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Spacs: Was der neue Börsentrend für Anleger bedeutet – und welche Risiken es gibt


Spacs  

Was der neuste Börsenhype für Anleger wirklich heißt

03.03.2021, 23:09 Uhr
Spacs: Was der neue Börsentrend für Anleger bedeutet – und welche Risiken es gibt. New Yorker Wall Street (Symbolbild): In den USA sind SPACs weit verbreitet. Nun schwappt der Trend auch nach Deutschland. Was heißt das für Anleger? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/scottiebumich)

New Yorker Wall Street (Symbolbild): In den USA sind SPACs weit verbreitet. Nun schwappt der Trend auch nach Deutschland. Was heißt das für Anleger? (Quelle: scottiebumich/Thinkstock by Getty-Images)

Es gibt einen neuen alten Trend am Aktienmarkt: Spacs. Das sind leere Unternehmenshüllen, die eine andere Firma in kurzer Zeit an die Börse bringen wollen. Für Anleger kann sich das lohnen, doch es gibt auch Risiken.

"Der Börsentrend", "der neue Hype", "das heißeste Ding": Zurzeit überschlagen sich deutsche Medienberichte mit solchen Überschriften. Die Rede ist stets von einem "Spac".

Gemeint ist damit eine Spezialform eines regulären Börsengangs. Sind Spacs in den USA schon länger bekannt, machen sich die vier Buchstaben inzwischen auch hierzulande allmählich breit.

Doch was sind Spacs überhaupt? Wie funktionieren sie? Und welche Chancen und Risiken müssen Anleger bei Spacs berücksichtigen? t-online erklärt Ihnen, was der neue Börsenhype für Sie wirklich bedeutet.

Was sind Spacs – und wie funktionieren sie?

Spacs sind spezielle Firmen, die letztlich nur eine leere Hülle darstellen. Die Abkürzung Spac steht für "Special Purpose Acquisition Company". Auf Deutsch lässt sich das in etwa so übersetzen: "Akquisitionsgesellschaft, die einen bestimmten Zweck verfolgt".

Der Zweck ist dabei schnell erklärt: Ein Spac, oder vielmehr die Spac-Führung, sammelt Geld von Investoren ein, bringt Aktien einer Börsenmantelfirma heraus und begibt sich dann auf die Suche nach einem Unternehmen, das später in den Mantel schlüpft – um so flugs zur börsennotierten Aktiengesellschaft zu werden. 

Gut zu wissen: Die Betreiber eines Spacs nennt man auch Sponsoren. Oft handelt es sich dabei um eine bekannte Investorenpersönlichkeit, der viele Anleger vertrauen.

Wie funktionieren Spacs genau?

  • Im ersten Schritt müssen Investoren dem Spac eine große Summe Geld zur Verfügung stellen, oft nicht weniger als eine Million US-Dollar. Nun geht das Spac an die Börse. Die Aktien starten dann meist zu einem Preis von zehn Dollar, sodass die Investoren einen vergleichsweise großen Berg an Spac-Anteilen erhalten.
  • Jetzt, im zweiten Schritt, können Privatanleger Anteile des Spacs kaufen. Dabei wissen sie noch nicht, welche Firma später in den Börsenmantel schlüpft. Nun versucht das Unternehmen, die Hülle zu füllen – etwa mit einem Start-Up. Während der Zeit liegt das eingezahlte Geld auf einem Treuhandkonto und wird marktüblich verzinst.
  • In der Regel haben Spacs zwei Jahre Zeit, um ein Unternehmen finden, das sie übernehmen möchten. Gelingt ihnen das nicht, müssen sie den Investoren das eingesammelte Geld samt Zinsen wieder zurückzahlen.
  • Hat die Spac-Führung eine geeignete Firma gefunden, die sie in den Börsenmantel stecken will, gibt sie den Kleinanlegern und Investoren Bescheid. Über die Übernahme stimmen die sie dann auf einer Hauptversammlung ab. Möchten Investoren aussteigen, muss der Spac ihnen das Geld zurückzahlen.

Der Vorteil für den Spac: Sollte sich das Start-Up als gute Investition entpuppen, verdienen die Investoren viel Geld. Der Vorteil für das Start-Up: Der Weg an die Börse gelingt mit einem Spac sehr unkompliziert und schnell, denn die Hülle ist ja bereits an der Börse.

Sind Spacs nur ein kurzer Hype oder ein dauerhafter Trend?

Allerdings sind Spacs in Deutschland noch nicht weit verbreitet. Erst im Februar 2021 brachte Investor Klaus Hommels, der viel Geld mit Aktien von Facebook oder Spotify verdiente, einen Spac an die Börse – den "Lakestar SPAC 1", der erste Spac in Deutschland seit 2011.

Hommels gilt deshalb als Spac-Pionier in Deutschland. Nun wollen auch andere Investoren hierzulande einen Spac an die Börse bringen.

"Über einen Spac an die Börse zu gehen, kann für Unternehmen oder Start-Ups ein schnellerer und kostengünstigerer Weg an die Börse sein als ein klassischer Börsengang", sagte Franz-Josef Leven, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Aktieninstituts (DAI), t-online. "Für die Attraktivität des Kapitalmarkts und den Finanzstandort Deutschland ist dies grundsätzlich positiv." 

"Auch für die Kapitalbeschaffung junger Start-Ups und damit die Innovationskraft des Standortes Deutschland ist das gut." Ob dies ein längerfristiges Phänomen in Deutschland werde, ließe sich aber noch nicht absehen, so Leven.

In den USA sind Spacs dagegen schon länger ein Trend. So ging fast jedes dritte Unternehmen im Jahr 2020 über einen Spac an die Tech-Börse Nasdaq, Tendenz steigend.

Was bedeuten Spacs für Anleger?

Anleger können in die leere Börsenhülle investieren – und darauf hoffen, dass die Firma eine kluge Investitionsauswahl trifft. Das heißt im Klartext: Findet sich eine Firma, deren Kurse an der Börse kräftig steigen, zahlt sich das für Anleger aus: Sie haben einen Gewinn gemacht.

So können Anleger schon früh von aufstrebenden Firmen profitieren. Denn in der Regel können in Start-Ups nur sogenannte Wagniskapitalfonds anlegen, also große institutionelle Investoren. Diese profitieren dann auch von dem Start-Up, tragen aber auch das Risiko. Risiken gibt es bei Spacs auch (siehe unten).

Welche Risiken bergen Spacs?

Spacs locken mit großen Versprechen. Allerdings gilt: Wie sich ein Spac entwickelt, lässt sich nicht sagen. Anleger wissen zuvor nicht, in welches Unternehmen einmal das Geld gesteckt wird. Sie kennen lediglich die grobe Branche, aus dem das Unternehmen stammen soll. Das heißt im Klartext: Spacs stellen für Anleger eine Art "Blackbox" dar.

Das sieht auch Franz-Josef Leven vom Aktieninstitut so. "Beim Kauf der Spac-Aktien kennen die Anleger das Geschäftsmodell des Unternehmens, in das sie investieren, nicht. Dessen müssen sie sich bewusst sein", sagte er t-online. "Wer dieses Risiko nicht eingehen will, sollte lieber gut diversifiziert in Unternehmen investieren, deren Geschäftsmodelle er kennt – und vor allem versteht."

Zudem gilt: Zwar entscheiden die Anleger darüber, ob das Geld in das von den Sponsoren ausgewählte Unternehmen fließen soll. Sollten sie aber nicht einverstanden sein, können sie auch aussteigen – bekommen aber nur den Ausgabewert ihrer Aktien wieder.

Das sind meist zehn Dollar je Aktie, der ursprüngliche Ausgabepreis. Sind Anleger aber zu einem höheren Preis eingestiegen, machen sie bei einem Ausstieg womöglich herbe Verluste.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Statement von Franz-Josef Leven
  • Der Spiegel: "Das heißeste Ding an den Kapitalmärkten – was Sie über Spacs wissen sollten"
  • Die Welt: "Die SPACs sind da – So profitieren Sie vom neuen Hype"
  • Manager Magazin: "Die Spacs kommen – was der Börsentrend für Anleger bedeutet"
  • tagesschau.de: "Das Geschäft mit leeren Börsenmänteln"
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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