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Warum Corona-Impfstoffe das Erbgut nicht verändern

Theresa Stumpf

Aktualisiert am 17.07.2021Lesedauer: 3 Min.
Corona-Schutzimpfung: mRNA-Impfstoffe lassen sich schneller als herkömmliche Impfstoffe herstellen.
Corona-Schutzimpfung: mRNA-Impfstoffe lassen sich schneller als herkömmliche Impfstoffe herstellen. (Quelle: Kirchner-Media/imago-images-bilder)
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Die in Deutschland verfügbaren Impfstoffkandidaten von Moderna und Biontech basieren auf dem sogenannten mRNA-Prinzip. Laut Skeptikern können diese Impfungen zu Genveränderungen führen. Ein Faktencheck.

Bisherige Impfstoffe wie etwa gegen die Grippe beinhalten meist abgetötete oder geschwächte Viren oder Teile davon. Die Corona-Mittel von Biontech und Moderna funktionieren anders, nämlich erstmals über die mRNA (das "m" steht für "messenger", "RNA" für "Ribonukleinsäure").


Einfach erklärt: Die Etappen bis zur Zulassung eines Corona-Impfstoffs

Die Entwicklung eines Impfstoffs startet mit der Arbeit im Labor. Zuerst muss das Virus analysiert und verstanden werden, über welche Mechanismen der Erreger die Immunreaktionen des Körpers auslöst. Erst dann folgen die eigentlichen Etappen bis hin zur Zulassung. (Symbolbild)
Etappe 1 – Erprobung an Tieren: Zunächst wird getestet, wie wirksam und verträglich der Impfstoff ist. Neben Affen nutzen Forscher bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 auch Frettchen und genetisch veränderte Mäuse. (Symbolbild)
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Dabei werden keine abgetöteten SARS-CoV-2-Erreger injiziert, sondern nur die Bauanleitung für einen Bestandteil des Virus – das Botenmolekül mRNA. Auf dieser Grundlage stellen die Körperzellen Teile des Viren-Hüllproteins (Spike-Protein) selbst her. Gegen dieses wiederum entwickelt das Immunsystem nun bestimmte Faktoren, sodass es bei einem späteren Kontakt mit dem Coronavirus die Struktur des Proteins wiedererkennen und den Erreger gezielt abwehren kann.

Die Sorge:

Die Impfstoffe beruhen auf mRNA und können das Genom der Geimpften verändern.

Das Problem:

Bisher gab es noch keinen zugelassenen mRNA-Impfstoff in Deutschland. Insbesondere in der Krebsforschung gibt es zwar erste Phase-1-Studien zu sogenannten genbasierten Tumorimpfstoffen, jedoch mĂĽssen noch einige Verfahren durchlaufen werden, damit es zu einer Zulassung dieser Impfstoffe kommt.

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In Deutschland kommt seit dem 27. Dezember 2020 mit dem Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer erstmals ein mRNA-Impfstoff zum Einsatz. Am 6. Januar 2021 wurde auĂźerdem der Corona-Impfstoff des Pharmaunternehmens Moderna, bei dem es sich ebenfalls um einen mRNA-Impfstoff handelt, in der EU zugelassen.

Gleichzeitig existieren Sorgen, dass ein mRNA-Impfstoff das Genom der Geimpften verändern und zu Schäden führen könnte. Vor allem Impfskeptiker äußern Bedenken, die neuen Impfstoffe könnten das Erbgut beeinflussen. Als Gründe für die Skepsis lassen sich insbesondere die schnelle Entwicklung der Impfstoffe sowie Fehlinformationen, die vor allem in den sozialen Medien verbreitet werden, aufführen.

Die Gefahr:

Informationen über angebliche Veränderungen des Genoms durch die Corona-Impfstoffe könnten bei einigen Menschen den Anschein machen, sie seien gut recherchiert und damit glaubhaft. Die ohnehin schon bestehende Skepsis in der Bevölkerung, beispielsweise hinsichtlich der Wirkung, kann durch Fehlinformationen über mRNA-Impfstoffe zusätzlich verstärkt werden.

Da Langzeiterfahrungen mit mRNA-Impfstoffen bisher fehlen, kann aus Sicht der Wissenschaft nicht mit Erfahrungswerten im besonderen und ausschlieĂźlichen Fokus auf mRNA-Impfstoffe argumentiert werden.

Die wissenschaftliche Auflösung:

Das Genom, also die DNA, des Menschen befindet sich im Zellkern. Der mRNA-Impfstoff gelangt jedoch nicht in den Zellkern, sondern lediglich in das Zellzytoplasma, also den an den Zellkern angrenzenden Bereich. Laut dem Paul-Ehrlich-Institut haben mRNA und DNA zudem eine unterschiedliche chemische Struktur, weshalb eine Integration von mRNA in das menschliche Erbgut in der Regel ausgeschlossen ist.

Durch eine Membran, die den Zellkern umgibt, ist ein Eindringen der mRNA auch ausgeschlossen. Eine Gefahr, dass die mRNA, die durch die Impfung von den Körperzellen aufgenommen wird, in DNA umgeschrieben wird, besteht ebenfalls nicht, da es im Fall von SARS-CoV-2 keine Enzyme im menschlichen Körper gibt, die eine Umschreibung leisten könnten. Nach der Impfung wird das mRNA-Molekül von den Zellen des Körpers komplett zerlegt – auch dadurch wird eine Veränderung des Erbgutes verhindert.

Impfstoff von Biontech und Pfizer: Er muss bei hohen Minusgraden gelagert werden.
Impfstoff von Biontech und Pfizer: Er muss bei hohen Minusgraden gelagert werden. (Quelle: ULMER Pressebildagentur/imago-images-bilder)

Der Hintergrund:

mRNA-Impfstoffe sind genbasierte Impfstoffe, durch die der Körper der Geimpften selbst die Antigenproduktion übernimmt. Da unverpackte mRNA sehr schnell vom Körper abgebaut werden kann, wird die im Impfstoff vorhandene mRNA meist etwa durch Eiweißmoleküle verstärkt. Im Gegensatz zu Lebend- und Totimpfstoffen schleusen mRNA-Impfstoffe keine abgeschwächten Erreger, bzw. Teile davon, sondern lediglich den genetischen Bauplan für die Antigene in den Körper ein.

Im Fall der Corona-Impfung enthalten die Impfstoffe demnach einen Bauplan für Antigene gegen SARS-CoV-2. Dadurch kann das Immunsystem diese Antigene selbstständig produzieren. Der Körper eines geimpften Menschen entwickelt so eine Immunität gegen den Erreger und kann bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 schnell reagieren. Genbasierte Impfstoffe sind für die Bekämpfung der Corona-Pandemie deshalb so attraktiv, da mRNA-basierte Impfstoffe schneller als herkömmliche Impfstoffe hergestellt werden können. Statt einer großen Menge an Erregern und deren Antigenen muss lediglich der Antigen-Bauplan des Erregers produziert werden.

Die Chance:

Durch eine umfassende Aufklärung durch Bundesregierung, öffentliche Behörden, medizinische Einrichtungen sowie medizinisches Fachpersonal könnten die Unsicherheiten und Fehlinformationen in Hinblick auf eine Veränderung des Genoms durch die mRNA-basierten Impfstoffe beseitigt werden.

Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Die Debatte" von Wissenschaft im Dialog entstanden. "Die Debatte" ist eine Plattform für die Diskussion aktueller kontroverser Themen aus der Wissenschaft und will die wissenschaftliche Perspektive stärker in öffentlich viel diskutierte Themen einbringen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Nicole Sagener
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