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Corona-Ausbruch und Winter: Warum es die Viren jetzt leichter haben

Verschiedene Gründe  

Corona und Winter: Warum es die Viren jetzt leichter haben

05.11.2020, 17:38 Uhr | Wilhelm Pischke, dpa

Corona-Ausbruch und Winter: Warum es die Viren jetzt leichter haben. Eine Frau im Wintermantel mit Mund-Nasen-Schutz (Symbolbild): Das Coronavirus kann sich in den kühleren Monaten wahrscheinlich leichter verbreiten als im Sommer. (Quelle: imago images/ITAR-TASS)

Eine Frau im Wintermantel mit Mund-Nasen-Schutz (Symbolbild): Das Coronavirus kann sich in den kühleren Monaten wahrscheinlich leichter verbreiten als im Sommer. (Quelle: ITAR-TASS/imago images)

In diesem Jahr ist vieles noch ungeklärt. Schausteller hoffen, dass Weihnachtsmärkte trotzdem öffnen können. Doch SARS-CoV-2 gehört zu den Winterviren – und nicht nur dadurch steigt das Ansteckungsrisiko.

Volksfeste seien in der Corona-Pandemie mit passenden Hygienekonzepten kein Problem, ist der Deutsche Schaustellerbund (DSB) überzeugt. Das hätten die Veranstaltungen des Sommers gezeigt. "Nirgendwo gab es eine nachgewiesene Infektion", sagt der DSB-Vizepräsident Lorenz Kalb. Ist die Absage von Weihnachtsmärkten wie dem Christkindlesmarkt in Nürnberg also gar nicht nötig?

Winterliche Ausbreitung durch verschiedene Faktoren begünstigt

Dazu muss man wissen: Für sehr viele Infektionen lässt sich nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) gar nicht nachvollziehen, wo die Ansteckung passiert ist – für ein begrenztes Umfeld wie eine Familie oder eine Feier ist das eher möglich als für von vielen Menschen genutzte Orte. Ob also sommerliche Großveranstaltungen die Infektionsausbreitung beschleunigt haben oder nicht, weiß derzeit niemand genau.

Hinzu kommt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung derzeit allein dadurch größer ist, dass es inzwischen wesentlich mehr akut Infizierte gibt als noch vor zwei Monaten. Und noch ein Faktor greift: SARS-CoV-2 wird in der kalten Jahreszeit verstärkt übertragen. Nicht nur, weil sich nun mehr Menschen drinnen statt draußen treffen, wo das Ansteckungsrisiko meist merklich geringer ist. Eine Reihe von Eigenschaften des Virus und des menschlichen Organismus begünstigen die winterliche Ausbreitung.

Winterviren überleben bei trockener Luft länger

Typische Winterviren – zu denen auch SARS-CoV-2 gehört – hätten bei trockener Luft vermutlich eine höhere Überlebensfähigkeit, sagt Thomas Deitmer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie. Besonders schlechte Bedingungen haben viele der Viren bei einer relativen Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent, wie aus einer im März veröffentlichten Studie von Forschern der Yale-Universität hervorgeht. Sinkt die relative Luftfeuchtigkeit – wie im Winter zu beobachten – verbessere sich die Ausgangslage für die Erreger.

"Die kalte Luft kann weniger Feuchte aufnehmen", erklärt der HNO-Arzt. Wird diese Luft bei gleichbleibender Luftfeuchte in Räumen erwärmt, sinkt die relative Luftfeuchte und es verbessert sich die Überlebensmöglichkeit und Infektiosität für das Virus. "Deshalb warnten schon die Großmütter nicht zu Unrecht vor trockener Heizungsluft", führt Deitmer aus. Aus seiner Sicht könnten daher Raumbefeuchter die Überlebensfähigkeit von SARS-CoV-2 verschlechtern.

Ein weiteres Problem: Das Nasen- und Bronchialsystem könne Viren im Winter schlechter unschädlich machen, sagt HNO-Arzt Deitmer. Der sogenannte Flimmertransport von Viren und Partikeln auf der Schleimhaut verlaufe bei kälteren Temperaturen und relativ niedriger Luftfeuchtigkeit langsamer und zäher. Über die Flimmerhärchen würden die Viren aus den Bronchien zum Kehlkopf beziehungsweise aus der Nase in den Rachen transportiert und von dort in den Magen "abtransportiert und entsorgt".

Masken und regelmäßiges Lüften sind wichtige Maßnahmen

Ein Aspekt, der aus Deitmers Sicht bisher recht kurz kam, sei die positive Wirkung der Mund-Nasen-Masken. "Die Maske nimmt einen Teil der Luftfeuchte beim Ausatmen an und gibt diese beim Einatmen wieder ab. Das erhöht die relative Feuchtigkeit der Luft und sorgt im Mund-Rachen-Raum für bessere Bedingungen zur Abwehr des Virus."

Auch regelmäßiges Lüften sei im Winter besonders wichtig, sagt Eberhard Bodenschatz, Direktor des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation. "Wir lüften zu wenig. Dabei ist Stoßlüften essenziell." Das gründliche Lüften sei insbesondere im Winter besonders effizient. "Bei deutlichen Unterschieden der Lufttemperatur im Innen- und Außenbereich ist der Luftaustausch wesentlich höher." In kürzerer Zeit käme so mehr virusfreie Frischluft in den Raum, so der Wissenschaftler.

Saisonal-ausgeprägte Depression im Herbst und Winter

Schließlich kommt hinzu, dass das Immunsystem im Herbst und Winter schwächelt. "Durch weniger Sonneneinstrahlung sinkt der Vitamin-D-Spiegel und damit die Abwehrkraft eines jeden einzelnen", sagt Bernhard Junge-Hülsing, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der HNO-Ärzte in Bayern. Auch depressive Verstimmungen schwächten die Abwehrkräfte. Solche saisonal-ausgeprägten Depressionen seien häufig im Winter und Herbst zu beobachten, erklärt jüngst Ulrich Hegerl von der Deutschen Depressionshilfe.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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