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Nobelpreis für Medizin: "Auszeichnung hätte nach Deutschland gehen müssen"

MEINUNGMedizin-Auszeichnung  

Der Nobelpreis hätte nach Deutschland gehen müssen

Ein Kommentar von Christiane Braunsdorf

04.10.2021, 16:13 Uhr
Nobelpreis für Medizin: "Auszeichnung hätte nach Deutschland gehen müssen". Biontech-Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci: Wo bleibt ihre Ehrung? (Quelle: dpa/Federico Gambarini)

Biontech-Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci: Wo bleibt ihre Ehrung? (Quelle: Federico Gambarini/dpa)

Das Komitee hat seine Entscheidung für den Medizin-Nobelpreis getroffen – die falsche. Wichtiger wäre eine Auszeichnung für die Entwicklung der mRNA-Impfstoffe gewesen. 

Welches Wort bestimmte die Jahre 2020/2021? Klar: Corona. Und welche Nachricht sorgte inmitten von Lockdowns, Masken, Homeschooling und Kontaktbeschränkungen für einen Seufzer der Erleichterung? Die Meldung, dass ein bislang unbekanntes Mainzer Unternehmen einen hochwirksamen Impfstoff entwickelt hat, der das Leiden und Sterben auf den Intensivstationen stoppen kann.

Als Biontech im November diesen Erfolg verkündete, gab es endlich so etwas wie einen Hoffnungsschimmer im endlos anmutenden Corona-Tunnel. Versetzen wir uns zurück in das Frühjahr 2020, als die Anti-Corona-Maßnahmen Fahrt aufnahmen. Damals hieß es: Vielleicht könnten wir erst in fünf Jahren einen Impfstoff haben oder vielleicht sogar nie. Gegen HIV zum Beispiel gibt es bis heute keinen rettenden Piks.

Biontech holte den Siegerpokal

Kaum mehr als ein halbes Jahr später war die Corona-Impfung da. Weltweit waren Forscher am Rennen um ein wirksames Vakzin beteiligt. Viele Ansätze blieben auf der Strecke.

Die mRNA-Technologie der Biontech-Gründer Uğur Şahin und seiner Frau Özlem Türeci holte so etwas wie den Siegerpokal. Die Vektorimpfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson zeigten bald kleine und größere Schwächen. Auch solche, auf die mit übertriebener Vorsicht reagiert wurde. Ihr Image war angekratzt. Biontech galt schnell als eine Art Mercedes unter den Vakzinen.

Die mRNA-Technologie kam hierzulande rasch zur Anwendung. Bereits Ende Dezember konnten die ersten Senioren in Pflegeheimen geimpft werden. Die Bilder erzeugen bis heute Gänsehaut. Dieser Piks rettet Leben und kann die Isolation und das (oft einsame) Sterben stoppen. Millionenfach, weltweit.

Das Leiden und Sterben kann gestoppt werden 

Nicht nur in Deutschland, auf der ganzen Welt öffneten Impfzentren – zumindest in den reicheren Ländern. Zwei Milliarden der Impfdosen für die Welt sollen von Biontech und ihrem Kooperationspartner Pfizer kommen. Eine neue Technologie revolutioniert und rettet die Menschheit.

Im März wurden die Biontech-Gründer mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Uğur Şahin und Özlem Türeci sind so in gewisser Weise (angenehm bescheidene) Medizinstars geworden. Sie haben ihr Unternehmen eigentlich gegründet, um den Krebs zu besiegen. 

Die Ehrung ist aus der Zeit gefallen

Und dann verkündete das Nobelpreiskomitee heute seine Entscheidung zu den diesjährigen Preisträgern. Und wir sehen: David Julius und Ardem Patapoutian waren die Favoriten des Gremiums. Sie forschen über Rezeptoren für Temperatur und Berührung im Körper. Dazu, wie Wärme, Kälte und mechanische Kräfte Nervenimpulse auslösen, die es uns ermöglichen, die Welt um uns herum wahrzunehmen und uns an sie anzupassen. Wie wir also zum Beispiel die Temperatur eines Kaffeebechers erfühlen. 

Es gibt auf jeden Fall gute Gründe, diesen medizinischen Fortschritt auszuzeichnen. Klar ist: Hier liegt jahrzehntelange Forschung zugrunde. Die mRNA-Impfstoffe sind neu, ihre Wirksamkeit steht jedoch außer Frage. Und sie rettet Leben, täglich. Vielleicht muss nicht immer jahrzehntelange Forschung nötig sein, um die hohe Würdigung des Nobelpreiskomitees zu erhalten.

Es scheint so, als ob die Ehrung heute aus der Zeit gefallen ist. Ein Gedanke: Vielleicht hätte es für Uğur Şahin und Özlem Türeci in diesem Jahr einen Sonderpreis gebraucht? Besondere Zeiten erfordern manchmal eben auch besondere Maßnahmen ...

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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