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Corona-Pandemie: Wer soll all die Menschen impfen?

Neue Empfehlungen  

Wie sollen all die Menschen geimpft werden?

25.11.2021, 12:12 Uhr
Corona-Pandemie: Wer soll all die Menschen impfen?. Riesiger Andrang bei Impfaktion in Lüneburg: In ganz Deutschland ist das Interesse an Impfungen derzeit sehr groß. (Quelle: dpa/Philipp Schulze)

Riesiger Andrang bei Impfaktion in Lüneburg: In ganz Deutschland ist das Interesse an Impfungen derzeit sehr groß. (Quelle: Philipp Schulze/dpa)

Alle Erwachsenen sollen eine Booster-Impfung bekommen, auch Kinder unter zwölf könnten bald geimpft werden und insgesamt soll die Impfquote steigen. Doch wer soll all die Impfungen möglich machen?

Dass die Impfquote steigen muss und mittlerweile zahlreiche Menschen eine Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 benötigen, ist unumstritten. Kürzlich hat die Ständige Impfkommission (Stiko) zudem Booster-Impfungen für alle Erwachsenen empfohlen, zuvor war die dritte Impfung nur für Ältere und andere vulnerable Gruppen vorgesehen. Bald könnte noch die Impfung der Kinder unter zwölf dazukommen.

Da stellt sich die Frage, wie das Gesundheitssystem all den Impfwilligen gerecht werden soll. Müssen Menschen wieder auf Wartelisten beim Hausarzt hoffen oder sich die Finger im Onlineportal des Impfzentrums wund klicken? t-online hat Meinungen der Ärzteverbände zusammengetragen. 

Wie viele Menschen werden aktuell geimpft? Wie hat sich die Zahl entwickelt? 

Laut Impfdashboard der Bundesregierung wurden am 23. November rund 640.000 Impfdosen verabreicht. Rund 63.000 der Impfungen führten zur vollständigen Impfung, fast 500.000 hingegen waren Booster-Impfungen. Insgesamt haben demnach rund 68 Prozent der Bevölkerung einen vollständigen Impfschutz und 6,6 Millionen Menschen bereits eine Booster-Impfung erhalten. 


Der Schnitt liegt aktuell allerdings bei nur 419.000 Impfungen pro Tag und etwa fünf Personen pro Sekunde. Zur Hochzeit der Impfungen im Frühsommer waren es mehr als eine Million Impfungen täglich. Die bisher meisten Impfungen wurden mit 1,4 Millionen demnach am 9. Juni verabreicht. Durch die Schließung der meisten Impfzentren im Spätsommer ist es jetzt allerdings so, dass ein großer Teil der Impfungen auf die niedergelassenen Ärzte fällt. 

Krankenhäuser bieten Unterstützung an 

Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, erklärt deshalb in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit anderen Ärzteverbänden: "Die Botschaft an die Bevölkerung ist ohne Zweifel: Kontakte vermeiden und Impfungen in jeder Form jetzt in Anspruch zu nehmen. Aber auch hier brauchen wir eine vernünftige Reihenfolge: Sie sollten nicht alle sofort in die Krankenhäuser oder zu dem Hausarzt laufen." Und obwohl die Patientenversorgung in den Krankenhäusern natürlich Vorrang habe, seien auch die Krankenhäuser bereit, sich lokal an den Impfungen zu beteiligen, um eine Alternative zu Impfzentren und Hausärzten zu bieten. 


Josef Düllings, Präsident des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) ergänzt: "Wir impfen unsere Mitarbeiter bereits – aber wir möchten anbieten, dass die Krankenhäuser auch bei der Impfung der Bevölkerung unterstützen." Er fühle sich an 2020 erinnert: "Es ist wirklich fünf nach zwölf – wir bieten unbürokratische Hilfe."

Arztpraxen hoffen auf Hilfe bei der Impfkampagne

Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bundes, betont zudem: "Die Kollegen kommen in Teilen Deutschlands an die Belastungsgrenzen. Aber wir wollen noch mehr Tempo in die Impfkampagne bringen." Man müsse davon ausgehen, dass es wirklich drei Impfungen braucht für den vollständigen Impfschutz. "Wir wissen aber, dass es Zeit braucht, um Impfzentren wieder aufzubauen. Wenn wir die Aktion jetzt voranbringen, wirkt es natürlich auch erst im Januar", schränkt Johna ein. Der Marburger Bund ist die Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärzte in Deutschland.

Und auch Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, erklärte, die Praxen "begrüßen jeden Arzt, der sich am Impfen beteiligt". Natürlich sei die Lage ziemlich angespannt, zudem müssten viele Ärzte Beschimpfungen und die Frustration ihrer Patienten aushalten. "Trotzdem hat die Impfgeschwindigkeit schon jetzt deutlich zugenommen. 75 Prozent der ärztlichen Praxen haben in der vergangenen Woche geimpft", lobt er allerdings auch.

Covid-Impfung in der Apotheke: In anderen Ländern ist das längst Standard, hierzulande sollen Impfungen weiterhin nur von Ärzten durchgeführt werden. (Quelle: imago images/Ukrinform)Covid-Impfung in der Apotheke: In anderen Ländern ist das längst Standard, hierzulande sollen Impfungen weiterhin nur von Ärzten durchgeführt werden. (Quelle: Ukrinform/imago images) 

Privatärzte sind an Impfkampagne beteiligt

Das bestätigt auch Dr. Christoph Gepp vom Privatärztlichen Bundesverband: "Wir haben rund 55.000 Allgemeinärzte in Deutschland und alle fahren Sonderschichten, um zu impfen." Von der Politik komme allerdings mit sich ständig ändernden Vorgaben "das genaue Gegenteil von Unterstützung". Das Vorgehen sei zudem "stark an der Realität vorbei".

Die neuen Empfehlungen hätten für einen "Riesenschub" an Impfwilligen gesorgt, dabei sei es nur in Einzelfällen wirklich zu empfehlen, sich vor Ablauf der sechs Monate boostern zu lassen. Anders als noch im Frühjahr, als Privatärzte zunächst von der Impfkampagne ausgeschlossen waren, impfen sie jetzt fleißig mit, erklärt Gepp, es gebe rund 15.000 Privatärzte in Deutschland, 5.000 bis 7.000 von ihnen seien Allgemeinmediziner.

Impfungen sollten Ärzten überlassen bleiben 

"Die Hauptlast der Impfkampagne tragen die niedergelassenen Ärzte und ihre Mitarbeiter", betont Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbandes Fachärzte Deutschland. 90 Prozent der Ärzte in den Impfzentren seien ebenfalls niedergelassene Ärzte. "Wir befinden uns vielleicht im letzten Drittel des Marathons, aber mitnichten am Ende. Bei der Komplettierung des Impfstatus wird es darauf ankommen, zunächst einmal die Vulnerablen zu schützen. Für die Belegung der Krankenhäuser ist es ganz wichtig, diejenigen als Erstes zu impfen, die am schwächsten sind", betont er. 

Trotzdem halten die Ärzteverbände wenig vom Vorschlag, auch Apotheken in die Impfkampagne einzubinden. So erklärt Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer: "Impfen ist natürlich Sache der Ärzte. Angesichts der großen Bereitschaft aller ist das gar nicht notwendig." Er betont aber auch: "Was aber die Apotheker leisten können, wäre die Aufklärung und Information zu den Impfungen im Vorfeld."

Die Apotheken hingegen zeigten sich bereit, nicht nur aufzuklären, sondern auch zu impfen. Laut einer Befragung des Apothekerverbandes Nordrhein unter jenen Kollegen, die in Nordrhein-Westfalen bereits Grippeimpfungen durchführen, wären diese auch bereit, gegen SARS-CoV-2 zu impfen. Der Verband hält es laut "Deutscher Apotheker Zeitung" für möglich, allein in Nordrhein mindestens 25.000 Impfungen pro Woche durchzuführen – mit adäquater Honorierung sogar noch mehr.

Verwendete Quellen:
  • Dr. Christoph Gepp, 2. Vorsitzender und Schatzmeister des Privatärztlichen Bundesverbandes
  • Deutsche Apotheker Zeitung: "Apotheken sind bereit für die Booster-Impfung", 17. November 2021. 

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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