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Inhaberschuldverschreibung: Was ist das? Wie funktioniert das?


Chancen und Risiken  

Wie funktionieren Inhaberschuldverschreibungen?

21.10.2020, 13:44 Uhr
Inhaberschuldverschreibung: Was ist das? Wie funktioniert das?. Börsenhändler vor Monitoren (Symbolbild): Der Besitzer von Inhaberschuldverschreibungen kann diese an der Börse handeln. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/gorodenkoff)

Börsenhändler vor Monitoren (Symbolbild): Der Besitzer von Inhaberschuldverschreibungen kann diese an der Börse handeln. (Quelle: gorodenkoff/Thinkstock by Getty-Images)

Weil klassische Geldanlagen kaum noch Erträge bringen, setzt so mancher auf Inhaberschuldverschreibungen. Wir erklären, was hinter dem Wortungetüm steckt und welche Vor- und Nachteile die Anlageform hat.

Ohne Risiko keine Rendite – diese Regel ist bei der Geldanlage unumstößlich. Und sie zeigt sich umso deutlicher im derzeitigen Zinstief. Vermögen, das ausschließlich sicher auf dem Tages- oder Festgeldkonto liegt, wirft kaum noch Gewinne ab. Eine renditestarke Alternative sind sogenannte Inhaberschuldverschreibungen, zu denen etwa auch Staats- oder Unternehmensanleihen zählen.

Dafür müssen Anleger aber gewillt sein, mehr Risiko einzugehen. Wir zeigen Ihnen, was sich hinter dem sperrigen Begriff genau verbirgt, welche Chancen Schuldverschreibungen bieten – und wo die Nachteile liegen.

Was ist eine Inhaberschuldverschreibung?

Eine Inhaberschuldverschreibung ist ein Wertpapier, das bestimmte Rechte seines Besitzers gegenüber einem Schuldner verbrieft. Der Schuldner ist in dem Fall der Herausgeber des Wertpapiers, auch Emittent genannt. Das können Kreditinstitute, aber auch Staaten oder Unternehmen aus Industrie, Handel oder Verkehr sein.

Der Käufer der Schuldverschreibung gibt dem Emittenten sozusagen einen Kredit. Im Gegenzug erhält er Zinsen. Allerdings gibt es auch spezielle Arten von Inhaberschuldverschreibungen, die so riskant sind, dass am Ende gar kein Ertrag herausspringen könnte (mehr dazu unten).

Anders als Geld, dass Sie auf einem Bankkonto liegen haben, ist Ihr eingesetztes Kapital bei Inhaberschuldverschreibungen zudem nicht durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Und es gilt – anders als ein Direktinvestment in Aktien und Fonds – nicht als Sondervermögen.

Das bedeutet: Geht der Herausgeber der Schuldverschreibung pleite, ist Ihr Geld Teil der Insolvenzmasse – und damit sehr wahrscheinlich verloren. Diese Gefahr nennt sich Emittentenrisiko. Eine Ausnahme sind Sparkassen-Inhaberschuldverschreibungen, die gesondert abgesichert sind.

Im Gegensatz zu Namensschuldverschreibungen wird der Besitzer bei Inhaberschuldverschreibungen nicht namentlich aufgeführt. Dadurch kann das Wertpapier problemlos übertragen und einfach an der Börse gehandelt werden. Experten sprechen auch von eine hohen Verkehrsfähigkeit, hoher Börsengängigkeit oder – noch fachsprachlicher – Fungibiliät.

Welche Arten von Schuldverschreibungen gibt es?

Inhaberschuldverschreibungen gibt es in mehreren Varianten, die sich unter anderem darin unterscheiden, wer der Emittent ist, wie sie verzinst werden oder welche Laufzeit sie haben.

Wichtige Arten von Inhaberschuldverschreibungen sind:

  • Staatsanleihen: Staaten versorgen sich über Bundesanleihen mit frischem Kapital. Wichtige Merkmale sind, dass sie lange laufen und stabil verzinst werden – allerdings im derzeitigen generellen Zinstief eher schwach.
  • Unternehmensanleihen: Auch Unternehmen können Anleihen, auch Rentenpapiere genannt, ausgeben. Damit sichert sich das Unternehmen von Anlegern Kredite, für die es Zinsen zahlen muss.
  • Wandelanleihen: Diese Art der Inhaberschuldverschreibung gibt Ihnen die Möglichkeit, das Wertpapier innerhalb eines vorab vereinbarten Zeitrahmens und in einem vorher festgelegten Verhältnis in Aktien zu tauschen. Das kann sich lohnen, wenn der Aktienkurs eines Unternehmens steigt.
  • Pfandbriefe: Mit Pfandbriefen sichern Sie sich das Recht, eine als Sicherheit hinterlegte Sache verwerten zu dürfen, wenn der Schuldner den Kredit nicht zurückzahlen kann. So gibt es beispielsweise Hypothekenpfandbriefe, Schiffspfandbriefe, Flugzeugpfandbriefe und Öffentliche Pfandbriefe für Kredite an Kommunen.
  • Zertifikate: Herausgeber dieser hoch spekulativen Inhaberschuldverschreibungen sind Banken. Sie schließen mit ihnen sozusagen eine Wette darüber ab, wie sich ein bestimmtes Wertpapier, zum Beispiel eine Aktie, entwickeln wird. Zertifikate können sich aber auch auf die Kurse von Indizes, Rohstoffen oder Währungen beziehen. Im Gegensatz zu anderen Schuldverschreibungen gibt es hier keine garantierte Verzinsung. Je nach Art des Zertifikats ist sogar ein Totalverlust wahrscheinlich. Beispiele für solche sehr riskanten Zertifikate sind Faktor-Zertifikate und Knock-out-Zertifikate, die auch Hebelprodukte genannt werden.

Welche Vorteile und Nachteile haben sie?

Die Chancen und Risiken hängen stark von der Art der Inhaberschuldverschreibung ab. Gemein sind ihnen als Vorteile jedoch, dass sie leicht übertragbar sind, dass hohe Erträge möglich sind und sie an jedem Börsentag zu Geld gemacht werden können.

Die Kehrseite der starken Rendite ist als Nachteil das Risiko, das Sie mit manchen Inhaberschuldverschreibungen eingehen müssen. Während Bundesanleihen zum Beispiel ein hohes Maß an Sicherheit versprechen, ist das bei Zertifikaten ganz und gar nicht der Fall. Je nach Funktionsweise kann es passieren, dass Sie hohe Verluste einfahren oder Ihr eingesetztes Kapital sogar komplett verlieren.

Hinzu kommt das Emittentenrisiko, also die Gefahr, dass im Fall einer Insolvenz des Herausgebers Ihr Geld ebenfalls weg ist. Dieses Risiko können Sie minimieren, wenn Sie auf eine hohe Bonität, also Kreditwürdigkeit, des Emittenten achten. Schauen Sie sich dafür die Bewertungen von Ratingagenturen und die Geschäftszahlen an.

Für wen eignen sich Inhaberschuldverschreibungen?

Das hängt davon ab, für welche Art von Inhaberschuldverschreibung Sie sich entscheiden. Anleihen sind auch für Anfänger leicht zu verstehen und – wenn sie von Staaten mit Top-Bonität herausgegeben werden – eine Alternative zu Tages- und Festgeld.

Zertifikate sollten hingegen den Profis überlassen bleiben. Denn dabei geht es tatsächlich eher ums Zocken als um solide Geldanlage.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Wirtschaftslexikon Gabler
  • Bürgerliches Gesetzbuch § 793 ff.
  • financescout24.de
  • finanzen.net
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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