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Covidom-Studie: Lässt das Coronavirus Menschen schneller altern?

"In zehn Jahren Lunge eines 60-Jährigen"  

Forscher fürchten, dass Infizierte durch Corona schneller altern

07.08.2020, 11:56 Uhr
Covidom-Studie: Lässt das Coronavirus Menschen schneller altern?. Covid-19: Führt die Erkrankung dazu, dass die Organe der Patienten schneller altern? (Symbolbild) (Quelle: Getty Images/Nes)

Covid-19: Führt die Erkrankung dazu, dass die Organe der Patienten schneller altern? (Symbolbild) (Quelle: Nes/Getty Images)

Eine deutsche Corona-Studie zu Langzeitfolgen von Covid-19 will herausfinden, wie es Patienten nach mehreren Jahren gehen könnte. Der leitende Wissenschaftler spricht von schweren Organschädigungen.

Forscher aus Kiel arbeiten gegenwärtig an der sogenannten Covidom-Studie. Diese soll die Langzeitfolgen bei Covid-19-Patienten untersuchen. Die Befürchtung der Wissenschaftler: Selbst bei leichten Verläufen könnte nach einer Coronavirus-Ansteckung mit schweren Folgen zu rechnen sein.

Beschleunigt Covid-19 den Alterungsprozess?

Der leitende Forscher der Studie, Prof. Dr. Stefan Schreiber, geht davon aus, dass der SARS-CoV-2-Erreger infizierte Personen schneller altern lassen kann. Schreiber ist Internist am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel und forscht unter anderem zu chronischen Entzündungen und Alterungsprozessen.

In einem Interview mit der "Welt" sagte er: "Neben konkreten Krankheitsfolgen beschleunigt das Virus auch erstmal unbemerkt die Alterungsprozesse der inneren Organe. Ein 30-Jähriger, der die Infektion jetzt bekommt, könnte dadurch in zwei Jahren die Lunge oder das Herz eines 40-Jährigen haben – oder in zehn Jahren Lunge oder Herz eines 60-Jährigen".

Coronavirus kann starke Organschäden hervorrufen

Covid-19 betrifft zwar meist die Atemwege oder die Lunge, kann sich jedoch bereits im Akutstadium auch auf viele weitere Organsysteme auswirken. Nach aktuellem Forschungsstand ist davon auszugehen, dass es auch zu langfristigen Schäden in den Organen kommen kann. Verschiedene Studien deuten außerdem darauf hin, dass selbst bei leichten Krankheitsverläufen dauerhafte Schädigungen möglich sind.

Covid-19 sei eine sogenannte Endothelkrankheit, erklärte Schreiber. "Endothel heißen die Zellen, die die Wände der Blutgefäße bilden. Sie sind überall in unserem Körper, wo es Blutgefäße gibt, das sogenannte Endothelium ist eigentlich unser größtes Organ. Und offenbar gehört es auch zu den bevorzugten Zielen der Viren, auch diese Zellen werden infiziert."

SARS-CoV-2-Erreger und Blutzellen: Das Coronavirus kann Blutgefäße schädigen. (Quelle: Getty Images/Pixelimage)SARS-CoV-2-Erreger und Blutzellen: Das Coronavirus kann Blutgefäße schädigen. (Quelle: Pixelimage/Getty Images)

"Immunsystem schmeißt sozusagen eine Bombe"

Aus Obduktionen von Covid-19-Patienten wisse man, wie sehr Blutgefäßwände von der Erkrankung geschädigt würden, sagte der Kieler Wissenschaftler. Viele Endothelzellen würden als Folge der Infektion sterben, was das Immunsystem alarmiere. Dieses reagiere darauf ziemlich radikal, sagte er: "Schäden werden erst isoliert, dann das betroffene Gewebe zerstört, es schmeißt sozusagen eine Bombe hinein, um es danach wieder neu aufzubauen. Wenn das aber so großflächig passiert, dann entsteht enormer Aufruhr, ein Signalsturm, der sich selbst weiter anheizt."

Die Schäden könnten nach der Erkrankung wieder repariert werden, sagte Schreiber. Er gehe aber davon aus, dass solche massiven Einwirkungen nicht spurlos an den Endothelien vorübergehen könnten, was sich wiederum auf die Organe auswirke, an deren Blutversorgung sie beteiligt seien. Vorgealterte Organe könne man hingegen nicht wieder jung machen, so der Mediziner. 

Langzeitstudie in Schleswig-Holstein

Um diese Vermutungen nachweisen zu können, rufen die Forscher alle positiv getesteten Corona-Patienten in Schleswig-Holstein zu regelmäßigen Check-ups im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel auf. Im Rahmen der Covidom-Studie sollen die Betroffenen nach ihrer Genesung auf langfristige Organschäden untersucht werden. Im Zentrum stehen dabei Lunge, Herz, Niere, Leber, Stoffwechsel und das Nervensystem.

Die Studie sei vorerst auf 24 Monate ausgelegt. Wichtig sei es jedoch, nach fünf und zehn Jahren zu untersuchen, ob ehemals Infizierte unter den befürchteten langzeitigen Coronavirus-Folgen leiden, erklärte Schreiber.

Verwendete Quellen:

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