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Wochenbettdepression: Symptome erkennen und Hilfsangebote

Wochenbettdepression  

Gedrückte Stimmung statt Babyglück

Von Andrea Goesch

01.07.2020, 09:28 Uhr
Wochenbettdepression: Symptome erkennen und Hilfsangebote. Mutter mit Kind: Etwa 10 bis 15 Prozent aller frischgebackenen Mütter leiden nach der Geburt ihres Kindes unter einer postnatalen Depression.  (Quelle: Getty Images/SolStock)

Mutter mit Kind: Etwa 10 bis 15 Prozent aller frischgebackenen Mütter leiden nach der Geburt ihres Kindes unter einer postnatalen Depression. (Quelle: SolStock/Getty Images)

Die Geburt ist glücklich überstanden, das Baby ist gesund und trotzdem laufen die Tränen. Grund dafür ist meist der plötzliche Hormonabfall nach der Schwangerschaft. Vom sogenannten Baby-Blues sind viele junge Mütter betroffen. Er ist völlig harmlos und meist schnell überstanden. 

Anders sieht es bei einer Wochenenbettdepression aus. Sie kann ernste Folgen für die Gesundheit von Mutter und Kind haben.

Definition: Was ist eine Wochenbettdepression?

Eine postpartale Depression, auch postnatale oder postpartale Depression genannt, ist eine ernste psychische Erkrankung, die das Denken und Handeln verändert und ärztlich behandelt werden muss. Sie entsteht bei Frauen meistens in den ersten drei bis sechs Monaten nach der Entbindung, manchmal aber auch erst zwölf Monate später. Das Wochenbett ist dann längst beendet und der Begriff "Wochenbettdepression" irreführend – hat sich allerdings umgangssprachlich etabliert. 

Die betroffenen Mütter empfinden eine tiefe Traurigkeit und fühlen sich überfordert in ihrer neuen Lebenssituation. Verschiedene Faktoren tragen zu ihrer Entstehung bei. In extremen Fällen muss eine Wochenbettdepression stationär behandelt werden.

Wochenbettdepression oder Baby-Blues: Wo liegt der Unterschied? 

"Anders als das harmlose Stimmungstief, das mit der Hormonumstellung nach der Geburt kommt und nach ein paar Tagen von selbst wieder verschwindet, reicht eine Wochenbettdepression tiefer und hält länger an", sagt Professor Kerstin Weidner, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden.

Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für psychosomatische Medizin und ärztliche Psychotherapie (DGPM) leiden 10 bis 15 Prozent der Frauen während der Schwangerschaft oder nach der Geburt an einer Depression. Vom Baby-Blues, der sich in vorübergehenden Stimmungsschwankungen zeigt und nach spätestens zwei Wochen wieder verschwunden ist, sind etwa 50 bis 80 Prozent aller Mütter betroffen. 

Symptome: Wie äußert sich eine Wochenbettdepression?

Die Symptome der Wochenbettdepression unterscheiden sich nicht im Wesentlichen von denen einer Depression in anderen Lebensphasen. Zu den Hauptsymptomen gehören Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Freudlosigkeit oder Antriebsmangel. Oft treten Symptome nur vereinzelt auf und werden nicht auf eine postnatale Depression zurückgeführt. 

Darüber hinaus zeigen sich bei einer Wochenbettdepression folgende Besonderheiten:

  • Unfähigkeit, positive Gefühle für das Kind zu entwickeln
  • Übermäßige Angst und Sorge um das Wohlergehen des Babys
  • Selbstzweifel an den eigenen Fähigkeiten als Mutter und Versagensängste
  • Zwangsgedanken (zum Beispiel das Kind zu schädigen)
  • Stillprobleme
  • starke emotionale Labilität

Typisch ist auch, dass die Mütter Schuldgefühle gegenüber ihrem Baby entwickeln. Sie machen sich Sorgen, weil es ihnen schwer fällt, sich um ihr Kind zu kümmern. Sie können sich oft nicht emotional auf das Neugeborene einstellen. Gleichzeitig haben sie Hemmungen, darüber mit anderen zu sprechen, um nicht als "Rabenmutter" angesehen zu werden. Das kann dazu führen, dass sie aus Schamgefühl keine Hilfe suchen und versuchen, das Problem mit sich selbst auszumachen.

Auch Suizidgedanken können in schweren Fällen von Wochenbettdepression auftreten. In seltenen Fällen können sich die Tötungsgedanken auch auf das Kind beziehen (Infatizid).

Folgen der Wochenbettdepression für das Baby

"Psychische Erkrankungen der Mutter haben weitreichende Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder“, sagt Weidner. Bereits im Mutterleib wirke sich die seelische Verfassung der Mutter auf das Wohlbefinden der Ungeborenen aus.

Besonders nach der Geburt sei die Art, wie Mutter und Baby miteinander interagierten, wichtig für die psychische Entwicklung des Kindes. Wenn die enge Bindung durch die mütterliche Erkrankung beeinträchtigt sei, könne das negative Auswirkungen haben, so die Psychiaterin.

Depression nach der Geburt: Ursachen und Risikofaktoren

Warum einige Frauen nach der Geburt an einer Wochenbettdepression erkranken, ist wissenschaftlich nicht vollständig geklärt. Bei der Entstehung einer postpartalen Depression wirken – wie bei depressiven Erkrankungen generell – mehrere Faktoren zusammen.

Als ein wichtiger Faktor wird die Hormonumstellung im Körper der Frau nach der Geburt angesehen. Während die  Konzentrationen der weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron sinken, steigt der Gehalt des Hormons Prolaktin. Es wird vielfach als Auslöser von Symptomen wie Stimmungseinbrüchen und Anfällen von Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit angesehen. Ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für eine Wochenbettdepression haben Frauen, die bereits zu einem früheren Zeitpunkt unter depressiven Verstimmungen gelitten haben und Frauen, in deren Familie bei engen Verwandten bereits Fälle von Depressionen aufgetreten sind.

Ebenso können bestimmte Schwangerschaftskomplikationen, ein traumatisches Geburtserlebnis und eine fehlende soziale Unterstützung während der Schwangerschaft dazu beitragen, dass junge Mütter nach der Geburt in eine Depression fallen. 

Dauer: Wie lange dauert eine Wochenbettdepression?

Ohne Behandlung kann eine Wochenbettdepression vier bis sechs Monate andauern. Einige Anzeichen können sogar noch nach einem Jahr fortbestehen. Bei Frauen, die sich in keine Behandlung begeben, besteht die Gefahr, dass die Depression chronisch wird. Daher ist es wichtig, frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen.

Mütter, die an einer Wochenbettdepression leiden, können oft keine Gefühle gegenüber ihrem Baby empfinden. Gleichzeitig sind viele von Schuldgefühlen getrieben, eine schlechte Mutter zu sein.  (Quelle: Getty Images)Mütter, die an einer Wochenbettdepression leiden, können oft keine Gefühle gegenüber ihrem Baby empfinden. Gleichzeitig sind viele von Schuldgefühlen getrieben, eine schlechte Mutter zu sein. (Quelle: Getty Images)

Therapie: Wie wird eine Wochenbettdepression behandelt?

Wie eine Wochenbettdepression behandelt wird, hängt von ihren Ursachen und ihrer Schwere ab. Eine pauschale Aussage ist daher schwierig. Bei einer leichten Depression kann es ausreichen, mehr emotionale Unterstützung und praktische Hilfe im Alltag zu erhalten. Wichtig dabei ist, die Betroffenen nicht abzuwerten und zu kritisieren. Bei einer mittleren oder starken Depression ist medizinische oder psychologische Hilfe grundlegend. Studien haben ergeben, dass Frauen, die von professionellen Psychotherapeuten und geschulten Beratungskräften unterstützt wurden, die Krise besser meistern konnten. 

Medikamente wie Antidepressiva können ebenfalls bei einer Wochenbettdepression helfen. Sie werden vor allem dann eingesetzt, wenn die genannten Maßnahmen keine Linderung verschaffen, Allerdings können Antidepressiva Nebenwirkungen haben und sind während der Stillzeit nicht ganz unproblematisch. Das Für und Wider einer medikamentösen Therapie sollte daher mit dem Arzt genau abgewogen werden.

Depression nach der Geburt:  Auch Männer kann es treffen

Eine Wochenbettdepression kann nicht nur frischgebackene Mütter, sondern auch Väter treffen. Allerdings sind Männer sehr viel seltener betroffen als Frauen. Die Erkrankungsrate liegt Studien zufolge zwischen fünf und zehn Prozent. Die Zahlen schwanken, da Männer öfter dazu neigen, ihre Beschwerden zu verschweigen.

Häufig erkrankt der Vater, weil seine Partnerin eine postnatale Depression hat oder hatte. Als weitere Ursachen gelten hormonelle Schwankungen, Beziehungskonflikte und seelische Vorerkrankungen.

Hilfe: Wo finden Betroffene Unterstützung?

Viele betroffene Mütter und Väter trauen sich nicht, über ihre negativen Gefühle zu sprechen. Sie haben Angst, auf Unverständnis zu stoßen, denn eigentlich müssten sie ja nach der Geburt ihres Kindes glücklich sein. Angehörige, Freunde und der Partner sollten daher bei Verdacht auf eine Wochenbettdepression auf den Betroffenen zugehen und ihn ermutigen, Hilfe zu suchen. Erste Anlaufstellen für betroffene Eltern können der Frauenarzt, die Hebamme oder der Hausarzt sein. Auch folgende Beratungsstellen bieten Hilfe:

  • Wochenbettdepression-Hotline: 01577 / 47 42 654 (Montag bis Freitag 8.30 bis 18 Uhr): Hier bieten Ärzte Unterstützung für Mütter und Väter, die nach der Geburt ihres Kindes Symptome wie Niedergeschlagenheit, innere Leere, Schuldgefühle oder zwiespältige Gefühle gegenüber dem Kind verspüren. Das Angebot ist eine Initiative des Universitätsklinikums der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt/Main.
  • Licht und Schatten e.V.: Die Selbsthilfegruppe bietet kostenlose Beratung an. Sie hat ein bundesweites Netz von ehrenamtlichen Beraterinnen aufgebaut, die selber einmal betroffen waren, so dass eine schnelle, vorurteilsfreie Kontaktaufnahme möglich ist.
  • Nationales Zentrum Frühe Hilfen: Das Angebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unterstützt Eltern, die nach der Geburt eines Kindes besonders belastet sind.
  • Deutsche Depressionshilfe e.V.: Der Verein bietet umfassende Informationen rund ums Thema Wochenbettdepressionen und hat eine Liste mit Beratungsstellen, regionalen Selbsthilfegruppen und speziellen therapeutischen Angeboten zusammengestellt.

Vorbeugen: Lässt sich eine postnatale Depression vermeiden?

Eine Wochenbettdepression ist kein unausweichliches Schicksal. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) verweist auf Studien, nach denen psychosoziale und psychologische Unterstützung helfen können, die Krankheit zu vermeiden. Hilfreich seien regelmäßige Hausbesuche von Hebammen oder speziell ausgebildeten Pflegekräften. Auch eine psychotherapeutische Behandlung könne dazu beitragen, nicht in eine Depression zu rutschen. 

Für Frauen mit einem erhöhten Risiko für Depressionen gibt es spezielle Unterstützungsprogramme, die der Vorbeugung einer postnatalen Depression dienen. Sie richten sich beispielsweise an Frauen, die schon früher Depressionen hatten oder die eine schwierige Schwangerschaft erlebt haben, zum Beispiel durch eine Frühgeburt.

Darüber hinaus bietet das Programm "Frühe Hilfen" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Eltern, die nach der Geburt eines Kindes besonders belastet sind, Unterstützung. Dazu zählen unter anderem Mütter, die wenig Hilfe durch andere bekommen oder Paare, die bei der Versorgung des Kindes sehr unsicher sind. Die Unterstützung umfasst unter anderem eine enge Begleitung durch eine Familienhebamme, Eltern-Treffs oder die Beratung in Erziehungsfragen. 

Verwendete Quellen:
  • Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Medizin und ärztliche Psychotherapie (DGPM)
  • Deutsche Depressionshilfe e.V.
  • Stiftung Gesundheitswissen
  • gesundheitinformation.de
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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