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Triage: So entscheiden Ärzte, wer gerettet wird – und wer nicht

Von dpa, mwe

Aktualisiert am 29.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Ärzte auf einer Intensivstation: Sie mĂŒssen im Ernstfall ĂŒber Leben und Tod entscheiden.
Ärzte auf einer Intensivstation: Sie mĂŒssen im Ernstfall ĂŒber Leben und Tod entscheiden. (Quelle: Claudio Furlan/LaPresse/AP/dpa-bilder)
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Die Infektionszahlen sind weiterhin hoch und auf immer mehr Intensivstationen im Land gibt es kaum noch freie Betten. Was passiert, wenn man nicht mehr alle Covid-19-Patienten behandeln kann?

Das Wichtigste im Überblick


  • Was bedeutet Triage?
  • Diese Kriterien gelten bislang in Deutschland
  • Corona-Krise: Wer wird in Deutschland behandelt?

Die Corona-Infektionszahlen in Deutschland sind weiterhin auf einem hohen Niveau. Einige Kliniken stehen bereits kurz vor dem Ernstfall und bereiten sich darauf vor: Ärzte mĂŒssen die Ressourcen an die Covid-19-Erkrankten verteilen – nach dem System der Triage.


Diese Organe kann das Coronavirus schÀdigen

Covid-19 galt zunÀchst nur als Erkrankung der Atemwege und Lunge. Doch Untersuchungen konnten zeigen, dass sich das Coronavirus auch in anderen Organen ausbreiten kann.
Der SARS-CoV-2-Erreger befĂ€llt vor allem die unteren Atemwege. Betroffene mit einem mittleren oder schweren Verlauf entwickeln meist einen trockenen Husten, Atemnot und/oder sogar eine LungenentzĂŒndung. Besonders vorgeschĂ€digte Lungen – zum Beispiel durch Rauchen – scheinen anfĂ€llig fĂŒr einen schweren Krankheitsverlauf zu sein.
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Was bedeutet Triage?

Unter Triage wird in der Notfall- und Katastrophenmedizin die Einteilung von Verletzten oder Erkrankten im Fall eines Massenaufkommens von Patienten verstanden. Die Entscheidung darĂŒber, wer behandelt wird, richtet sich dabei nach der Schwere der Infektion oder Krankheit.

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"Triage" leitet sich von dem französischen Wort "trier" ab, das "sortieren" oder auch "aussortieren" bedeutet.

Das System kommt aus der MilitĂ€rmedizin. Ende des 18. Jahrhunderts fanden sich im "Königlich-Preußischen Feldlazareth-Reglement" erste Angaben, wie Verwundete nach Schweregraden eingeteilt werden sollten. Unter Napoleon I. entwickelte der MilitĂ€rchirurg Dominique Jean Larrey "fliegende Lazarette": Die Verwundeten wurden auf dem Schlachtfeld nach der Schwere ihrer Verletzungen sortiert und, wenn nötig, vor Ort behandelt. Der Begriff "Triage" wurde noch nicht verwendet, er setzte sich erst spĂ€ter durch.

Diese Kriterien gelten bislang in Deutschland

In Deutschland wird die Triage heutzutage in Notaufnahmen angewandt. Beim "Manchester Triage System" etwa wird der Patient innerhalb kĂŒrzester Zeit nach den folgenden Kategorien beurteilt:

  • Lebensgefahr
  • Bewusstsein
  • Blutverlust
  • Schmerzen
  • Temperatur
  • Krankheitsdauer

Entsprechend dieser EinschĂ€tzung wird er einer von fĂŒnf Dringlichkeitsstufen zugewiesen: sofort, sehr dringend, dringend, normal, nicht dringend. Diesen Gruppen wiederum sind maximale Wartezeiten zugeordnet, also die Zeitspanne, nach der ein Patient spĂ€testens Arztkontakt haben soll.

Allerdings geht man im Krankenhausalltag gewöhnlich davon aus, dass alle Patienten bestmöglich behandelt werden können. Doch bereits im FrĂŒhjahr 2020 hatte die Corona-Situation in Italien gezeigt: Ärzte mĂŒssen bei hohem Patientenaufkommen und wenigen IntensivplĂ€tzen entscheiden, wer beatmet wird und wer nicht.

"FĂŒr diesen Fall muss es allgemeingĂŒltige, transparente Kriterien fĂŒr die Triage geben", sagte Uwe Janssens, PrĂ€sident der Deutschen InterdisziplinĂ€ren Vereinigung fĂŒr Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) bereits zu Beginn der Pandemie.

Corona-Krise: Wer wird in Deutschland behandelt?

Ein Triage-Gesetz gibt es in Deutschland nicht. Es ist also nirgends explizit gesetzlich geregelt, wie Ärzte in Notfallsituation ĂŒber Leben und Tod entscheiden mĂŒssen. Sieben medizinische Fachgesellschaften – unter anderem die Divi – haben bereits im MĂ€rz 2020 entsprechende Handlungsempfehlungen fĂŒr die Triage in Corona-Zeiten erarbeitet. Die Leitlinien sollen die behandelnden Ärzte bei den schwierigen Entscheidungen unterstĂŒtzen.

In dem elfseitigen Dokument heißt es: "Wenn nicht mehr alle kritisch erkrankten Patienten auf die Intensivstation aufgenommen werden können, muss analog der Triage in der Katastrophenmedizin ĂŒber die Verteilung der begrenzt verfĂŒgbaren Ressourcen entschieden werden." So sei es "unausweichlich", eine Auswahl zu treffen, welche Patienten akut- oder intensiv-medizinisch behandelt werden "und welche nicht (oder nicht mehr)".

Die höhere Überlebenswahrscheinlichkeit entscheidet

Gibt es also mehrere Patienten in kritischem Zustand, aber nicht genĂŒgend Ressourcen, mĂŒssten Ärzte allein nach den klinischen Erfolgsaussichten entscheiden. Zum Beispiel: Wie ist der allgemeine Gesundheitsstatus? Welche Vorerkrankungen hat der Patient? Wie hoch ist der Sauerstoffgehalt im Blut? Es ist nach den deutschen Richtlinien nicht zulĂ€ssig, aufgrund des Alters oder sozialer Kriterien eine Entscheidung zu treffen.

Wie das Bundesverfassungsgericht am 28. Dezember urteilte, brauchen Menschen mit Behinderung einen besonderen Schutz bei der Triage. Vorausgegangen war eine Verfassungsbeschwerde von neun Menschen mit Behinderungen und Vorerkrankungen. Sie befĂŒrchten, von Ärzten aufgegeben zu werden, wenn keine Vorgaben existieren. Das höchste deutsche Gericht gab ihnen nun recht. Mehr dazu lesen Sie hier.

Die Empfehlungen sprechen sich außerdem fĂŒr ein Mehr-Augen-Prinzip aus. Wenn möglich sollten zwei intensivmedizinisch erfahrene Ärzte gemeinsam mit einem Vertreter des Pflegepersonals und anderen Fachleuten beschließen, welche Patienten welche Behandlung bekommen. Dabei dĂŒrfen Corona-Erkrankte auch nicht vor beispielsweise Krebs- oder Schlaganfall-Patienten bevorzugt werden.

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Generell gilt in Deutschland immer die Regel: möglichst viele Menschenleben retten.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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