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Vor- und Nachteile der Fußbodenheizung

Von dpa-tmn
Aktualisiert am 18.04.2016Lesedauer: 4 Min.
Bei der Fußbodenheizung werden die Heizrohre mit Estrich bedeckt.
Bei der Fußbodenheizung werden die Heizrohre mit Estrich bedeckt. (Quelle: /dpa-bilder)
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Fast jeder zweite Bauherr entscheidet sich heute fĂŒr eine FlĂ€chenheizung. Meist ist es eine Fußbodenheizung, aber auch Wand- und Deckenheizungen sind stark im Kommen. Ihr großer Vorteil: Die Betriebskosten liegen etwa zehn Prozent unter denen fĂŒr eine Radiatorheizung. Viel spricht also fĂŒr die Fußbodenheizung – und viele Vorurteile erweisen sich als reine Alltagsmythen. Trotzdem gibt es auch so manchen Nachteil.

Laut einer Studie der Freien UniversitĂ€t Berlin im Auftrag des Bundesverbands FlĂ€chenheizungen und FlĂ€chenkĂŒhlungen (BVF) in Hagen ist eine Fußbodenheizung nicht unbedingt teurer als eine Radiatorheizung. "Material- und Arbeitskosten sind annĂ€hernd gleich", sagt BVF-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Joachim Plate. Falls es Mehrkosten gibt, sollte der Bauherr sich erkundigen, wie diese zustande kommen.

Ähnlich sieht das Matthias Wagnitz vom Zentralverband SanitĂ€r Heizung Klima (ZVSHK): "Der Einbau ist etwas teurer, aber gerade beim Neubau ist das nicht gravierend." Der höhere Preis fĂŒr Fußbodenheizungen gehe etwa auf die DĂ€mmung zurĂŒck, die im Preis einkalkuliert ist. Bei einer Radiatorheizung spielt diese zum Beispiel in die Kalkulation des Estrichlegers hinein, was dessen Arbeit verteuert.

Fußbodenheizung: Dieser Fehler kommt teuer

Die Kunststoffrohre von Fußbodenheizungen haben bei ordnungsgemĂ€ĂŸem Betrieb eine Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren, erklĂ€rt Wagnitz. Entgegen mancher landlĂ€ufiger BefĂŒrchtungen altern sie nicht so leicht, weil das System nur mit geringen Temperaturen und wenig Druck betrieben wird. "Wichtig ist, dass man Material verwendet, in das kein Sauerstoff hineindiffundiert", ergĂ€nzt Holfert. "Sonst kann es schon nach ein oder zwei Jahren in den Rohren zur Verschlammung kommen." Das wird dann teuer. Deshalb sollte man sich beim Material nicht an den niedrigsten Preisen orientieren. Der Aufwand zum Austausch der Rohre ist bei der FlĂ€chenheizung höher als bei einer Radiatorheizung.

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Die Fußbodenheizung sieht man nicht

Eine Fußbodenheizung sieht man nicht. Plate rĂ€t daher zu dieser Heizart bei raumhohen Fenstern. "Heizkörper mĂŒssen regelmĂ€ĂŸig gereinigt werden, das entfĂ€llt bei Fußbodenheizungen", ergĂ€nzt Wagnitz. Der Anblick scheint die meisten aber nicht zu stören: Laut einer ZVSHK-Umfrage wĂŒnschen sich nur rund zehn Prozent der Befragten kleinere Heizkörper. Allerdings können diese sogar bewusster Hingucker im Raum sein. Vor allem Infrarotheizungen können wie kleine Kunstwerke aussehen.

Beim Einbau sind beide Systeme gleichauf

Der Kessel einer Radiatorheizung nimmt relativ viel Platz ein, der Einbau ist allerdings leicht. Das gilt auch fĂŒr das Verlegen von Fußbodenheizungen im Neubau: Auf den Rohbeton wird eine WĂ€rme- und TrittschalldĂ€mmung verlegt, darauf kommen die Leitungen der Fußbodenheizung, ehe der Estrich aufgebracht wird, erklĂ€rt Plate.

SpĂ€terer Einbau einer Fußbodenheizung ist schwierig

"In einem bewohnten Altbau eine Fußbodenheizung nachzurĂŒsten, ist möglich, aber sehr aufwendig", sagt Wagner. Entweder muss der Fußbodenaufbau um mehrere Zentimeter erhöht oder entsprechende KanĂ€le in den Fußboden gefrĂ€st werden, die die Rohre aufnehmen. Hier kann es sich unter UmstĂ€nden eher anbieten, eine Wandheizung einzubauen, erklĂ€rt Plate.

Auch Birgit Holfert von der Verbraucherzentrale Energieberatung rĂ€t, abzuwĂ€gen, ob eine NachrĂŒstung im Altbau Sinn macht. "Ob einem das wert ist, hĂ€ngt von der eigenen Befindlichkeit ab." Denn der Aufwand sei recht hoch, und beide Heizsysteme haben ihre Berechtigung. "Vor dem Verlegen einer Fußbodenheizung muss man sich auch im Klaren sein, welchen Fußbodenbelag man wĂ€hlt", erklĂ€rt die Exertin. Wenn es zum Beispiel Kork oder Holz sein soll, ist eine spezielle Fußbodenheizung nötig.

Gegen den Einbau in einen Altbau spricht oft auch, dass eine FlĂ€chenheizung eine möglichst gut gedĂ€mmte Umgebung braucht, damit die WĂ€rme im Haus bleibt. In HĂ€usern, die nicht den Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) entsprechen, können sie ihre QualitĂ€ten nicht voll entfalten. "Weil dort in den meisten FĂ€llen höhere Vorlauftemperaturen benötigt werden, braucht die Heizung mehr Brennstoff und kann nicht so energieeffizient arbeiten wie in gedĂ€mmten GebĂ€uden", sagt Holfert. "Es gibt aber fĂŒr jeden Einzelfall Lösungen", betont Branchenexperte Plate.

Nicht beides einbauen

Wagnitz rĂ€t davon ab, beide Systeme zu mischen, also eine Radiatorenheizung zu wĂ€hlen und obendrein Rohre zur FußbodenerwĂ€rmung im Bad zu verlegen. "Das ist nicht effizient. Außerdem lĂ€sst sich die Temperatur nur schwer kontrollieren, und es wird im Raum möglicherweise zu warm", erklĂ€rt er. Wer unbedingt beide Systeme einbauen will, sollte allenfalls etagenweise mischen.

Fußbodenheizung spart zehn Prozent Betriebskosten

Fußbodenheizungen sind effizienter als Radiatoren. "In Neubauten mit WĂ€rmepumpen oder Solarkollektoren kommt man an ihnen nicht vorbei", sagt Holfert. FlĂ€chenheizungen können schon bei niedriger Temperatur betrieben werden. Sie benötigten lediglich eine Vorlauftemperatur von 30 bis 35 Grad. "Um die gleiche Heizleistung bei Radiatoren zu erzeugen, braucht man eine Vorlauftemperatur von 50 bis 60 Grad, denn die OberflĂ€che des Heizkörpers ist viel kleiner", erklĂ€rt die Expertin. Dementsprechend sind Fußbodenheizungen ökologisch vorteilhaft und auch gut fĂŒr den eigenen Geldbeutel. "Rund zehn Prozent Betriebskosten lassen sich so einsparen", sagt Plate.

Der Branchenvertreter Plate findet außerdem die thermische Behaglichkeit bei FlĂ€chenheizungen grĂ¶ĂŸer. "Wenn die Raumumschließung warm ist, empfindet man die Raumluft insgesamt als wĂ€rmer." Bis zu zwei Grad kĂŒhler könne es im Raum sein, man empfinde es aber gleich behaglich. Außerdem sei die Raum-Luft-Strömung bei Fußbodenheizungen besser, denn sie verströmen die WĂ€rme ĂŒber den Boden gleichmĂ€ĂŸig nach oben. Bei Heizkörpern gebe es dagegen partielle Luftbewegungen.

Nachteil der Fußbodenheizung

"Der Vorteil von Radiatoren ist jedoch, dass sie viel schneller reagieren", sagt Holfert. Es wird also zĂŒgiger warm. Da die Fußbodenheizung eine große FlĂ€che hat und der mehrere Zentimeter starke Estrich ein großer Speicherkörper ist, ist diese Heizungsart trĂ€ge. Doch die Branche arbeitet daran diesen Nachteil zu beheben. Moderne Heizungen verfĂŒgen ĂŒber einen Selbstregulierungseffekt. Steigt die Temperatur im Raum, zum Beispiel durch intensive Sonneneinstrahlung, wird die WĂ€rmeabgabe automatisch reduziert. Umgekehrt hat die Absenkung der Raumtemperatur einen Anstieg der Leistungsabgabe zur Folge.

Welche BelĂ€ge sich fĂŒr die Fußbodenheizung eignen

GrundsĂ€tzlich eignen sich keramische Fliesen und Natursteine hervorragend wegen ihrer Speicher- und WĂ€rmeleitfĂ€higkeit, erklĂ€rt die Initiative WĂ€rme+. Aber auch Produkte aus den Gruppen Laminat, Parkett, Linoleum und Teppich lassen sich ĂŒber Heizmatten legen. Die Hersteller geben aber bei jedem Produkt extra an, ob genau dieses geeignet ist - etwa mit dem Hinweis "Geeignet fĂŒr Fußbodenheizung". Die Experten raten auch, im Handel konkret nachzufragen.

Teppiche tragen ein schwarz-weißes Symbol, das eine Heizschlange und drei nach oben zeigende Pfeile zeigt. Diese Produkte wurden nach den Normen EN 12667 oder ISO 8302 geprĂŒft.

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