination aus Aktien- und Anleihen-ETFs. Dieses Gebührenverhältnis ist noch ungünstiger als bei reinen Aktienfonds oder Anleihenfonds, weil der Mischfonds-Anleger die hohen Aktienfondsgebühren auch auf den Anleihenteil zahlt." 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen
  • boerse.ard.de
  • finanztreff.de
  • finanztip.de
  • Gerd Kommer: "Souverän investieren mit Indexfonds & ETFs"
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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