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Sorge vor Nebenwirkungen bei Corona-Impfung: Was passiert bei Überreaktion?


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Was ist, wenn der Körper bei einer Corona-Impfung heftig reagiert?

Von dpa
Aktualisiert am 21.03.2021Lesedauer: 4 Min.
Impfung: Nach einer Corona-Impfung sind körperliche Reaktionen wie Abgeschlagenheit und Kopfweh möglich.
Impfung: Nach einer Corona-Impfung sind körperliche Reaktionen wie Abgeschlagenheit und Kopfweh möglich. (Quelle: Sven Hoppe/dpa-tmn/dpa)
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Die Impfstoffe gegen das Coronavirus nähren die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Pandemie. Doch zugleich sind viele verunsichert wegen möglicher Nebenwirkungen. Nach der Wiederzulassung von Astrazeneca gibt es noch einige Fragen.

Das Wichtigste im Überblick


Nach dem zeitweisen Stopp des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca ist bei vielen Menschen die Verunsicherung groß. Soll ich mich impfen lassen? Wie hoch ist das Risiko und welche Nebenwirkungen können auftreten? Aus Expertensicht überwiegt der Nutzen der Impfung die Risiken in aller Regel. Hier sind Antworten auf wichtige Fragen rund um das Thema.


Einfach erklärt: Die Etappen bis zur Zulassung eines Corona-Impfstoffs

Die Entwicklung eines Impfstoffs startet mit der Arbeit im Labor. Zuerst muss das Virus analysiert und verstanden werden, über welche Mechanismen der Erreger die Immunreaktionen des Körpers auslöst. Erst dann folgen die eigentlichen Etappen bis hin zur Zulassung. (Symbolbild)
Etappe 1 – Erprobung an Tieren: Zunächst wird getestet, wie wirksam und verträglich der Impfstoff ist. Neben Affen nutzen Forscher bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 auch Frettchen und genetisch veränderte Mäuse. (Symbolbild)
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Sind Impfreaktionen normal?

Schmerzen an der Einstichstelle, Schlappheit, Kopfschmerzen oder Fieber, solche Impfreaktionen treten nach der Corona-Impfung bei vielen Menschen auf und sind ganz normal. Der Impfstoff provoziert eine Immunantwort, es kann Reaktionen im gesamten Organismus geben. "Dadurch merkt man, dass da tatsächlich etwas passiert", erklärt der Allgemeinmediziner Prof. Michael Freitag, der in Oldenburg in einer Hausarztpraxis mitarbeitet und an der örtlichen Universität lehrt.

Wer gegen Covid-19 geimpft wird, kann sich auf mögliche heftigere Impfreaktionen vorbereiten, indem er oder sie ein Medikament gegen Schmerzen und Fieber parat hat. Das sollte man aber nicht vorbeugend nehmen, sondern nur bei tatsächlich auftretenden Beschwerden.

Was ist, wenn der Körper heftig reagiert?

Nach Einschätzung von Freitag können bei Covid-19-Impfungen starke Impfreaktionen wie Fieber und Schüttelfrost etwas häufiger auftreten als etwa bei Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie oder Grippe. "Dennoch müssen die Leute nicht erschrecken und gleich den Notruf oder ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen", sagt er.

Bei ihm in der Praxis seien alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Astrazeneca geimpft worden. Ein Drittel, so Freitag, hatte gar keine Beschwerden, ein Drittel bekam leichte Beschwerden und bei einem weiteren Drittel fielen sie etwas heftiger aus. Er rät: "Man sollte sich darauf einstellen, dass man eventuell ein, zwei Tage außer Gefecht ist und vielleicht nicht arbeiten können wird."

Und wann ist doch ärztlicher Rat angebracht?

Bei Fieber, das länger als ein bis zwei Tage anhält, oder massiven körperlichen Beeinträchtigungen, bei denen man den Eindruck hat, sie nicht mehr im Griff zu haben, zählt Freitag auf. Auch Lähmungen und andere Ausfälle sollte man abklären.

Gleiches gilt für Bewusstseinsstörungen. Wobei diese dem Experten zufolge oft eine Folge von Flüssigkeitsmangel bei Fieber sind. Wer erhöhte Temperatur hat, sollte deshalb ausreichend trinken.

Was ist mit sehr seltenen Blutgerinnseln im Gehirn?

Weil im zeitlichen Zusammenhang mit der Astrazeneca-Impfung mehrere Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in den Hirnvenen, vor allem bei Frauen, gemeldet worden waren, wurden die Impfungen mit diesem Vakzin zeitweise gestoppt. Die Europäische Arzneimittelbehorde Ema hat nach einer Prüfung die Sicherheit des Impfstoffs aber bekräftigt und so wird er nun auch wieder in Deutschland genutzt.

Es wurde jedoch eine Warnung in der Patienteninformation hinzugefügt, wonach in seltenen Fällen diese Hirnvenen-Thrombosen bei Frauen unter 55 Jahren als Nebenwirkung auftreten könnten.

Ich bin verunsichert, weil ich ein Thromboserisiko habe: Muss ich Angst vor der Impfung haben?

Aus Sicht von Experten: nein. Bisher sei in den Zulassungsunterlagen nicht hinterlegt, dass man bei Thromboserisiken nicht impfen dürfe, erläutert der Internist, Infektions- und Tropenmediziner Prof. Thomas Löscher aus München. Allgemeinmediziner Freitag schätzt es so ein: "Bis jetzt hätte ich auf Basis der Infos, die wir haben, keine Bedenken – da scheint mir der Nutzen der Impfung deutlich zu überwiegen, auch bei Menschen mit Thromboserisiko."

Noch klarer fällt die Einschätzung des Tübinger Kardiologen und Thrombose-Experten Prof. Meinrad Gawaz aus: "Patienten, die ein gewisses Thromboserisiko haben oder früher einmal Thrombosen hatten, zum Beispiel nach Operationen, müssen jetzt keine Angst vor der Impfung haben. Da gibt es keine Daten, die das begründen würden."

Gawaz, der auch im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung sitzt, könne hier "niemandem von der Impfung abraten". Zumal das oft Patientinnen und Patienten seien, die durch Covid-19 besondere Risiken haben.

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"Denn durch die Erkrankung steigt das Risiko für Thrombosen an, da gibt es einen klaren Zusammenhang, das gilt übrigens für jede Infektion in den Atemwegen, also zum Beispiel auch die Influenza", sagt Gawaz.

Bei der Abwägung von Nutzen und Risiko überwiegt der Schutz vor einer möglicherweise schweren bis tödlichen Erkrankung und möglichen neurologischen Spätfolgen durch das Post-Covid-Syndrom also in aller Regel das Risiko sehr seltener schwerer Impfnebenwirkungen.

Wie machen sich Hirnvenenthrombosen bemerkbar?

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das in Deutschland für die Sicherheit der Impfstoffe zuständig ist und die vorübergehende Aussetzung der Astrazeneca-Impfungen empfohlen hatte, schreibt dazu: Wer vier bis 16 Tage nach der Impfung anhaltende Kopfschmerzen habe oder punktförmige Hautblutungen bei sich entdecke, solle sich dringend in ärztliche Behandlung begeben.

Das PEI betont zugleich, dass es sich um eine sehr seltene potenzielle Nebenwirkung handle, die Wahrscheinlichkeit des Auftretens sei sehr gering. Dennoch sollte man auf Anzeichen achten.

Kann ich Nebenwirkungen melden?

Ja, und damit hilft man auch mit, die Impfstoffe noch sicherer zu machen. Beobachtungen kann man direkt dem PEI melden. Das geht online über die PEI-App namens "SafeVac" oder im Browser über das Portal "nebenwirkungen.bund.de". Auch Apotheken sind Anlaufstellen, um Nebenwirkungen zu melden.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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Von Laura Stresing, Cem Özer, Sandra Simonsen
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