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Seltsame Luftnot

Aktualisiert am 30.03.2015Lesedauer: 3 Min.
Röntgenaufnahme eines Brustkorbs: Woher kommt die Luftnot?
Röntgenaufnahme eines Brustkorbs: Woher kommt die Luftnot? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Eine 16-Jährige hat gerade angefangen zu rauchen. Plötzlich bekommt sie Fieber, Atemnot und Brustschmerzen. Kann beides zusammenhängen?

Das Mädchen, das sich seit zwei Monaten in einer psychiatrischen Einrichtung befindet, bekommt plötzlich Fieber. Die 16-Jährige klagt über Husten, Brustschmerzen und Luftnot. Den Ärzten im Kinderkrankenhaus der niederländischen Universität Leiden fällt auf, dass das Mädchen schnell und flach atmet, und es ist ihm deutlich anzusehen, wie schlecht es sich fühlt.

Bei der Untersuchung hören die Mediziner ein Knistern über beiden Lungenflügeln, was für eine Lungenentzündung sprechen könnte. Außerdem ist das Blut der Patientin völlig unzureichend mit Sauerstoff gesättigt, sodass sie über eine Atemmaske Sauerstoff atmen muss. Sie erfahren, dass der Kinderarzt des Mädchens am Vortag mit einer Antibiotika-Therapie begonnen hat, weil er eine Lungenentzündung vermutete.

Trotz Therapie nimmt die Luftnot zu

Die Patientin erzählt, dass sie vor zwei Wochen mit dem Rauchen begonnen habe. Außerdem schluckt sie seit drei Monaten ein Neuroleptikum, weil sie an einer psychotischen Krankheit leidet. Auf diese gehen die Autoren um die Kinderärztin Caroline Brackel in ihrem Fallbericht im Medizinjournal "The Lancet" nicht näher ein. Sie berichten lediglich, dass sich das Mädchen mitunter selbst verletze und zudem magersüchtig sei.

Eine Röntgenaufnahme von der Lunge zeigt auf beiden Seiten Verschattungen, außerdem sind ihre Entzündungswerte erhöht. Die Ärzte versuchen es zunächst mit zwei Inhalationsmedikamenten, die die Bronchien erweitern und die Sauerstoffaufnahme verbessern sollen. Die Arzneien helfen der Patientin aber nicht. Zu dem Antibiotikum Amoxicillin, das der Hausarzt ihr schon verordnet hat, geben sie ihr noch ein weiteres Antibiotikum.

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Drei Tage später geht es dem Mädchen zunehmend schlechter. Das Fieber geht nicht zurück, und die Luftnot nimmt sogar noch zu. Auf den Röntgenaufnahmen sehen die Radiologen, dass sich die entzündlichen Infiltrate vergrößert haben und sich zudem ein Erguss am unteren Lungenfell rechts gebildet hat.

Knoten und Wasseransammlungen in der Lunge

Eine typische Lungenentzündung, die sich mit Standardantibiotika behandeln lässt, hat die Patientin offensichtlich nicht. Die Ärzte denken jetzt an Erreger, die seltener eine Pneumonie auslösen, wie etwa Legionellen, Chlamydien, Toxoplasmen, Tuberkulosebakterien oder Schimmelpilze wie Aspergillus. Im Blut lassen sich allerdings keine Erreger nachweisen. Die Experten finden auch keine Hinweise auf Antikörper, die für einen Autoimmunprozess in der Lunge sprechen könnten.

Eine Lungenentzündung muss aber nicht zwingend von Erregern ausgelöst werden, sondern kann auch durch Medikamente, Chemikalien oder Zigaretten entstehen, wenn das Immunsystem dagegen reagiert. Die Ärzte lassen jetzt Schichtaufnahmen von der Lunge der Patientin machen. Die Computertomografie-Bilder zeigen mehrere knotige Veränderungen in beiden Lungenflügeln und Wasseransammlungen.

Bei einer Spiegelung der Bronchien saugen Spezialisten Bronchialflüssigkeit ab und untersuchen diese. Erreger sind darin nicht zu finden, aber es fallen viele sogenannte eosinophile Zellen auf. Diese gehören zu den weißen Blutkörperchen und werden vor allem bei Allergien vermehrt gebildet, aber auch bei Infektionen mit Parasiten und bei manchen chronischen Entzündungen.

20 Zigaretten am Tag - und ein Rückfall

Auch im Blut steigt die Zahl der Eosinophilen jetzt an. Damit ist für die Ärzte klar, dass das Mädchen eine eosinophile Lungenentzündung hat. Diese führen sie auf das Inhalieren von Zigarettenrauch zurück. Sie geben dem Mädchen das Medikament Prednisolon, das die Reaktion des Immunsystems unterdrückt. Schon 48 Stunden später geht es der 16-Jährigen deutlich besser, der Husten verschwindet, die Atemnot ebenso, und sie braucht keinen zusätzlichen Sauerstoff mehr.

Acht Tage später weigert sich das Mädchen, die Medikamente weiter zu nehmen. Es setzt sowohl das Prednisolon als auch das Neuroleptikum eigenmächtig ab. Die Ärzte überweisen die 16-Jährige zurück in die psychiatrische Klinik. Dort raucht sie an einem Tag 20 Zigaretten. Noch in der Nacht kehren Luftnot, Atemnot und Fieber zurück. Wieder bekommt sie Sauerstoff über eine Atemmaske und willigt nun auch ein, wieder Prednisolon zu nehmen. Als die akuten Beschwerden vorbei sind, setzt sie das Prednisolon wieder ab.

Die Therapie hilft dennoch, ebenso wie vermutlich das Verständnis für die Krankheit. Bei einer Kontrolluntersuchung ein Jahr später geht es der Patientin gut, sie raucht nicht und ist gesund.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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