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Sollte ich meine Corona-Impfung noch hinauszögern?

  • Melanie Rannow
Von Melanie Rannow

Aktualisiert am 15.12.2021Lesedauer: 4 Min.
Corona-Impfstoff: Das am hÀufigsten in Deutschland verwendete Mittel ist der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer.
Corona-Impfstoff: Das am hÀufigsten in Deutschland verwendete Mittel ist der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer. (Quelle: ZUMA Wire/imago-images-bilder)
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Die Debatte um verschiedene Corona-Impfstoffarten reißt nicht ab. Doch was unterscheidet eigentlich mRNA- von Totimpfstoffen? Und ist es sinnvoll, auf solche zu warten?

Das Wichtigste im Überblick


  • Warum gibt es ĂŒberhaupt verschiedene Impfstoffarten?
  • Wie funktionieren die verschiedenen Impfstoffarten gegen Covid-19?
  • Wie lange und wie gut erprobt sind sie?
  • Ist es sinnvoll, auf einen Corona-Totimpfstoff zu warten?

Die bislang in der EU zugelassenen Impfstoffe gegen Covid-19 basieren auf der mRNA-Technologie (Biontech/Pfizer und Moderna) oder Vektorviren (Astrazeneca und Johnson & Johnson). Aber auch Impfstoffe eines anderen Typs befinden sich noch in der Entwicklung. So könnte etwa der deutsch-dÀnische Hersteller Bavarian Nordic bald einen Corona-Booster als Totimpfstoff auf den Markt bringen.


Booster-Impfung: FĂŒr wen sie besonders wichtig ist

Senior: Über 80-JĂ€hrige sollten sich den dritten Piks abholen, weil bei ihnen die Immunantwort nach der Impfung oft nicht so stark ausfĂ€llt. Zudem zĂ€hlen sie generell zu den Risikogruppen fĂŒr einen schweren Verlauf von Covid-19. (Symbolbild)
Tabletteneinnahme: Bestimmte Medikamente wie Immunsuppressiva fĂŒhren zu einer ImmunschwĂ€che. Diese wiederum kann die Wirkung der Corona-Impfung beeintrĂ€chtigen. Allen Personen mit ImmunschwĂ€che wird deshalb eine Booster-Impfung empfohlen. (Symbolbild)
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Alle Vakzine haben dasselbe Ziel – den Schutz vor einer schweren Covid-19-Erkrankung – funktionieren aber auf unterschiedliche Weise. Ein Überblick.

Warum gibt es ĂŒberhaupt verschiedene Impfstoffarten?

GrundsĂ€tzlich werden Lebendimpfstoffe und Totimpfstoffe unterschieden, die mit verschiedenen Technologien hergestellt werden. Zu neueren Entwicklungen zĂ€hlen auch die genbasierten Impfstoffe – darunter mRNA-Impfstoffe und Vektorimpfstoffe.

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Alle Arten haben unterschiedliche Eigenschaften in Bezug auf die Immunantwort, die sie auslösen und sie haben unterschiedliche Anforderungen an die Herstellung. Auch die Krankheitserreger haben unterschiedliche Eigenschaften, sodass sich nicht alle Impfstoffarten fĂŒr alle Infektionskrankheiten eignen. In umfangreichen Tests wird daher geprĂŒft, welche Impfstoffe sich am besten gegen eine bestimmte Erkrankung einsetzen lassen.

Bezogen auf Covid-19 sind in Deutschland vier Impfstoffe zugelassen, von denen zwei Vektorimpfstoffe (Astrazeneca sowie Johnson & Johnson) und zwei mRNA-Impfstoffe (Biontech und Moderna) sind. Eine weitere Impfstoffart, die in Zukunft eine Rolle gegen SARS-CoV-2 spielen könnte, ist der Totimpfstoff.

Wie funktionieren die verschiedenen Impfstoffarten gegen Covid-19?

mRNA-Impfstoffe

Bei mRNA-Impfstoffen wie denen von Biontech/Pfizer und Moderna werden keine Krankheitserreger oder deren Bestandteile fĂŒr die Immunisierung benötigt. Stattdessen arbeiten sie mit Erbinformationen des Coronavirus, die aber nicht dem Virus entnommen, sondern vollstĂ€ndig kĂŒnstlich hergestellt werden.

Diese Informationen dienen als Bauplan fĂŒr den Körper, der damit die ungefĂ€hrlichen Spike-Proteine herstellen kann. Wie beim Vektorimpfstoff regen diese das Immunsystem an und es werden Antikörper gebildet.

mRNA-Impfstoffe haben den Vorteil, dass das Herstellungsverfahren unabhĂ€ngig vom jeweiligen Erreger immer gleich ist. Man spart also Entwicklungszeit fĂŒr das Produktionsverfahren.

Vektorimpfstoffe

Vektorimpfstoffe wie die von Astrazeneca oder Johnson & Johnson basieren auf fĂŒr den Menschen harmlosen Viren, den sogenannten Vektoren. Beim Impfstoff von Astrazeneca handelt es sich um ein Adenovirus von Schimpansen, das inaktiv ist, sich also nicht mehr vermehren kann. Bei Johnson & Johnson wird ein unschĂ€dliches menschliches Adenovirus verwendet.

Diese Viren werden mit Bestandteilen des Coronavirus – dem sogenannten Spike-Protein – bestĂŒckt. Die menschliche Immunabwehr reagiert im Idealfall auf SARS-CoV-2, das als harmloses Virus getarnt ist, indem es Antikörper gegen das Coronavirus produziert.

Totimpfstoffe

Totimpfstoffe enthalten abgetötete, also nicht mehr vermehrungsfÀhige Krankheitserreger oder auch nur deren Bestandteile. Diese werden vom Körper als fremd erkannt und regen das körpereigene Abwehrsystem zur Antikörperbildung an, ohne dass die jeweilige Krankheit ausbricht.

Gegen Corona sind derzeit keine Totimpfstoffe in Deutschland zugelassen (Stand 14. Dezember 2021). Entwickelt wird ein solches Mittel aktuell vom französisch-österreichischen Unternehmen Valneva und auch vom deutsch-dÀnischen Hersteller Bavarian Nordic.

Die chinesischen Unternehmen Sinovac mit dem Impfstoff Coronavac und Sinopharm haben bereits Totimpfstoffe gegen Corona entwickelt. Diese werden vorrangig in Asien und SĂŒdamerika verimpft und schneiden in Wirksamkeitstests schlechter ab als die mRNA-Impfstoffe – insbesondere auch gegen die neuen Virusvarianten.

Corona-Vakzine: In Deutschland wurden bisher die Mittel von Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson verimpft.
Corona-Vakzine: In Deutschland wurden bisher die Mittel von Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson verimpft. (Quelle: Beautiful Sports/imago-images-bilder)

Wie lange und wie gut erprobt sind sie?

mRNA-Impfstoffe

Vielfach heißt es von Impfskeptikern, die Technologie hinter den mRNA-Impfstoffen sei neu. Doch das ist ein Irrtum. TatsĂ€chlich ist sie seit etwa 30 Jahren bekannt. Bereits vor mehr als zehn Jahren wurden erste klinische Studien fĂŒr die Krebstherapie beim Menschen durchgefĂŒhrt. Und auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Autoimmunerkrankungen wird auf das Prinzip mRNA gesetzt.

Schon lange wurden also die theoretischen Grundlagen und Anwendungen von mRNA untersucht und beschrieben. Es fehlten jedoch die Investitionen fĂŒr eine Weiterentwicklung der Technologie. Die Corona-Pandemie machte diese Investitionen möglich und so konnten sich die mRNA-Impfstoffe zur BekĂ€mpfung von Covid-19 durchsetzen.

Sind die Corona-Impfstoffe sicher?
Die Behauptung, dass die Corona-Impfstoffe zu schnell entwickelt und nicht ausreichend getestet wurden, lÀsst sich leicht entkrÀften.
Die in der EU zugelassenen Impfstoffe gegen Covid-19 erfĂŒllen alle Sicherheitsstandards und haben sich in groß angelegten Studien als sicher und wirksam erwiesen. Bei der Zulassung wurden trotz Pandemiesituation keine Schritte ĂŒbersprungen.

Vektorimpfstoffe

Auch Vektorimpfstoffe wurden vor Corona bereits gegen andere Krankheiten verwendet – etwa gegen Ebola und das Denguefieber. Die Impfstoffart ist relativ neu und wird derzeit auch fĂŒr die Krebstherapie untersucht.

Totimpfstoffe

Das Prinzip der Totimpfstoffe ist seit Jahrzehnten bekannt und wird zum Beispiel bei Impfstoffen gegen Diphtherie, Hepatitis B, Keuchhusten und Tetanus eingesetzt. Auch die Grippeimpfung ist meistens ein Totimpfstoff.

Totimpfstoffe haben an sich seltener Nebenwirkungen, allerdings lÀsst der Impfschutz im Allgemeinen mit der Zeit nach. Deshalb sind Auffrischungsimpfungen bei Diphtherie oder Tetanus so wichtig.

Ist es sinnvoll, auf einen Corona-Totimpfstoff zu warten?

Einige Menschen, die sich vor den verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig neu entwickelten mRNA-Impfstoffen fĂŒrchten, könnten mit Totimpfstoffen ĂŒberzeugt werden, die sie bereits von anderen Impfungen kennen. Doch aktuell ist noch kein solcher Kandidat gegen Covid-19 in Deutschland zugelassen (Stand 14. Dezember 2021).

Und auf einen Totimpfstoff gegen Covid-19 zu warten, ist in der aktuellen Pandemiesituation fatal. Hierzulande ist die vierte Corona-Welle in vollem Gange. Hinzu kommt die allmĂ€hliche Ausbreitung der neuen Omikron-Variante, die womöglich noch ansteckender als Delta ist. In diesem Winter wird das Infektionsrisiko fĂŒr Ungeimpfte deshalb so hoch sein wie nie zuvor.

Es wird aber noch mehrere Monate dauern, bis der erste Totimpfstoff in Deutschland verimpft werden kann. Denn wie jedes andere Vakzin mĂŒssen auch die neuen Impfstoffkandidaten von den Behörden eingĂ€ngig geprĂŒft werden. Die europĂ€ische Arzneimittelagentur Ema, die fĂŒr die Zulassung von Covid-19-Impfstoffen zustĂ€ndig ist, besteht darauf, dass die Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe in klinischen Phase-III-Studien in Pandemiegebieten belegt wird. Eine Zulassung bereits mit den Ergebnissen aus Phase-II-Studien kommt daher nicht in Betracht.

Bei den vier Corona-Impfstoffen, die aktuell in der EU zugelassen sind, wurden jeweils alle Studienphasen durchgefĂŒhrt. Insbesondere die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sind sehr gut erprobt. In den vergangenen Monaten wurden damit weltweit ĂŒber 300 Millionen Menschen vollstĂ€ndig immunisiert. Das bedeutet auch: Es gibt generell kaum einen Impfstoff, der bislang so gut und breit untersucht wurde.

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Auch Virologen und Experten des Robert Koch-Instituts halten es aufgrund dieser erwiesenen guten Eigenschaften der aktuell erhĂ€ltlichen Impfstoffe fĂŒr falsch, den Impftermin hinauszuzögern.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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